Die seltsame Empörung über Veganer als gesellschaftliche Elite

Wer ist ein besserer Mensch? Jemand der einen anderen vor den Bus schubst, oder jemand der einem anderen aufhilft weil der gestürzt war? Diese einfach zu beantwortende Frage bereitet dem Normvolk anscheinend doch etwas Schwierigkeiten wenn man das Konzept überträgt auf den Veganismus.

Ein regelrechtes Raunen der Empörung wellt durch die narzisstisch derart Verletzten, und in einer klassischen Projektion des eigenen zivilisatorischen Defizits werden Veganer im Extremfall als Faschisten beschimpft.

Wie kommt es zu der maximalen Verrücktheit, dass die, die keiner Fliege etwas zuleide tun, mit einer Herrenmenschen-Ideologie in eine Ecke gestellt werden, alsdass Veganer doch hoffentlich bald anfangen sich für ihr Vegansein zu schämen. Oder doch zumindest den Mund halten. Stolzverbot für Gutsein? Und seltsamer noch, warum protestieren diese wackeren „Antifaschisten“ nicht gegen derart „faschistische“ Veranstaltungen wie die Olympiade, wo einige dieser „Faschisten“ sich anmaßen zu behaupten, sie seien die schnellsten Läufer der Welt. Unerhört!

Es ist verwirrend, dass eine Gesellschaft die den nackten Wettbewerb über mehr und mehr Lebensbereiche hereinbrechen lässt, sich empört über eine Randgruppe die sich ethisch besser verhält als die Norm der gegenwärtigen Kultur. Zumal der Status der ethischen Elite noch nichteinmal angestrebt wird, sondern sich automatisch aus dem sittlichen Verhalten gegenüber der Welt ergibt als Konsequenz.

Veganerinnen und Veganer sind nicht nur eine ethische Elite weil sie ihr Leben leben wollen, ohne wie eine Abrisskugel durch eine filigrane Welt zu schlagen, sondern vor allem weil dieser Wille zur Liebe an der Existenz vollkommen dezentral und ohne dogmatische Autorität selbstorganisiert ist. Es ist in der Geschichte des Menschen ein einmaliger Vorgang.

Und als wissenschaftliche Begleitmusik, zum Ärger der Veganverächter, mehren sich die Daten dass aus Gründen außerhalb ethischer Erwägungen gar kein Weg an einem veganen Planeten vorbeiführen wird.

Je früher man sich dieser Erkenntnis stellen wird, desto ruckelfreier wird der Übergang.

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Ava Odoemena

(n. verantw. f. Werbeeinblendungen)

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82 Antworten to “Die seltsame Empörung über Veganer als gesellschaftliche Elite”

  1. Ava Odoemena Says:

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  2. mimenda Says:

    Diese Elite-Diskussion finde ich immer ziemlich interessant.

    Ava schreibt: „Zumal der Status der ethischen Elite noch nichteinmal angestrebt wird, sondern sich automatisch aus dem sittlichen Verhalten gegenüber der Welt ergibt als Konsequenz.“

    Das finde ich richtig. Nur: wenn sich etwas automatisch ergibt, haben dann die Menschen, bei welchen es so ist, eine besondere Befähigung oder Qualität, die sie zur Elite macht? Sie verhalten sich ja lediglich (automatisch) so, wie es objektiv betrachtet „normal“ sein müsste, sind also mehr bei Trost als die Mehrheit. Aber sind sie deshalb schon Elite?

    Elite bedeutet Auslese. Wollen Veganer Auslese sein oder wollen sie nicht vielmehr mit sich selbst im Reinen sein, dem Wahnsinn entsagen und ein Zeichen setzen gegenüber jenen, die den Wahnsinn für gesund halten? Zeichen setzen, Beispiel, Sauerteig sein, das gehört m.E. unbedingt dazu, denn ein Veganer, der nicht irgendwie „missioniert“, ist in meinen Augen ethisch auf einer ähnlichen Stufe wie ein Nichtveganer, der in Diskussionen die vegane Seite einnimmt (was etwa für mich jahrelang zutraf). Denn schließlich geht es ja nicht bloß um das eigene reine Gewissen, sondern um eine gesellschaftspolitische (R)evolution. In diesem Sinne wollen Veganer also keine Auslese sein, sondern sie wollen, dass alle „auserlesen“ sind.

    Als Missionar ist man indes oft – wenn nicht sogar immer – der Meinung, man gehöre zu den Auserwählten. Aber bei Licht betrachtet ist das eher eine Gnade, denn irgendwas, worauf man sich etwas einbilden könnte. Als Missionar inmitten des Wahnsinns wird es indes nicht ausbleiben, dass Wahnsinnige des Wahnsinns zeihen, wer gegen denselben predigt. Sie projizieren damit aber lediglich ihren „Faschismus“ auf jene, die das geistig-moralische Fundament des „Faschismus“ in Frage stellen. Und je lauter sie schreien, desto mehr zeugt das vor ihrer Angst (ich denke da gerade an Roland Freisler), der Erkenntnis erliegen zu müssen, dass die „Angreifer“ recht haben. Andererseits zeugt das laute Schreien einiger Veganer auch bloß von ihrem Bedürfnis, sich besser zu dünken und zu fühlen. Solche Menschen können sich ein X-beliebiges Feld suchen, um dieses Bedürfnis zu stillen. Sie können einem Jagdverein beitreten oder der NPD. Sie können aber auch nominell „vegan“ werden.

    Elite ist m.E. eine Auslese, die nicht näher definiert werden kann. Unternimmt man dies dennoch, kommt sowas wie Geld-, Macht-, oder Veganelite heraus, mithin eine Teileite, die dem Begriff der Elite, der auf das Gesamte zielt, nicht gerecht wird. Die Elite, das sind die Besten und Fähigsten in einem Staat, die davon kein Aufhebens machen und die als solche in der öffentlichen Meinung nicht vorkommen. Ob sie im Kleinen oder im Großen wirken, tut dabei nichts zur Sache. Hauptsache sie wirken in einem Sinne, der das Ganze voranbringt. Dieses Ganze steht Partikulärinteressen unvereinbar gegenüber, weshalb zur Elite nicht zählen kann, wer darin gut ist, seine Eigeninteressen durchzusetzen.

    Ob es auf dieser Basis legitim ist, sich einer (ethischen) Elite zuzurechnen, weiß ich nicht. Ich finde allerdings, dass es immer noch genug zu tun und zu denken gibt und man sich eher dem nachdrücklichen Denken verschreiben sollte als sich eine Gloriole aufzusetzen.

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