Pseudo-Altruismus als sexuelle Strategie

Gemeinnützige GmbHs, früher als gGmbH abgekürzt, sind eine Sonderform im Unternehmensrecht. Ist die Gemeinnützigkeit einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung durch das Finanzamt anerkannt, hat sie spezielle Sonderrechte wie z. B. 7% Umsatzsteuer auf alle Waren und Dienstleistungen. Allerdings muss der Gewinn in die Gemeinnützigkeit fließen und darf nicht an die Gesellschafter ausgeschüttet werden.

Ideal wäre eine gemeinnützige GmbH z. B. für eine Kooperative aus Einzelunternehmern, die ihre Energie bündeln wollen und zusammen den Schritt in die Selbständigkeit wagen, jedoch nicht an Gewinnmaximierung interessiert sind.

In der Praxis wird diese Sonderform jedoch meist von eingetragenen Vereinen gegründet, da die GmbH wiederum nicht dem komplizierten Vereinsrecht unterliegt und hierarchischer geführt werden kann, obwohl sie dann im Endeffekt dem Verein untersteht.

Traurige Berühmtheit bekamen gGmbHs zum ersten mal in Form von Trägern, die Langzeitarbeitslose über den verbrieften Sanktionszwang im Schattenarbeitsmarkt der so genannten 1-Euro-Jobber unter ihre Knute nahmen. Die Gemeinden verschaffen sich so billigste Arbeitskräfte, was sich selbstverständlich auf den ersten Arbeitsmarkt negativ auswirkt.

Immer mehr „gemeinnützige“ Vereine gründeten diese Firmen, auch außerhalb des staatlichen Schattenarbeitsmarktes, vor allem im sozialen Sektor explodiert die gGmbH als Wirtschaftsfaktor, und treibt recht seltsame Blüten.

So gibt es derzeit einen Skandal der Berliner Treberhilfe, die sich unter anderem um Obdachlose kümmert, weil der Chef Harald Ehlert mit einen „Dienst“-Maserati in der Gegend herumkutschiert, mit der höhnischen Aufschrift „Rundfahrten durch das soziale Berlin“.

Doch wird nur das Vereins- u. Sonder-GmbH Recht von innen durch egoistische Motive kannibalisiert? Die Anhäufung von Geld, Status und Privilegien ist immer Ausdruck des tiefliegenden Fortpflanzungsstriebs, also im Prinzip eine sexuelle Strategie. Sich attraktiver zu machen als man wirklich ist, erhöht die Chance auf einen Fortpflanzungspartner der nächst höchsten Kategorie. Was bei Frauen meist immer noch die Schminke ist, ist bei Männern meist immer noch der Status und der ist in unserer Gegenwart verbunden mit Geld.

In einer durch und durch organisatorisch gesättigten Gesellschaft, in der die Pfründe und die Privilegien die zu den Pfründen führen schon so verteilt sind, dass wir bereits von einem Kastensystem sprechen können; wie kommt da das Alphatier von niederem Rang an seinen Harem? Wie wahrscheinlich ist es, dass das Alphatier seinen Ekel überwindet und sich im altruistischen Spektrum umsieht, vor allem wenn alle anderen Felder fleißig beackert werden? Und vor allem wenn ein Maserati dabei herausspringt?

Und wie sieht das aus bei der „altruistischen Avantgarde“, hier im Veganismus? Sind wir frei von Alphas und Dominanzhengsten allerlei Geschlechts oder Geldschefflern? Wo herrscht denn der schallend-treibende Kommisston? Wo wird Geld verdient unterm veganen Banner?

Wie vegan ist die Motivation der lauten und stillen „Chefs“, wenn man mal anfängt zu graben? Wie vegan ist die Motivation vom Veganen Auge? Oder steht es am Ende gar nicht in Widerspruch, ein Alphatier zu sein, mit altruistischem Motiv?

Viel Stoff zum Nachdenken…

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Ava Odoemena
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7 Antworten to “Pseudo-Altruismus als sexuelle Strategie”

  1. clemens sebastian Says:

    „Und wie sieht das aus bei der “altruistischen Avantgarde”, hier im Veganismus“

    wo der Veganer sich nicht im vor hinein als altruistisch begreift
    so wär der Veganismus erstmal vom Ballast der „Selbstlosigkeit“
    befreit

    leider unterliegt der Veganer
    so wie auch Herr Ehlert
    den Theorien des Herrn Marx

    „Ware tritt auf den Markt und verwandelt sich in ver-mehrtes Geld “

    bei Herr Ehlert die Ware „asozial“ also

    man kann nun sagen
    es regiere der Egoismus
    eine sexuelle Strategie vielleicht
    und noch allgemeiner
    das Streben nach Macht

    so sagt uns aber unsere Form des wirtschaftens

    friss oder stirb

    „In der Vorstellung sind … die Individuen unter der Kapitalisten-herrschaft freier als früher, weil ihnen ihre Lebensbedingungen zufällig sind; in der Wirklichkeit sind sie natürlich unfreier, weil mehr unter sachliche Gewalt unterworfen“

    wo man also altruistisch zu sein glaubt
    so ist die Maschine Kapitalismus
    dennoch unerbittlich

    clemens

  2. piyh Says:

    Ehrlich gesagt finde ich die Motivation nebensächlich, wenn es um die Sache geht. Wenn jemand die Welt rettet um Frauen zu beeindrucken, bitteschön, bin ich dafür. ;)
    Die Frage ist überhaupt was echter Altruismus ist und ob es ihn überhaupt gibt.
    Zum Problem wird die egoistische Motivation ja erst, wenn sie der Sache schaden, wenn das eigene Wohl unvereinbar mit dem Wohl der Sache ist. Wenn sich unter dem veganen Banner Geld verdienen lässt fände ich das gut, weil es ein Anreiz bietet, auch für Leute, die es nicht so mit Altruismus haben. Wir werden nicht alle Leute altruistischer machen können, also müssen wir den Veganismus auch für egoistischere Menschen reizvoll machen. Es muss bequem werden, vegan zu sein.

    • Ava Odoemena Says:

      Huch ein „sehr schlecht“ für piyh?

      Also ich zum Beispiel denke, dass sozialdominante Leute im Veganismus sehr viel Schaden angerichtet haben, weil es ihnen (meist unbewusst) im Kern nicht um Emanzipation, Kooperation, Aufklärung geht, sondern um das Ausschaben einer Herde aus dem Pulk die sie kontrollieren können.

      Das ist natürlich etwas ganz anderes als ein einzelner Veganköstler den vegane Ethik nicht die Bohne interessiert. Du hast Recht, das hätte ich besser differenzieren können.

    • Ava Odoemena Says:

      Oder noch mal ein anderes Beispiel: Der Sozialismus. Von den altruistischen Thesen von Marx haben es sehr wenige in den Staatskapitalismus geschafft, die Idee wurde vor ihrer Umsetzung zugleich besetzt von hyperventilierenden Kontrollfanatikern, hier wurden ganze Völker eingeherdet – von sozialdominanten Alphas. Natürlich spielt bei Einherdungen dieser Größenordnung der Sexualtrieb nur noch eine abstrakte Rolle. Dennoch geht der Befall von altruistischen Ideologien durch sozialdomante Alphas (die ihre Triebe nicht im Griff haben) immer zu Lasten der Ideologie. Ich verwende Ideologie hier im traditionellen, positven Sinn.

    • piyh Says:

      Oder noch mal ein anderes Beispiel: Der Sozialismus. Von den altruistischen Thesen von Marx haben es sehr wenige in den Staatskapitalismus geschafft, die Idee wurde vor ihrer Umsetzung zugleich besetzt von hyperventilierenden Kontrollfanatikern, hier wurden ganze Völker eingeherdet – von sozialdominanten Alphas.

      Ja, das ist aber auch der Grund dafür, dass ich altruistische Ideologien zum Scheitern verurteilt sehe, wenn sie den Egoismus und die Bequemlichkeit der Menschen nicht mit einkalkulieren. Eine Ideologie, die darauf basiert, dass alle Menschen gut sind und altruistisch handeln wenn nur die richtigen Rahmenbedingungen herrschen ist illusorisch, da der Mensch IMHO eine Veranlagung zum Egoismus, zum Konkurrenzdenken und zu allerlei anderen unschönen Dingen hat, das lässt sich sicher nicht einfach wegerziehen oder wegzaubern, auch wenn man vielleicht Bedingungen schaffen kann unter denen Menschen sich kooperativer verhalten oder das Konkurrenzverhalten einen gesellschaftlich erwünschten Effekt hat.
      Eventuell kann man also das Wissen über den menschlichen Egoismus nützen um eigene altruistische Ziele durchzusetzen.

      Übrigens finde ich Feedback in Form von Worten sinnvoller als in Form von anonymen Abstimmungen, weil man dann auch weiß was dem Bewerter so sauer aufgestoßen ist.

  3. Ava Odoemena Says:

    Passt nicht ganz genau auf das Thema, aber dennoch sehr interessant, es scheint so eine Art Wasserstand moralischer Handlungen zu geben bei moralischen Symbolanten. Tun die etwas gutes, sind sie an anderer Stelle fieser.

    http://www.sueddeutsche.de/wissen/505/505694/text/

    (Enthält auch Gefasel mit durch „artgerechter Haltung“ Totgekuschelter).

  4. Ava Odoemena Says:

    Hier etwas was exakt zum Thema passt, vermeintliche Krtik an etablierten Systemen als Herdenkontrolle:

    http://www.faz.net/s/Rub8E1390D3396F422B869A49268EE3F15C/Doc~E523C89F60C644E8D9CCDD816A83CDBEE~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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