Dr. Frank Liebke verläuft sich

Die wenigsten Menschen wissen, dass Mediziner von Ernährung keine Ahnung haben und das Ernährungsphysiologie in der Ausbildung zum Allgemeinmediziner so gut wie keine Rolle spielt. Ein Arzt ist in Ernährungsfragen also einem informierten Laien fast gleichgestellt, zumindest sollte man auf dieser Grundlage mit Ernährungsinformationen umgehen, die von Ärzten kommen ohne ernährungswissenschaftliche Ausbildung. Denn die Ausbildung zum Ernährungswissenschaftler ist ein völlig selbständiger, akademischer Zweig. Sicherlich ist es für einen ausgebildeten Arzt wesentlich einfacher, aufgrund der Ausbildung Zusammenhänge zu erkennen und Informationen wie wissenschaftliche Studien zu beschaffen. Aber das bedeutet nicht dass er oder sie mehr wissen muss über Ernährung als eine ernährungsphysiologische Laiin die das als Hobby betreibt und hauptberuflich als Gebäudereinigerin tätig ist.

Der Fisch stinkt vom Kopfe her
Interpretation eines Fischleichenteils, CC:Ava Odoemena

Herr Dr. Frank Liebke aus Hamburg ist Autor mehrerer Bücher über Ernährungsthemen, und wohl jetzt über die Chlorella „Alge“ (sie ist eigentlich eine Mikropflanze) bei „Fisch“ angekommen. Wenn Nichtveganer von „Fisch“ reden, dann ist damit das Fleisch aus dafür explizit getöteten, wasserbewohnenden Tierpersonen gemeint. Anders als bei der industriellen Ermordung von landbewohnenden Tierpersonen, werden Fische nicht im Einzelnen gezählt, sondern in Tonnen. Der Konsum von Fischfleisch bedeutet nicht nur den vermeidbaren Tod jedes einzelnen Individuums, sondern stellt über den so genannten Beifang auch zusätzlich eine Belastung dar für die „Bestände“. Das Wort Bestände ist übrigens bezeichnend für den Bezug den der Benutzer auf wasserbewohnende Tierpersonen nimmt, und wie meilenweit diese Vorstellung entfernt ist von der Wahrnehmung ethischer Rechte. So verwundert es auch nicht, dass Menschen, die von „Beständen“ sprechen, sogar empört reagieren wenn man als vegan lebender Mensch diese Verunglimpfung nicht mit trägt.

Nun hat Buchautor Dr. Frank Liebke über die Algen und Mikropflanzen zu „Fisch“ gefunden, beziehungsweise zu den in Fischleichen enthaltenen, viel diskutierten Omega3 Fettsäuren und anderen Nährwerten, und empfiehlt nicht nur in einem Interview mit der Berliner Morgenpost mehr Fische zu essen, sondern untermalt diese Aufforderung auch noch mit etwas Realsatire. (TUI hat diese peinliche Selbstdarstellung entfernt, leider kein Monitorfoto, zu sehen war Dr. Liebke, einen riesigen, toten Fisch haltend in Anglerpose und weißem Kittel und Stethoskop um den Hals.) Aktualisierung: Oh, Google Cache hat noch was.

„Keinen Fisch zu essen, gefährdet die Gesundheit.“ ist eine seiner Werbeaussagen für eine Kreuzfahrt auf der er im Oktober, so die TUI Cruises, die Dr. Liebke als Ernährungsexperten ausweist, bestätigt auch durch den im weißen Autoritätskittel posierenden Mediziner, persönlich die Vorzüge des Fischleichenkonsums erörterte. Nur, was ist mit der Gesundheit des Fischs, der dabei zu Tode kommt? Was ist mit der Bedrohung der Bestände und die generelle, physikalische Unmöglichkeit für alle 7 Milliarden Menschen die Versorgung mit Omega3 Fettsäuren über die Generierung der zuckenden Tonnagen zu gewährleisten? Auch weitere Fakten ignoriert oder verharmlost er, wie die Quecksilberbelastung in Fischen oder den massiven Einsatz von Antibiotika in Fischfarmen. Fisch sei streng kontrolliert. Nundenn, wer würde sich auch erdreisten der gutmütigen Mutter tierbasierter Nahrungsmittelindustrie völlig ungerechtfertigtes Misstrauen entgegen zu bringen?

Und überhaupt, sollte gesunde Ernährung nicht für alle Beteiligten gelten? Also wirklich Alle? Für Herrn Dr. Liebke offensichtlich nicht, der manngewandt rhetorisch das Gesamtkonzept eintunnelt auf eine Minderheit im deutschsprachigen Westen und dieses Konzentrat in Schusslinie bringt in Richtung Zielgruppe.

Allen Ernstes empfiehlt er im Interview mit der Morgenpost den Verzehr von Lebertran. Wäre er der Experte, als der er von der TUI und auf der Buchbeschreibung von Amazon ausgewiesen ist, hätte er wissen müssen, dass vom Verzehr von Lebertran wegen der giftigen Menge an Vitamin A abgeraten wird, von der schnellen Verranzung der Öle in dieser Form, und somit der Wirkungslosigkeit der Omega3 Fettsäuren einmal völlig abgesehen.

Die rhetorische Verknüpfung von gesundheitlichen Vorteilen mit Nahrungsmitteln, für die eine Tierperson ausgebeutet oder umgebracht werden muss, macht immer wieder wütend. Gerade auch wenn die Behauptungen veraltet und somit falsch sind. Die Gedankenlosigkeit die dahinter steckt, die Amoral scheint so gar nicht zu passen in unsere aufgeklärte Zeit, eine seltsame Asymmetrie die hier besteht in der Gesellschaft die sich nicht schert und die letztendlich, aller Lippenbekenntnisse zum Trotz, dumpf evolutionär vor sich hinlebelt und Schneisen durch Leichenberge frisst.

Die Trendwelle Omega3 flaut übrigens schon wieder ab, der Körper kann es nämlich selbst aus Fetten synthetisieren, und es kommt wie bei allem in der Ernährung nicht auf einzelne Stoffe an die zugeführt werden, sondern auf die Gesamtbalance. Bereits günstiges Rapsöl befördert die Omega3 Balance des Fetthaushaltes im Körper, und wer sich einen Luxus leisten möchte der sollte sich mit Feinkostöl aus Hanfsamen beschäftigen oder den geschälten Hanfnüssen direkt. Denn um seinem Körper etwas gutes zu tun muss niemand schreien, bluten oder ersticken.

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5 Antworten to “Dr. Frank Liebke verläuft sich”

  1. Fatale Entscheidung bei der DGE bezüglich Vitamin D « Veganes Auge Says:

    […] also sehr viel Propaganda über die Segnungen des Fischleichenverzehrs erwarten, ähnlich wie bei dieser Realsatire. Dies obwohl der Konsens der Vitamin D Experten ist, dass Ernährung als Lieferant für Vitamin D […]

  2. werweiss Says:

    „Aktualisierung: Oh, Google Cache hat noch was.“

    -> Seitenladefehler

  3. Ulrike Boehnke Says:

    Sehr geehrter Dr. LIebke,
    ich finde es verantwortungslos, nicht ausgebildete Personen zu
    schulen,die keine Vorkenntnisse über den Körper deren Funktionen
    und der Medizin haben. Diese Menschen werden auf Menschen
    „losgelassen“ und vertreiben das Chlorella. Ich habe eine Gerinnungsstörung in der Leber, Thrombose und Embolien gehabt,
    überlebt und jetzt Marcumarabhängig. Den INR stelle ich mir selber
    ein und erlebte, nach einer Einnahme von Chlorella ca. 14 Tg –3Wochen einen Abfall meines Wertes bis ins unendliche und muss
    16.000 I.E. Monoembolex jetzt täglich spritzen. Meine Ärztin fand das verantwortungslos. Das hätte mein Leben kosten können.
    Habe wohl keine Thrombose und Embolie geschossen. Was Sie über Marcumar schreiben stimmt so nicht! Ich habe es erlebt.
    Und da ist es genauso wie mit Johanniskraut, mit anderen Medis
    kommt es zu Wechselwirkungen und der INR ist nicht mehr
    einstellbar. Bitte überprüfen Sie Ihre Schulung und Aussagen.
    Es gibt keine Wunderdroge, die gegen alles wirkt. Und ein
    Diabetes ist nicht heilbar. Die Werte können durch entsprechendes
    Verhalten positiv beeinflußt werden.
    Ich bitte Sie sehr, bevor ernsthaftes passiert.
    Mit freundlichen Grüß
    Ulrike Boehnke
    Mirander Str. 54
    70825 Korntal

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