1984. Aktivismus & Aufklärung innerhalb des Orwellschen Rings

Spätestens seit dem Überfall eines SEKs in Österreich auf Tierschützer/Tierrechtler und auch die Vegane Gesellschaft dort  in 2008 ist klar, dass auch politische Veganer im Fokus zumindest der Exekutive sind, und eventuell sogar unter Beobachtung der Dienste stehen.

Die Details zu dem Fall in Österreich kann man nachlesen auf der Seite der VGÖ, es gibt aber noch weitere Repressionen gegen Veganer in Großbrittanien und vor allem den USA. In den USA selbst ist es sicher dass Veganer, Tierschützer und Tierrechtler  unter Beobachtung der Dienste stehen.

Nur, warum eigentlich? Das Verhältnis zwischen Aktivitäten der Aktivisten und gesetzlicher Rechtfertigung der Vorgehensweisen der Staatsgewalt ist auf absurde Art und Weise verschoben. So kommt es vor, dass das Werfen eines Farbbeutels unter der neu geschaffenen Terrorismusgesetzgebung zur Anklage kommt. Auch in Österreich war die Grundlage für das massive Vorgehen eine Gesetzgebung die sich vermeintlich gegen kriminelle Vereinigungen richtet.

Das Normvolk nimmt dies mit Schulterzucken wahr und der eine oder andere freut sich gar klammheimlich,  endlich bekommen die sektiererischen Fanatiker mal was auf die Fresse. In Österreich allerdings gab es mehrheitlich eine faire Berichterstattung und auch die Nutzerkommentare aus der Zeit zeigten dar, dass die Mehrheit der Menschen  die Maßlosigkeit der Vorgänge erkannte und verurteilte.

In den USA und England gibt es einige abgekoppelte Gruppen die vor allem gegen Tierversuchsanstalten demonstrieren, von dort hört man auch über recht ungewöhnliche Protestformen die sich gegen Verantwortliche der Folterlabore richten. Nun läßt sich über die Methoden streiten, keine davon aber hält einer sinnvollen Definition von Terrorismus stand. Wirkliche Grenzverletzungen im sozialen Sinne kann man an einer Hand abzählen.

Davon unabhängig steht auch die Fokussierung dieser Gruppen auf Randbereiche mit verhältnismäßig wenig Opfern in der Kritik, in Tierversuchsanstaltlen werden weniger Tierpersonen getötet, als unvegane Vegetarier über ihren Milch u. Eikonsum töten, es liegt jährlich im zweistelligen Millionenbereich. Verglichen mit den Opfern gesamtunveganer Ernährung ist das zwar sicherlich nicht vernachlässigbar, aber trotzdem nunmal ein Randbereich.

Eine Frage die man zur Zeit nicht beantworten kann, ist in wiefern hier Agent Provocateurs am Werk sind, also Personen im bezahlten Autrag die andere zu fragwürdigen Protestformen anstiften oder selbst daran beteiligt sind.

Diese Frage ist deshalb legitim, da in Tierrechtskreisen Proteste mit Fokus auf Randbereiche wie Tierversuche, „Pelz“ oder „Tiertransporte“ und „Massentierhaltung“, also typische Tierschutz-Schlagwörter abgelehnt werden. Der mit erschöpfender Argumentation begründete Konsens veganer Tierrechtler ist, dass der Fokus auf der Aufklärung über die ethische Reife des Einzelnen und die Fähigkeit der Wahrnehmung ethischer Rechte von Tieren liegen sollte, z. B. über die vegane Ernährung.

Im Umfeld der Gruppen in England und den USA die von Repression mittels „terroristischer Gesetzgebung“ betroffen sind, hält sich dennoch, und dies mit einer gewissen Beratungsresistenz das Hauptinteresse des Widerstands starr an Tierversuchsanstalten und anderen Randbereichen fest. Könnte es sein dass die Anstalten selbst Agent Provocateurs einsetzen? Alles ist denkbar, diese Leute verdienen ihr Geld damit, Tiere zu mißhandeln und nennen das Forschung.

Auf der anderen Seite wird auch in der Kontentinal-EU ein in der Geschichte beispielloser Überwachungsstaat hochgefahren, sodass längst nicht mehr nur Radikale (radikal im positiven Sinn) der Gesellschaft betroffen sind, sondern der See friert vom Ufer her in Richtung Mitte zu. Eigentlich ist es eher ein Ring mit Wasser auf der Innenseite und auf der Aussenseite. Wie ein eisiger Ring entsteht ein Konglomerat aus Polizei, Diensten, Militär das nach Draußen schaut (Frontex) und nach Innen. Ein Orwellscher Ring, aus dem aus beiden Seiten Säbel gestreckt werden. Wenn ein Ring aus Säbeln sich zu drehen beginnt…

Ungeachtet dessen tut Aufklärung und Aktivismus mehr Not denn je, die Mittelschichten der Schwellenländer drängen auf den Fleischmarkt sozusagen, auch dort und gerade dort gilt „Fleisch“ und andere tierbasierte Nahrungsmittel wie „Eier“ und vermehrt auch „Milch“ als begehrenswert. Nicht nur in Deutschland werden Gerichte ohne tierliche Bestandteile als „arme Leute Essen“ bezeichnet, von Ausnahmen wie Trüffel mal abgesehen. (Trüffel ist übrigens nicht vegan wenn zum Suchen ein Tier eingesetzt wurde.)

Die Antwort ist einfach und etwas banal: Aktivismus muss so aussehen, dass er nicht zur Verhaftung führt. Denn inhaftierte Aktivisten sind keine, sie fehlen da wo sie gebraucht werden. Sicherlich schützt dies nicht davor von entgleisten Zügen überfahren zu werden wie in Österreich. Aber wir müssen weg vom zivilen Ungehorsam. Denn den hat der  „Orwellsche Ring“ als Terrorismus definiert. Die Konzentration auf Veganismus als ethische Orthodoxie ist eine Plattform die reichlich Spielraum und Ideen bietet.

Zentraler Grundsatz des Aktivismus unter erschwerten Bedingungen ist der eigentlich gleiche, den zu verinnerlichen vegane Tierrechtler schon lange auffordern: Ein Aktivismus für Menschen und nicht gegen Menschen. Man kann keine Menschen gewinnen indem man sie zu Feinden macht.

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Ava Odoemena

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Eine Antwort to “1984. Aktivismus & Aufklärung innerhalb des Orwellschen Rings”

  1. Ava Odoémena Says:

    Danke für den Fehlerhinweis zu dem Diagramm, aber die Darstellung links ist nicht fehlerhaft, sondern der rote Strich zeigt das Verhältnis! Wer seine Energie also gegen Tierversuche investiert, sollte sich vor Augen führen welchen Stellenwert an Gesamtmordzahlen von Wirbeltieren das hat, und ob es nicht besser wäre auf die vegane Ernährung hinzuarbeiten.

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