Apotheken: Veganer unerwünscht

Bei einer zwischen 2005 und 2008 vorgenommenen repräsentativen epidemiologischen Studie des Max-Rubner-Instituts in Karlsruhe wurde, wenn man den 25-Hydroxy-Vitamin-D Spiegel, also 25(OH)D von 30 ng/ml anlegt, bei 90 Prozent der Deutschen ein behandlungsbedürftiger Mangelzustand festgestellt. In jeder beliebigen Gruppe aus 10 Personen haben also 9 einen krankhaften Vitamin D Mangel. Wieso berichtet die Tagesschau nicht darüber in ihrer 20:00h Ausgabe? Vitamin D spielt eine wichtige Rolle nicht nur für den Kalziumhaushalt, sondern, das weiss man seit einigen Jahren, auch für das Immunsystem.

Ergocalciferol
Ergocalciferol Vitamin D2, CC:wikipedia, Quelle im Link

Vitamin D ist also ein äußerst wichtiges Thema, auch für Veganer, denn es gibt überhaupt keinen Grund anzunehmen, dass Veganer durch die allgemeine Veränderung des Lebensstil hin zu Aufenthalten in Innenräumen bei Arbeit und Freizeit nicht genauso von Vitamin D Mangel betroffen wären wie der Rest der Bevölkerung.

Vor allem im Winter ist, und, wenn man die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der Vitamin D Forschung ernst nimmt womöglich auch ganzjährig, eine Supplementierung mit Vitamin D angemessen.

Es gibt zwei Formen von Vitamin D im Handel, Vitamin D2 und Vitamin D3. Inzwischen gelten beide Varianten in ihrer Wirkung wieder als gleichberechtigt, allerdings wurde Vitamin D2, das nicht auf tierlichen Rohstoffen basiert von Vitamin D3, das größtenteils aus Schlachtwolle synthetisiert wird, fast vollkommen verdrängt. In Deutschland direkt ist (war zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Textes) kein Supplement erhältlich, in der die vegane Variante Vitamin D2 vorliegt.

Allerdings stehen allen Apotheken über die internationale Liste ihres Rechnersystems auch Produkte und Präparate aus dem EU-Umland und sogar dem Ausland zur Verfügung, in Frankreich z. B. sind vegane Vitamin D2 Tropfen unter dem Namen Sterogyl 2.000.000 rezeptfrei erhältlich,
und dies mit um die 2,50 Euro pro Tropffläschchen auch sehr günstig, da Frankreich EU Land ist, darf sich jeder für den Eigenbedarf eindecken. Selbst bei einem Verbrauch von 4.000 Internationalen Einheiten pro Tag bei niedrigem 25(OH)D Wert reicht der Vorrat für 100 Tage. Also eine perfekte Lösung nicht nur für Veganer, aber da in Deutschland das Produkt nicht standardmäßig geführt wird, kommt es bei uninformierten Veganern auf die Kompetenz der Apotheke an.

EDIT: Zu Sterogyl gibt es jetzt einen eigenen Eintrag im Blog.

Aus diesem Grund hat Veganes Auge in Berlin eine Umfrage bei Apotheken durchgeführt, es handelt sich dabei nicht um eine repräsentative Umfrage, allerdings ist das Ergebnis doch beachtenswert. Simuliert wurde die Situation einer Veganerin, die für die Wintersupplementierung Vitamin D2 nachfragt in einer Konzentration von mindestens 1.000 IE. Die richtige Vorgehensweise wäre gewesen:

  • 1. Kundin äußert Wunsch nach Vitamin D2 ohne den Produktname zu kennen.
  • 2. Apotheke stellt fest, dass Vitamin D2 in Einzeldosierung nicht verfügbar ist.
  • 3. Apotheke ratschlagt die internationale Liste und findet Sterogyl.
  • 4. Apotheke weist darauf hin dass bei Import durch die Apotheke ein Rezept vorliegen muss. (Bei Direktbestellung in Frankreich ist das nicht nötig.)
  • 5. Apotheke bietet Kundin an, entweder gegen Rezept zu importieren, oder nennt eine internationale Apotheke an die sich die Kundin direkt wenden kann, oder informiert die Kundin dass das Produkt auch rezeptfrei bei Eigendirektimport bei französischer Apotheke beziehbar ist.
  • 6. Apotheke bittet Kundin um Geduld wegen Klärungsbedarf und bietet an zu recherchieren und das Ergebnis telefonisch mitzuteilen
  • (Korrektur: Es hat sich herausgestellt, dass wie in diesem Fall, Supplemente, die in EU-Ländern rezeptfrei erhältlich sind, auch rezeptfrei nach Deutschland importiert werden dürfen.)

Von 30 befragten Apotheken haben alle versagt. Keine einzige war in der Lage aus eigenen Antrieb selbst zur internationalen Liste vorzudringen, selbst durch hartnäckiges Nachfragen, vier der Apotheken boten zumindest an, telefonisch das Rechercheergebnis mitzuteilen, woraufhin lediglich eine dieser Apotheken tatsächlich zurückrief, aber behauptete Vitamin D2 sei in Deutschland nicht erhältlich.

Bei diesem desaströsen  Ergebnis fragt man sich doch, in wiefern durch das psychologische Reizwort vegan unterschwellig diskrimierendes Verhalten durchbrach, denn einige Gespräche verliefen sehr aggressiv von Seiten der Apotheke, überwiegend war jedoch stark abwimmelndes Verhalten vorhanden, man wollte die komplizierte Kundin, deren Anliegen man nicht durch den Griff ins Regal beheben konnte so schnell wie möglich loswerden, von Beratung keine Spur. Selbst der Hinweis, dass Veganer doch wohl auch ein Recht hätten, ihre Vitamin D Versorgung im Winter in die Hand zu nehmen und dabei auf Vitamin D2 angewiesen wären, generierte keine Gnade.

Sieben mal fiel das wörtliche Urteil selbst Schuld in das Gesicht der vermeintlichen Kundin (die Umfrage wurde persönlich ausgeführt), wer keine tierbasierten Produkte haben möchte. Offensichtlich ist in der Bananenrepublik Deutschland eine ethische Grundhaltung eine Rechtfertigung zu diskriminieren, sogar durch jemanden mit Beratungsverpflichtung. Die Gegenfrage auf diese skandalöse Reaktion, ob diese Aussage auch gefallen wäre wenn die Kundin koscheres Vitamin D angefragt hätte, wurde dann betreten nicht beanwortet oder ausweichend mit „ja das ist ja was anderes“.

Veganes Auge hat auch beim Apothekenverband angefragt und dort war man mehr auf Zack, unterhalb einer Minute hatte man dort das Vitamin D2 Produkt gefunden und verstand überhaupt nicht, wieso die Kollegen sich damit so schwer taten.

Bei einer Nachfolgebefragung von 10 weiteren Apotheken mit dem Produktnamen war das Ergebnis zwar besser, aber nur eine Apotheke erklärte sich bereit das Produkt nach Vorlage eines Rezeptes zu importieren, zu einem Preis der 800% über dem liegt, den der Kunde zahlt wenn er direkt bestellt.

Ein sehr ernüchterndes Ergebnis.

Zum Glück hat Veganes Auge hier nun einiges an Vorarbeit und Aufklärung geleistet, sodass jeder der im Winter supplementieren möchte nun Gelegenheit dazu hat. Wer wissen möchte wie es um seinen 25(OH)D Wert steht, kann diesen beim Hausarzt anfragen.

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46 Antworten to “Apotheken: Veganer unerwünscht”

  1. Nil Says:

    … und hier noch ein interessanter Artikel zum Thema:
    http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=40818&type=0

    – doch die Grenze zur Verschreibungspflicht liegt nach wie vor ab über 1000IE pro Tag.
    Siehe hierzu das Protokoll/ Ablehnung der Anhebung der Vit.D-Tagesdosis/ Bundesinstitut für Arzneimittel und M.:
    http://www.bfarm.de/DE/Pharmakovigilanz/Verschreibungspflicht/Protokolle/66Sitzung/top6.html?nn=1011772

    • Ava Odoémena Says:

      Das ergibt Sinn. Sterogyl kommt in Tropfenform mit einer Dossierungsstaffel von 400IE pro Tropfen, deswegen fällt es in Frankreich auch nicht unter die Rezeptpflicht. Von daher wäre das eigentlich auch von jeder x-beliebigen Apo rezeptfrei importierbar. Wenn sie denn wollten.

      Den Artikel fand ich auch interessant, zwei wichtige Biomarker für ausreichende Vitamin-D-Spiegel werden aber in der deutschen Fachpresse komplett ignoriert, die Suppression von Parathormon, und IMO für mich der evolutionär sinnvollste Biomarker, die Muttermilch.

      Muttermilch enthält nur dann genug Vitamin D für den Säugling, wenn die Mutter einen 25(OH)D-Wert von 50 ng/ml hat, welcher bei säugenden lol, stillenden Müttern mit einer Supplementierung von 6,000 IU/Tag erreicht werden kann. War schon nach 12, da kommt die Geistergrammatik…

      http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19155428

  2. Ava Odoémena Says:

    Thread mit Nil beginnt auf der Vorseite.

  3. Lea Says:

    Hallo :)

    Ich weiss nicht ob hier Kommentare noch gesehen werden, der letzte is‘ ja schon etwas her.. ich versuche es trotzdem mal:

    Du schreibst hier davon, wieviel Vit D du am Tag benötigst bzw. verbrauchst, mich würde interessieren woher du das weisst bzw. wie du das errechnet hast? Kann das jeder für sich selbst bestimmen?

    • Ava Odoémena Says:

      Klar werden Kommentare gelesen.

      Der Bedarf ergibt sich aus der Menge die nötig ist, einen guten 25(OH)D-Wert zu halten.

      • Lea Says:

        Wow, das ging schnell ;-)

        Vielen Dank, auch für die Infos auf dieser Seite. Also kann man, wenn ich das richtig verstehe, den Bedarf nur errechnen, wenn man schon ein paar Werte von sich über einen bestimmten Zeitraum hinweg vorliegen hat.

      • Ava Odoémena Says:

        Genau richtig:-) Am besten man fängt an mit einer Menge ins Blaue, eine Aufsättigung, z.b. ein Fläschchen Sterogyl verteilt auf 2 Tage und danach 5.000 IE pro Tag, nach 6 Monaten messen lassen und nach oben oder unten anpassen.

      • Lea Says:

        Alles klar, danke, das war mega hilfreich :) Wünsche dir noch eine gute Nacht und ein schönes Wochenende ;)

  4. Ava Odoémena Says:

    Wow, dieser Eintrag ist jetzt auch schon wieder fast fünf Jahre alt. Beim Durchlesen ist mir aufgefallen, wie pissig ich von der Umfrage war und das merkt man glaube ich auch. Selbst nach fünf Jahren spüre ich ein wenig Zorn über die unglaublichen Reaktionen. Viele Apotheker wollen einfach nicht beim Geld verdienen gestört werden.

  5. kafka Says:

    Also ich brauche laut energetischer Testung wesentlich weniger: ca 10 Tage 15 Tropfen und dann nur noch 1x/Woche 15 Tropfen.
    Von sehr hohen Dosierungen rate ich ab, wenn man noch Schwermetalle oder Amuminium hat (bei mir hat D2 zur Aktivierung und Ausleitung von Alu geführt).

    kafka

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