Die Pseudofragen der Nichtveganer

Im Gespräch mit Nichtveganern kommen immer wieder die gleichen Fragen nach dem warum. Was denn falsch sei an „Fleisch“ oder „sogar“ an „Milch“ „Käse“ oder „Eier“. Warum Veganer auch Leder, Wolle und andere Derivate aus Tierkörpern ablehnen wird auch gerne nachgefragt, die Verständnisgrenze der Nachvollziehbarkeit hat sich im Laufe der Zeit auch verschoben und liegt zur Zeit bei Insekten. Hier ist dann die Schmerzgrenze erreicht und dass Veganer „sogar“ Honig und Seide ablehnen, oder Getränke die mit Pflanzenlausrot gefärbt sind und Gummibärchen (also Produkte deren Tierstämmigkeit maskiert ist), das erzeugt Kopfschütteln und Unverständnis.

Wenn man sich zurück erinnert wie das bei einem selbst war, denn die wenigsten Veganer sind gebürtige Veganer, ist der Übergang zum Veganismus auch der Übertritt zu einer neuen Kultur. Es verändert sich etwas in der Wahrnehmung der Welt und diesen Schritt haben Nichtveganer eben noch nicht gemacht. Vor 300 Jahren hätten die gleichen Leute gefragt was denn an Sklaverei so schlimm wäre, vor allem wenn die Sklaven „vernünftig“ „behandelt“ würden.

Echte Naivität dürfte jedoch eher selten sein. Die Frage nach dem Warum soll Aufmerksamkeit heucheln und suggerieren, der Nichtveganer wusste bisher nichts von dem was da passiert. Letztendlich aber ist mangelndes, ethisches Rechtsbewusstsein die Ursache, die Tiere haben in der reaktionären Wertzuweisung einen solch minderwertigen Status, dass man sie töten und ausbeuten darf nur weil ihre Körper und die Produkte ihrer Körper schmecken. Darüber herrscht Konsens, Übereinkunft. Es ist eine unausgesprochene, „moralische“ Stillhalteübereinkunft.

Letztendlich sind alle Reaktionen auf Veganismus und Veganer Vorbereitungen auf oder bereits konkrete Rechtfertigungsstrategien, das Muster ist immer das selbe und endet mit der Diffamierung / Diskreditierung / Herabwürdigung / stillem Mobbing des Nachrichtenübermittlers. In jedem Gespräch, in jeder Debatte kommt irgendwann der Punkt an dem der Nichtveganer zum Antiveganer mutiert, wenn er sich in der Ecke fühlt. Der Auslöser dafür kann bereits die Erwähnung sein, dass man vegan lebt. Auch die vermeintliche „Toleranz“, die beschwört wird und die man dem Veganer versichert ist bereits die Kategorisierung des Veganen als etwas Abartiges, ähnlich wie Homophobe die sich dazu durchringen, Homosexuellen „mit Toleranz“ zu begegnen. Gemeint ist damit allerdings ein enges Gatter des Enfaltungsraums, und so wie öffentliches Küssen von Homosexuellen sofortige Grenzübertretungsbestrafungsrituale nach sich zieht, so ist auch die vegane Aufforderung an die Täter, die Taten zu lassen das unverzügliche Ende der speziesistischen „Toleranz“.

Eigentlich ist der einzig effektive Ansatz mit diesen Psychodynamiken umzugehen, auf das reaktionäre Denkmuster einzusteigen und den Wert der Opfer zu erhöhen. Warumfragen beantwortet man deshalb am besten mit „weil es die Rechte der Tiere verletzt“. Und jede Form der Ausbeutung verletzt die Rechte der Tiere.

Meist weicht dann der, der gerade noch Tieren nicht die geringsten Rechte zugestehen wollte auf Pflanzen aus, und dichtet denen Rechte an die keine haben. Hier setzt dann auch die aktive kognitive Dissonanz ein, „weil es lebt muss es auch ethische Rechte haben“ so das Argument. Also ähnlich, als würde jemand behaupten der Pinguin oder Straußvogel müsse fliegen können weil er ja Flügel hat. Dieser Diskreditierungsversuch soll den Veganer auf die gleiche amorale Ebene ziehen, der doch auch Lebewesen schädige. Der Nichtveganer hat also jetzt eingesehen, dass er falsch handelt, ist aber mit der Konsequenz des Absinkens seines sozialen Status nicht zufrieden. Demnach muss der Veganer entwertet werden, um sich selbst eine Normalität des eigenen Tuns rechtfertigen zu können. Mit welchen massiven Persönlichkeitsverletzungen diese Strategie einher geht, kann jeder bei denen nachlesen, die hier die Flucht nach Vorne angetreten haben: http://www.antivegan.de

Im Zustand der kognitiven Dissonanz, ausgelöst durch die Konfrontation mit dem eigenen, moralischen Vakuum ist keine Argumentation zu abenteuerlich und keine Wahrheitsverdrehung zu lächerlich. Perfides Lügen und Selbstbelügen überraschen nicht, denn Nichtveganer nehmen bereits die Tötung und Ausbeutung von Tieren billigend in Kauf weil sie schmecken. Und diese Haltung wenden zu Antiveganern mutierte Nichtveganer auch auf die an, die sie hassen, die sie daran erinnern dass ihre Normalität keine ist, und das ihre Zivilisation sich als eine Pseudozivilisation entlarvt beim Blick in die Details.

Allerdings setzt bei vielen Nichtveganern ein Denkprozess ein, man kann das nicht so einfach verdrängen und selbst wenn es verdrängt wird dann zu einem hohen Preis, denn es rumort weiter im Hinterkopf und verursacht einen chronischen Stress. Verdränger schädigen also nicht nur ihre Opfer sondern auch sich selbst.

Wie bei Alkoholkranken bedeutet nicht jede Selbstschädigung eine Umkehr, sondern so ein Erstarren kann andauern bis in den Tod hinein.

Andere wiederum akzeptieren nach kurzer Ablehnung dass Veganer Recht haben mit ihrem Anliegen und machen es sich zu eigen.

Diese letztere Gruppe ist die, aus der auch wir aktiven Veganer gekommen sind und diese Gruppe ist auch jene, die zu unserem Wachstum innerhalb der Gesellschaft beiträgt. Gute Meme, vor allem Meme die für den Einzelnen keinen direkten Vorteil zu generieren scheinen, wachsen sehr langsam in der Gesellschaft. Verglichen mit zum Beispiel der mobilen Telefonie im Superschneckentempo. Alle ethischen Trends wachsen sehr langsam aber beständig.

Zur Hilfe kommt uns zur Zeit ein weiterer moralischer Druck: Die Begrenztheit der Ressourcen und die enormen Umweltbelastungen der tierbasierten Landwirtschaft.

Der Nichtveganer hat also immer mehr Mühe, seine kognitive Dissonanz und Amoral aufrecht zu erhalten. Er sieht, vielleicht zum ersten mal in seinem Leben, die Grenzen einer unethischen Gesellschaft.

Denn nicht nur stehen auf der einen Seite Veganer und erinnern an die ethischen Rechte anderer Tiere, sondern der Nichtveganer beginnt sich mit seinem Verhalten selbst zu schädigen und kann das nicht länger verleugnen.

Sicherlich ist damit keine Umkehr gewährleistet, denn nicht nur kommt das Fressen vor der Moral, sondern der Homo Sapiens ist wie eine schallblinde Fledermaus die auch mal in gesamten Kolonien in eine Wand hineinkracht. Die Überlebenden sammeln sich dann am Boden, vermehren sich wieder und fliegen gemeinsam in eine andere Wand hinein.

Solange der Homo Sapiens nicht in der Lage war seine Umwelt zu manipulieren (und damit auch zu zerstören), war diese evolutionäre Strategie zwar tragisch aber durchaus überlebensfähig.

Das wird aber nun alles anders.

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Ava Odoemena

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11 Antworten to “Die Pseudofragen der Nichtveganer”

  1. clemens sebastian Says:

    hallo ava

    schreib doch mal nen Artikel über die neue Kultur
    über die veränderte Wahrnehmung
    ich würd fast einen Roman vorschlagen wollen
    (falls sowas geldlich machbar sei)
    un auch bekomme so ein Roman dir zur Stärkung der „Moral“
    man müsste der noch unfertigen Kultur
    sie ist ja noch nicht wirklich da
    eine Vorstellung von ihr entwickeln
    plus eben eine Sicht auf die Teilnehmer der Kultur bieten
    welche Charaktere vorkommen könnten
    wie man in diese Kultur gelangt
    es ist ja kein digitaler Schritt
    Rückfälle
    Kampf gegen den Nichtveganer
    derdieda die immerhin auch so oder so sind
    und nicht immer nur sone
    ich etwa bin keine Veganer
    prüfe aber meine Umwelt über diese angehende Kultur
    belehre sie über deren Ethik,
    beantworte geduldig Fragen über Fleisch und Pelz
    Tierhaltung Recht und Moral
    dränge den Nichtveganer manchmal an die Wand
    vermeide dennoch die Ecke
    wegen der Agression
    wo eben in der Ecke ein Zuspitzung vorliegt

    man könne mich deswegen als besonders amoralisch sehen
    nicht wegen der Ecke
    sondern
    da wo ein Nichtveganer einen Nichtveganer belehrt
    und selber den Tritt nicht vollzogen

    grüße Clemens

    guten Rutsch in die neue Kultur

    • Ava Odoemena Says:

      Hallo Clemens,

      Einen Roman also soll ich schreiben:-)) Das ist alles eine Frage des Energiehaushalts wennde veschteesch wass`ich menn.

      Schlecht ist die Idee nicht, ich habe auch schon einem im Kopf aber das ist eher ein Gruselroman, den sollte ich mal vom Gehirndigital aufs Silikondigital übertragen. Ich sollte so viele Dinge noch machen…

      Was dein Erklären angeht, amoralisch ist das nicht, nur widersprüchlich. Der wäre durch zwei Möglichkeiten auflösbar, einmal in Wohlgefallen und einmal in Unwohlgefallen.

      Auch dir einen guten Rutsch.

  2. clemens sebastian Says:

    ich sollte keinen Gruselroman schreiben
    so wärs richtig
    mehr was wie Mark Twain
    Huck und Tom
    wo sich Huck die Rolle der Sklaven überlegt
    sich quasi für die Sünde entscheidet
    indem er den Sklaven unterstützt
    in deren Menschwerdung
    man gibt denen den Finger
    un die nehmen alles
    sogar
    zwischen
    Wohl und Unwohl
    da kommt ganz viel dazwischen noch
    selbst deren Frauen kaufen die frei
    also die Sklaven machen das
    sagt Huck

    war grad bei den bösen Antiveganern auch
    so ein Lumpenpack
    hab ich doch Bienen
    un die fackeln die ab
    oder wenigstens einer von denen
    der kann mal bei mir vorbei kommen
    ich sags ja nich warum
    bin ja kein Gewaltmensch nich
    also
    dann doch noch nicht the great Rutsch

    proscht neijohr un a guats nächtle

    clemens

  3. Lukha Says:

    Thema „Pflanzen sind doch auch Lebewesen/Haben auch Rechte“
    Ava, hast Du dazu eine K.O. Antwort? Das Argument kommt immer wieder und ich hab noch keine zufriedenstellende Möglichkeit gefunden den Wind wirklich aus den Segel zu nehmen.

    • Murph Says:

      Gegen „Pflanzen sind Lebewesen“ kannst du nix machen, das ist halt ein Fakt – wie das mit den Rechten aussieht, kann man natürlich durchaus anders sehen. Aber: Wer sich um Pflanzenrechte sorgt, wird natürlich Veganer. Fleischesser bringen viel mehr Pflanzen um.

      Aber ehrlich gesagt braucht man für diesen Spruch keine KO-Antwort, weil sich imho dein Gesprächspartner an dieser Stelle schon als uninteressiert und verschlossen erwiesen hat – ich denke kaum, dass eine Diskussion auf dieser Basis irgendwie fruchtet; am Ende kommt nur Frust für dich raus.

    • clemens sebastian Says:

      Lukha schreibt

      „Thema „Pflanzen sind doch auch Lebewesen/Haben auch Rechte“
      Ava, hast Du dazu eine K.O. Antwort? Das Argument kommt immer wieder und ich hab noch keine zufriedenstellende Möglichkeit gefunden den Wind wirklich aus den Segel zu nehmen“

      das K.O.-Kriterium sind die „RECHTE“
      man begreife das Recht als relativ
      schon iss man aus dem Schneider
      relatives Recht „funktioniert“ deswegen
      weil wir Menschen und keine Götter(totale Ethik) sind
      selbst Ava iss nen Mensch
      und Ava ist auch kein Pflänzchen, hähä

      wo einer mit den Pflanzen komme
      so könne ich mit der vesammelten Welt kontern
      also auch totes „Leben“
      dann wirds bitterlich eng

      sich nicht in die Enge treiben lassen
      iss ne Strategie

      man kann z.B.auch in die Weite gehn
      das Recht in die andere Richtung treiben
      dann frage man den Gegenüber,
      ob man ihn gleich umlegen solle
      wär ja ok

      Clemens

    • Ava Odoemena Says:

      Ganz kurz, denn ich muss gleich wieder offline. Les doch bitte mal den FAQ von den Maqi Leuten zu „Pflanzenrechte“. Leben per se ist natürlich kein Zustand aus dem sich ethische Rechte ableiten lassen.

  4. Der Anti-Jagd Blog Says:

    Schon länger entdecken Schlachter und Jäger auch ihr Herz für die armen Insekten, die der böse Veganer töten läßt, um sein pseudoveganes Gemüse zu erhalten. Das Dumme daran ist, dass es wohl auch Veganer waren , die diese Omnis erst auf diese Idee brachten. Wer anders als sie diskutiert denn sonst solche Themen?

  5. dentdelion Says:

    ich wundere mich immer noch über deine menschenverachtende attitüde.

    • Ava Odoemena Says:

      Und ich wundere mich über deinen Glauben, Diskreditierungsrhetorik für originell, neu oder zumindest intransparent zu halten.

    • Manuel Says:

      Ich kann darin nichts Menschenverachtendes finden. Es ist leider eher eine Projektion der Realität und die wird einem vielleicht erst klar, wenn man ausreichend Abstand nimmt. Steht ja auch in etwa so im Artikel.

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