Verhindert der Arbeitswahn soziale Evolution?

Komisch, für freie Tiere ist alles gratis. Keinem Geld hinterher rennen, kein sich andienen an einen Chef, keine Hypothek oder Girokredit, Bestellschulden vom Katalog oder Netzversender. Nichts bezahlen müssen für Wohnung, Strom, Essen. Wenn nicht gerade eine große Katastrophe über sie hereinbricht, dann leben nichtmenschliche Tiere in einem Equilibrium mit ihrer Umwelt, also ein reibungsloser Austausch von Energie.

Man sollte eigentlich meinen, dass der Mensch mit seiner intellektuellen Kapazität in der Lage wäre ein ähnliches System aufzustellen, und damit meine ich noch nicht einmal Kommunismus. Denn in dem stand die Pflicht zur Erwerbsarbeit ganz oben, den Müßiggänger schiebt zur Seite…

Geld, was ist das eigentlich? Geld ist lediglich ein Energiespeicher. Wir geben unsere Zeit in Form von Erwerbsarbeit und bekommen dafür speicherbare Energie in Form von Geld, um damit Dinge und Dienstleistungen zu kaufen für die wiederum Andere ihre Zeit gegeben haben. Als Puffer eigentlich keine schlechte Lösung, nur, steht die Zeit die wir dafür aufwenden müssen um das Notwendigste, die Grundbedürfnisse bedienen zu können wirklich noch im Verhältnis?

Schließlich leben wir aber in einem Zeitalter, indem die Arbeit sich selbst (fast) abgeschafft hat und immer weniger Menschen immer mehr Güter produzieren können. Durch die mikroelektronische Revolution hat sich dieser Effekt noch einmal verstärkt. Das war nicht nur den kritischen Autoren vom Manifest gegen die Arbeit aufgefallen, sondern sogar die Süddeutsche Zeitung setzte sich mit dem Phänomen auseinander, dass sich alle Politik an der Erwerbsarbeit ausrichtet und somit an einer gesellschaftlichen Situation der Vergangenheit.

Der radikalste Ansatz (im positiven Sinn), Einkommen von Erwerbsarbeit zu trennen derzeit ist das bedingungslose Grundeinkommen, der Film hinter dem Link klärt auf und geht auch auf die Ja-Abers, Gehtnichtgibtsnichts und die Es-kann-nicht-sein-was-nicht-sein-darfs ein.

Wer das faszinierende Manifest von 1999 durchgelesen hat, das nun 2009 aktueller den je ist und den Film zum BGE gesehen hat, erlangt zur Erkenntnis dass sich im Laufe der sozialen Evolution des Menschen vom ursprünglichen Equilibrium mit der Natur, über die neolithische Revolution hinaus, Erwerbsarbeit zur ideologischen Dystopie verdichtet hat. Also eigentlich keine Evolution sondern eine Devolution. Ein Rückschritt. Und nicht nur wird dieser Rückschritt nicht kritisiert, der Zustand wird verteidigt. Schon alleine die „Antastung“ des Konzeptes durch Infragestellung wie durch diesen Text produziert Feuer speiende Bedenkenträger und reaktionäre Katastropenzeichner. Wie kommt es zu dem gesellschaftlichen Paradox, dass der Ort der totalen Fremdbestimmung, an dem eigentlich keiner sein will so vehement verteidigt wird, ganz so als würde das Infragestellen einem Frevel gegen irgendeinen G-tt gleich kommen.

Welchen Schaden richtet, als Konsequenz, ein Leben im Hamsterrad an, nicht nur für den Einzelnen sondern in der Summe auch für Alle? Gibt es durch die Allgegenwärtigkeit des Systems Rückkopplungen von der Gesellschaft auf den Einzelnen? Bestimmt.

Was bedeutet das für Veganer die die Gesellschaft erneuern wollen, dass die Menschen innerlich so müde, kaputt, oder reaktionär verhärtet sind, dass sie eigentlich – auf eine sehr geschäftige Art und Weise – auf den Tod warten? Es erschwert unsere Arbeit ungemein, denn wer sich selbst leer und ohnmächtig einer Matrix aus Hamsterrädern ergeben hat, der wird schwerlich die empathische Energie aufbringen können für jemanden dem es „ähnlich“ geht. Denn auf eine perfide Art und Weise spiegelt sich das soziale menschliche Schicksal, tausendfach konzentriert, in den Todesfabriken der eingepferchten Tierpersonen wider. Hier und dort sind Individuen, die ihrer Selbst beraubt nur noch Funktionen haben, aber aufgehört haben zu sein. Hier und dort wurden Sklaven in diese, unsere Dystopie hineingeboren und halten sie für einen Naturzustand.

Zu der Liste der Opfer, die die antivegane Gesellschaft produziert gehört auch sie selbst.

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17 Antworten to “Verhindert der Arbeitswahn soziale Evolution?”

  1. Clemens Sebastian Says:

    hallo ava

    >Hier und dort wurden Sklaven in diese, unsere Dystopie hineingeboren > und halten sie für einen Naturzustand.

    wenn ein Sklave in die Sklaverei hinein geboren
    so trifft sich das gut
    es entspricht seiner Natur

    wo er vorher noch kein Sklave war
    so trifft es sich nicht so gut

    ich würd schreiben

    Hier und dort wurden Menschen als Sklaven auserkoren und bewirkt,
    in diese, unsere Dystopie hineingeboren und halten sie dann für einen Naturzustand.

    dance on Clemens

    • Ava Odoemena Says:

      Hallo Clemens, du machst den alten Fehlter und setzt natürlich mit gut gleich. Das habe ich nicht getan, ich habe nur ein gutes Beispiel, in dem nichtmenschliche evolutionäre Prozesse den menschlichen überlegen sind herausgegriffen. Das ist aber keinesfalls zur Verallgemeinerung geeignet, sonst würde das bedeuten, ich würde Tsunamies für gut befinden. Und das kannst du mir ja wohl nicht ernsthaft unterstellen.

      Damit hebt sich auch das „geborene Sklaven“ auf, welches ich wohl als Provokation vom Quotennichtveganer auf Veganes Auge verbuchen darf:-)

      Kleine technische Bemerkung: Leider hat WP in den Kommentaren keinen Usenet-Standard implementiert wie Heise. Sauberes Zitieren ist leider nur möglich mit

      blockquote

      • clemens sebastian Says:

        hallo ava

        gut und natürlich
        zugegebenermaßen habe ich „gut“ schlecht verwendet
        ein Fehler wars dennoch nur wegen der Schlampigkeit

        den nichtmenschlichen evolutionären Prozess überspring ich,
        die sind mir zu „schwer“
        gehe auf den Tsunami nur ein
        also
        warum nicht
        wenns der nen Nichtveganer trifft
        soll natürlich nicht allgemein so gemeint sein
        sagen wir: eine kurzfristige Erholung von der Ethik
        eine Art fehlerbereinigender Gegenkopplung
        keinesfalls eine Mitkopplung
        das wär schrecklich
        fast wie falsch verstanden Anarchie

        mothernature golove clemens

  2. Murph Says:

    Also bis jetzt war ich 100%ig mit diesem Blog zufrieden – die Thematik ist gut, dein Schreibstil, Ava, ist super, aber diesen Eintrag kann ich leider nicht ganz unterschreiben.

    Dieser Kommentar sollte jetzt nur als mein persönlicher Senf verstanden werden, nicht als wissenschaftliche Abhandlung darüber, welches System nun das beste ist.
    Was ich nur zu Bedenken geben wollte ist die (imo ist es eine) Tatsache das unser fast schon grotesker, gigantischer, Wohlstand – sogar der „bettelärmste“ Hartz4-Abhängige hat davon mehr als jemand der in Afrika um sein Überleben kämpft – NICHT auf Bäumen gewachsen ist!

    Er ist das Produkt harter Arbeit, die niemals geleistet worden wäre, gäbe es für die Menschen im System keinen gefühlten Zwang.
    Anarchisten und Kommunisten behaupten zwar immer wieder indirekt das Gegenteil, aber Menschen sind, wie jedes System, zur Faulheit verdammt – es wird exakt so viel Arbeit geleistet, wie man selbst als notwenig empfindet und kein Handschlag darüber hinaus.

    Die Arbeit, und damit die Erwerbsquelle, ist auch nicht wirklich am schwinden – sie verschiebt sich lediglich vom produzierenden in ein Gewerbe, dessen Produkte äußert kurzlebig sind und der Bedarf dadurch nie versieht (Dienstleistungssektor).

    Das Problem an dieser Arbeit ist lediglich, dass sie nicht jeder Volltrottel machen kann – Volltrottel sei hier als gradueller Begriff zu verstehen, der gemessen an dem zur Erwerbstätigkeit nötigen, sich ständig erhöhenden, Standard auf der Gauss-Kurve immer weiter nach Links verschoben wird – wir werden also immer Dümmer. Die Frage ist nun, was soll man mit jemandem machen, der statt Schule lieber auf Party gegangen ist und es geistig nie über das Straßenkehrer-Stadium hinaus gebracht hat, wenn er schließlich durch die Straßenkehrmaschine ersetzt worden ist?
    Das ist die eigentliche Kernfrage und „Knackpunkt“ am System, meiner Meinung nach.

    Bedingungsloses Grundeinkommen, ok. Aber das andere Problem unseres Systems, oder vielmehr des Menschen, ist: Derjenige, der sich auf diesem Einkommen ausruhen will, wird sich immer beschweren, dass es nicht so hoch ist wie das des Straßenkehrmaschinen-Bauingenieurs. Wird das Gehalt erhöht stößt das demjenigen wieder sehr auf, der 10 Stunden am Tag in seiner Ingenieurswerkstatt hängt – der macht seinen Betrieb dann dicht und lebt lieber vom Grundeinkommen [das jetzt von niemandem mehr erwirtschaftet wird – Wohlstand auf Pump]. Ganz vermeiden lassen sich Konflikte zwischen beiden Schichten also nie.

    Abschließend wollte ich noch fragen, warum du unseren hohen Lebensstandard als Dystopie verstehst. Wem es nicht passt kann sich ja in das „natürliche Equilibirium“ (sehe ich hier eine idealisierung vom Mutter Natur?) einfügen, sich in eine Höhle verkriechen und frieren.

    Mein Wort als Raubtier-Kapitalist zum Samstag ;)
    (Nicht auf Rechtschreibfehler geprüft – wer welche Findet, darf sie behalten oder korrigieren)

    • Ava Odoemena Says:

      Also bis jetzt war ich 100%ig mit diesem Blog zufrieden – die Thematik ist gut, dein Schreibstil, Ava, ist super, aber diesen Eintrag kann ich leider nicht ganz unterschreiben.

      Danke für die Bumen, nur zu, ich bin nicht empfindlich ;-)

      Dieser Kommentar sollte jetzt nur als mein persönlicher Senf verstanden werden, nicht als wissenschaftliche Abhandlung darüber, welches System nun das beste ist.

      Diese Aussage läßt bereits darauf schließen, dass du den Artikel so interpretiert hast, dass ich den „Kapitalismus bekämpfe“. Damit wäre das Aufmachen und Verharren in symbolischen Kategorien erreicht, diese festen Kreise die man um ein komplexes System herummacht funktioniert aber heutzutage nicht mehr. Also eine Debatte käme gar nicht zustande.

      Was ich nur zu Bedenken geben wollte ist die (imo ist es eine) Tatsache das unser fast schon grotesker, gigantischer, Wohlstand – sogar der „bettelärmste“ Hartz4-Abhängige hat davon mehr als jemand der in Afrika um sein Überleben kämpft – NICHT auf Bäumen gewachsen ist!

      Finde ich problematisch, denn nicht jeder „Afrikaner“ kämpft ums Überleben, und Lebensqualität läßt sich nicht nach monetären Gesichtspunkten vergleichen. Ein Afrikaner der „nichts“ besitzt aber trotzdem in seinem eigenen Haus lebt und genug Essen von seinem Gartenfeld holen kann, in einer guten Familienstruktur und sozialem Netzwerk, das Wetter nicht zu vergessen…frei von Erwerbsarbeit und sonstigen Verpfichtungen, Herr seiner Zeit, hat eine wesentlich bessere Lebensqualität als eine alleinerziehende Mutter in Deutschland. Desweiteren klingt da unterschwellig mit, dass Afrikaner ja wohl auch so einen Wohlstand haben könnten, wenn sie so fleißig wären wie wir. Allerdings ist Armut in vielen afrikanischen Ländern doch explizit das Resultat des kapitalistischen Verwertungsprozesses, der dort ohne die Errungenschaften der sozialen Sicherheit in blanker Macht herrscht.

      HartzIV, dieser öffentliche Strafvollzug der auf Demütigung und Repression aufbaut und Menschen psychisch vernichtet als Bestandteil von Wohlstand zu bezeichnen, ich denke, dass du hierfür ein Extrembeispiel eines am Hungertuch Nagenden als Bezugbeispiel zitieren mußt ist in sich selbst schon bezeichnend genug.

      Er ist das Produkt harter Arbeit, die niemals geleistet worden wäre, gäbe es für die Menschen im System keinen gefühlten Zwang.

      Wer die Fakten kennt weiß wie unwahr das ist, denn ein Großteil der Arbeit in Deutschland wird bereits ohne Einkommen geleistet. Bitte sieh dir den Film an.

      Und selbst wenn es wahr wäre, es wäre keine Rechtfertigung diesen Zwang aufrecht zu erhalten, denn wir leben eben nicht mehr im frühen 20sten Jahrhundert. Lies das Manifest, es ist lang, sehr lang, aber ohne die Hintergründe zu kennen schwächst du deine Argumentation.

      Anarchisten und Kommunisten behaupten zwar immer wieder indirekt das Gegenteil, aber Menschen sind, wie jedes System, zur Faulheit verdammt – es wird exakt so viel Arbeit geleistet, wie man selbst als notwenig empfindet und kein Handschlag darüber hinaus.

      Dein Argument also ist, dass das was Menschen für sich als notwendig erachten ist a) nicht ausreichend um „notwendige“ Arbeit zu leisten und b) deshalb müssen sie „gepeitscht“ werden. Womit wir wieder bei meinem Eingangssatz wären. Wieso muss niemand Elephanten peitschen für ihre Definition von Wohlstand? Es erschließt sich dir nicht als erhebliches Paradox, dass deine Definition von Wohlstand auf Zwang basiert, der sich gegen die Interessen der Menschen richtet? Du leugnest also, dass selbstbestimmte Menschen die im eigenen Interesse ihre Notwendigkeit definieren eine Ökonomie organisieren können. Ein bizarrer Einwand, denn damit erhebst du eine künstliche Notwendigkeit, die sich gegen die Interessen der Menschen richtet als den Maßstab nach dem sich alle -notfalls gegen ihren Willen- zu richten haben.

      Deine Vorstellung von funktionierendem Kapitalismus ist also eine Knastwelt. Auch dieses Argument wird im Film übrigens hinreichend widerlegt.

      Die Arbeit, und damit die Erwerbsquelle, ist auch nicht wirklich am schwinden – sie verschiebt sich lediglich vom produzierenden in ein Gewerbe, dessen Produkte äußert kurzlebig sind und der Bedarf dadurch nie versieht (Dienstleistungssektor).

      Wenn die Arbeit nicht wirklich am schwinden ist, dann sind alle Transferleistungsempfänger (ca. 7 Millionen) also tatsächlich faul?

      Das Problem an dieser Arbeit ist lediglich, dass sie nicht jeder Volltrottel machen kann – Volltrottel sei hier als gradueller Begriff zu verstehen, der gemessen an dem zur Erwerbstätigkeit nötigen, sich ständig erhöhenden, Standard auf der Gauss-Kurve immer weiter nach Links verschoben wird – wir werden also immer Dümmer. Die Frage ist nun, was soll man mit jemandem machen, der statt Schule lieber auf Party gegangen ist und es geistig nie über das Straßenkehrer-Stadium hinaus gebracht hat, wenn er schließlich durch die Straßenkehrmaschine ersetzt worden ist?

      Ach so, Erwerbsarbeitslose sind also entweder faul oder dumm. Fällt dir denn nicht auf, zu welchen zynischen Diskreditierungsmethoden du greifen mußt um deine Arbeitsideologie aufrecht zur erhalten? Dass du hier genau das tust, was du Andreas vorgeworfen hast? Wie verträgt sich deine Position mit dem Veganismus? (Nach deiner Antwort auf den Troll ging ich davon aus du lebst vegan, allerdings sind deine antiemanzipatorischen Positionen hier mit Veganismus nicht vereinbar.)

      Das ist die eigentliche Kernfrage und „Knackpunkt“ am System, meiner Meinung nach.

      Wie unschwer zu erkennen sein dürfte, finde ich deine Meinung nicht sonderlich beeindruckend:-) Und sie ist keine Einzelmeinung, genau diese Reaktion hatte ich im Arikel bereits beschrieben.

      Bedingungsloses Grundeinkommen, ok. Aber das andere Problem unseres Systems, oder vielmehr des Menschen, ist: Derjenige, der sich auf diesem Einkommen ausruhen will, wird sich immer beschweren, dass es nicht so hoch ist wie das des Straßenkehrmaschinen-Bauingenieurs. Wird das Gehalt erhöht stößt das demjenigen wieder sehr auf, der 10 Stunden am Tag in seiner Ingenieurswerkstatt hängt – der macht seinen Betrieb dann dicht und lebt lieber vom Grundeinkommen [das jetzt von niemandem mehr erwirtschaftet wird – Wohlstand auf Pump]. Ganz vermeiden lassen sich Konflikte zwischen beiden Schichten also nie.

      Nein, auch dieser Einwand wird im Film hinreichend widerlegt.

      Abschließend wollte ich noch fragen, warum du unseren hohen Lebensstandard als Dystopie verstehst.

      Dein Wohlstand ist nicht der Wohlstand Aller. Ein wachsender Teil der Bevölkerung ist von Armut bedroht. Für mich stellt sich die Frage genau andersrum: Wie kann man diesen Zustand nur als Wohlstand begreifen, selbst für die denen es besser geht?

      Wem es nicht passt kann sich ja in das „natürliche Equilibirium“ (sehe ich hier eine idealisierung vom Mutter Natur?) einfügen, sich in eine Höhle verkriechen und frieren.

      Soso, Gesellschaftskritik wird mit Verbannung und Hungertod bestraft?

      Mein Wort als Raubtier-Kapitalist zum Samstag ;)

      Ja, eine passende Markierung für die Reaktion. Mit dem Unterschied das ein Beutegreifer keinen Raub begeht, da er keine andere Möglichkeit hat, der Mensch schon…

  3. Murph Says:

    […]nur zu, ich bin nicht empfindlich ;-)

    Und genau das schätze ich auch an dir und deinen Kommentaren (auch, und ganz besonders außerhalb deines Blogs). So viel Geduld und Argumentations-Ausdauer hätte ich auch gern :p

    Afrikaner:
    Ich habe 12 Jahre in Afrika gelebt und konnte da leider kaum jemanden finden, dem es auch nur ansatzweise so gut ging, wie einem deutschen Sozialhilfeempfänger – vielleicht war ich ja im falschen Afrika. Jedenfalls war diese Zeit für mich sehr prägend und ist mitunter auch der Grund, warum ich Leute die hier von der Stütze leben und rumnörgeln weil sie sich von ihrem Hartz 4 keinen Fernseher leisten können [wurde ja mittlerweile „Gott sei dank“ mittlerweile von den Gerichten zum Grundbedürfnis erhoben] auf den Tod nicht ausstehen kann.

    Desweiteren klingt da unterschwellig mit, dass Afrikaner ja wohl auch so einen Wohlstand haben könnten, wenn sie so fleißig wären wie wir.

    Vielleicht klingt es mit, aber ich habe es weder behauptet noch vertrete ich diese Meinung.

    […]aber ohne die Hintergründe zu kennen schwächst du deine Argumentation.

    Schuldig! Ich habe mich in der Tat wenig bis gar nicht mit der Gegenseite beschäftigt – deswegen habe ich ja auch extra markiert, dass es sich hier lediglich mein Senf handelt und keinen tieferen wissenschaftlichen Wert hat.

    Dein Argument also ist, dass das was Menschen […]

    Nein! Mein Argument ist, das _ein_ Mensch, nicht Menschen niemals die gesellschaftliche Verantwortung übernehmen würde den allgemeinen Wohlstand durch Konsumgüter, Wissenschaft, Dienstleistungen und was auch immer aufrechtzuerhalten für ein Gehalt bzw. einen Lebensstandard, den es auch „umsonst“ durch Grundeinkommen gäbe. Ich plädiere lediglich dafür, das diese Menschen einen signifikant besseren Lebensstandard durch ihre Arbeit haben sollen – nicht dafür, dass Erwerbsuntätige verhugern sollen (nach der vielzitierten Devise…).

    Wieso muss niemand Elephanten peitschen für ihre Definition von Wohlstand?

    Weil Elephanten keine Menschen sind und auch ohne Handy oder fließend Wasser nichts vermissen.

    Es erschließt sich dir nicht als erhebliches Paradox, dass deine Definition von Wohlstand auf Zwang basiert, der sich gegen die Interessen der Menschen richtet?

    Das ist nur ein Paradox, wenn man davon ausgeht, dass „ein Mensch“ und „die Menschen“ das Gleiche wären. Individualwohl und Gesellschaftswohl stehen deshalb oft in Konflikt, weil Individuen oft nicht erkennen [wollen], was die Gesellschaft zu ihrem Vorteil leistet.

    Wenn die Arbeit nicht wirklich am schwinden ist, dann sind alle Transferleistungsempfänger (ca. 7 Millionen) also tatsächlich faul?

    Faul ist jeder, auch die, die Arbeiten. Ich denke eher: Nicht den Anforderungen des Arbeitsmarktes gewachsen (eben dumm). Wobei, ich schreibe es nochmal, Dummheit nichts ist, wofür man sich schämen müsste, da die steigenden Anforderungen bei gleichbleibender mittlerer Intelligenz eben mehr Dumme erzeugen – also wenn du es überlesen hast: Ich schreibe nirgendwo, dass die Intelligenz der Menschen absolut abnehmen würde – lediglich, dass sie nicht mehr reicht.

    […] allerdings sind deine antiemanzipatorischen Positionen hier mit Veganismus nicht vereinbar.

    Schade, dann bin ich wohl kein Veganer, sondern nur durchgeknallter Spinner der behauptet, man dürfe Tiere nicht umbringen (Es sei denn das Video oder das Manifest überzeugen mich noch – muss mir beides noch ansehen).

    Ein wachsender Teil der Bevölkerung ist von Armut bedroht.

    „Als Armutsgefährdet galt 2007 eine Person, die weniger als 913 Euro zur Verfügung hat“. Das ist meiner Meinung nach keine Armut. Du gibst natürlich auf meine Meinung nichts, aber ich habe schon von 600 pro Monat gelebt und mich eigentlich nicht beklagen können.

    Soso, Gesellschaftskritik wird mit Verbannung und Hungertod bestraft?

    Nein – bleiben darf jeder. Aber wenn es in der Wildnis so viel besser ist, kann man ja umziehen und eine Parallelgesellschaft bilden (ähnliches tun viele Leute aus der autonomen Szene ja schon).

    • Ava Odoemena Says:

      Hallo Murph, ich werde dir vermutlich morgen hierauf antworten, allerdings ist ob des Abdriftens in rhetorische Spielchen vermutlich hier nicht mehr viel Land zu gewinnen wodurch meine Motivation nicht besonders hoch ist Energie zu investieren. Du bist nicht der einzige der sich vor dem Manifest fürchtet, es wurde kein einziges mal angeklickt. Mas sehen.

      • Murph Says:

        Wenn du keine Erfolgsaussicht hast, dann musst du deine Zeit nicht mit einer Antwort verschwenden – ich denke woanders als bei mir ist dein Engangement sowieso viel besser aufgehoben.

        Da du es so oft erwähnst nehme ich an, dass ich alle Argumente in dem Manifest finden werde (das ich übrigens angeklickt(!) und gepeichert habe – offensichtlich ist dein Counter kaputt). Falls sie mich überzeugen sollten, werde ich auch ohne dein Zutun zum Philanthrop und Sozialgönner werden, d.h. du musst dir die rhetorischen Spielchen gar nicht antun um bei mir was zu verändern.

  4. clemens sebastian Says:

    Wie kommt es zu dem gesellschaftlichen Paradox, dass der Ort der totalen Fremdbestimmung, an dem eigentlich keiner sein will so vehement verteidigt wird, ganz so als würde das Infragestellen einem Frevel gegen irgendeinen G-tt gleich kommen.

    das kommt

    wenn das Ziel in der Ferne liegt
    und
    man kennt es eigentlich nicht
    hat aber eine Ahnung, auch Sehnsucht
    und
    wegen der „natürlichen“ Evolution(Fortschritt)
    wir dennoch an das Ziel glauben müssen
    da fallen gern mal Späne
    Karl M. aus Trier grüßt

    würde das Ziel am Anfang liegen
    und wir hätten das Ziel verinnerlicht
    so wärs eingeleuchtet

    auch könne eine Evolution
    mit uns auf der Höhe sein
    Simone Weil

    und noch viele Variationen zusätzlich

    clemens aus der Pfalz

  5. clemens sebastian Says:

    hallo ava

    was meinst du würde Simone Weil zum BGE sagen

    Zitat

    „Von einem bestimmten Niveau ab schaffe die Technik ebenso viele Schwierigkeiten, wie sie andere beseitige. Verworfen wird das Bild einer sozusagen gratis tätigen Automation, die nichts als humanes Glück produziere. Die Technik biete nichts umsonst, die in großer Anzahl erzeugten Produkte setzten eine Organisation hierarchischer Unterordnung, Undurchschaubarkeit und Verschwendung voraus, die kostspielig genug wären. Der technische Traum wird zum Trauma (…): auf dem Niveau hoher Produktion erscheint nicht das ‚Reich der Freiheit‘, sondern verschärfte Repression. (…) Eine Gesellschaft hoher Produktion verlange eine repressive, nicht freiheitliche Organisation. Andererseits stoße sie unwiderruflich auf die Grenzen der natürlichen Vorräte, die kein kontinuierliches Wachstum erlaubten.“

    gruß clemens

    • Ava Odoemena Says:

      Interessante Frage, ich muss darüber nachdenken.

      (paar Tage später)
      Also ich denke mal sie hätte ähnliche Bedenken gehabt wie alle Linken deren Thesen in der Arbeitsideologie verhaftet sind. Ist aber schwer zu sagen, da die Zeiten heute ganz anders sind und die gigantischen Veränderungen die die mikroelektronische Revolution waren zu ihrer Zeit noch gar nicht absehbar.

  6. Ava Odoemena Says:

    Schwarzer Humor am Rande:

    http://ahoipolloi.blogger.de/stories/1549049/

  7. Daniel Says:

    Ava ich liebe dich :D

    Nein ernsthaft: cooler Blog super Artikel, ich wühle immer noch :)

    lg

    Daniel

  8. Jolante Kern Says:

    Netter Post zu dem Thema, der Beste denke ich, den ich bis jetzt gefunden habe. War da nicht gestern schon mal ein Artikel in der Zeit drüber? Alles Gute Jolante Kern

    • Ava Odoemena Says:

      Hallo Jolante, danke. Du warst im Spameimer, ich musste dich erst freischalten. Den Artikel in der Zeit kenne ich glaube ich nicht, würde mich freuen wenn du einen URL anhängen könntest. Vielleicht kannst du dich ja noch an die Überschrift erinnern.

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