Das Glück der Maschinen

Die erste Reaktion auf „künstliche“ Intelligenz ist Abwehr und oft sogar chauvinistische Abwertung zu Rettung des eigenen Weltbildes. Computer können doch nicht denken, das Gehirn ist viel zu komplex, nur Zahlen bewältigen könne der dumme Rechner. Was zum Schmunzeln verleitet, ist die Tatsache, dass der Phobiker in seiner Ablehnung eigentlich den Konkurrenten als solchen anerkennt.

Denn entgegen den Reflexreaktionen schreitet die Entwicklung sehr schnell fort, und längst können Rechner auch kreativ sein, wie z. B. diese von einer Maschinenintelligenz komponierte Klaviermusik namens Emi. Emi macht nichts anderes, als Musik zu komponieren, das stimmt.

Was bei der Reaktion auf anorganische Intelligenz aber oft vergessen wird, ist, dass das menschliche Bewusstsein ist auch nichts anderes beinhaltet als ein Amalgam chronischer Rückkopplung verschiedener, darunter liegender und sich überlappender Systeme. Evolutionäre (mathematische) Chaosbewältigung über *Prognose*.

Unter dem Gesichtspunkt ist es für mich gar keine Frage, dass anorganische Intelligenz nicht nur menschliche FEM (Fähigkeiten, Eigenschaften und Merkmale) erreichen, sondern sie auch übertreffen wird. Siehe Schach. Was wir im Moment haben, ist die Bewältigung von Einzelaufgaben wie Schachspielen, Staubsaugen oder nach Kontamination schnüffeln. Aber das biologische Gehirn und dessen Funktionen lässt sich auch in solche Einzelroutinen aufsplitten. Die Neigung der anorganischen Intelligenz zur Lösung von einzelnen Spezialaufgaben, hat weniger mit der Limitation von AI zu tun, sondern ist auch eine Projektion der Persönlichkeitsstruktur von Forschern, welche eher Detailisten als Generalisten sind.

Bedenken sollte man bei der Betrachtung anorganischer Intelligenz, dass die Biologie ja auch nur ein Metasystem auf Basis kruder chemischer Elemente ist, anorganische Intelligenz setzt also auf den gleichen Grundlagen chemischer Elemente auf wie die Biologie. Das vermeintlich Andersartige ist nur Formfaktor.

Inwieweit die chemische Evolution mit ihrer Bewusstseinsergreifung die biologische Evolution verdrängen, oder parallelieren wird, wird man sehen. (Oder auch nicht:-) Durch ein Tal kann eben ein Fluss aus Wasser fließen, oder flüssiges Methan wie auf Titan dem Saturnmond.

Die spannende Frage wird sowieso nicht sein, ob und wann sie kommt, sondern ab wann es unvegan wird, eine Maschine abzuschalten. Evolution begann mit der chemischen Evolution im Universum, und ihr Trumpf im produzieren von selbstbewussten Entitäten, wird uns, als Ergebnisse der biologischen Evolution mit unserer enormen Verletzlichkeit konfrontieren. Die Lebensbedingungen, die eine Entität der chemischen Evolution aushält, sind sehr viel feindseliger als unser Kugelaquarium Erde.

Wir sollten uns vor anorganischer Intelligenz auch nicht fürchten, fürchten sollte man eher, dass sie nicht schnell genug intelligent wird, um die Wahrnehmung ethischer Rechte zu begreifen. Die Übergansstufen, die, die zur Zeit auch von den Militärs entwickelt werden, die sind das gefährliche. Alles was nicht denken kann ist mit Vorsicht zu genießen.

Aber das wissen wir ja auch vom Menschen her.

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Ava Odoemena
(n. verantw. f. Werbeeinblendungen)

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15 Antworten to “Das Glück der Maschinen”

  1. Anonymous Says:

    Ruft denn niemand den Notarzt?

    • Ava Odoemena Says:

      Erster Satz des Artikels:

      „Die erste Reaktion auf “künstliche” Intelligenz ist Abwehr und oft sogar chauvinistische Abwertung zu Rettung des eigenen Weltbildes.“

      Ich frage mich ja immer wieder wie man so doof sein kann, das zu lesen und dann nicht in der Lage ist, das auf sich selbst anzuwenden.

  2. Anonymous2 Says:

    „ab wann es unvegan wird, eine Maschine abzuschalten.“

    Das ist doch immer subjektiv. Unvegan heißt ja nur für Veganer unmoralisch. Für Nichtveganer ist vegan Spinnerei.
    Schlussfolgerung: Wenn Wir subjektiv Empathie mit den Maschinenwesen entwickeln, werden wir sie wohl auch so behandeln „müssen“, oder nicht?

    • Murph Says:

      Du verwechselst Ethik mit Willkür.

    • Ava Odoemena Says:

      Über „ethischen Analphabetismus“ hatte ich erst hier was geschrieben im Kommentar. Die eigene Position unreflektiert für die richtige zu halten hebt halt auch nicht unbedingt die Qualität der Debatte. Subjektive Empathie (lol, gibts auch objektive Empathie) hat mit der Wahrnehmung ethischer Rechte wenig dazu, kann lediglich dazu behilflich sein, FEM richtig einzuschätzen.

      Aber auch gänzlich ohne Empathie, rein rational läßt sich unterscheiden ob etwas über Rechte-FEM verfügt oder nicht.

  3. Anonymous2 Says:

    „Die eigene Position unreflektiert für die richtige zu halten hebt halt auch nicht unbedingt die Qualität der Debatte.“

    Ich habe nur meine Meinung geäußert. Ich habe sie am Ende sogar in Frage gestellt.

    „Empathie […] hat mit der Wahrnehmung ethischer Rechte wenig dazu“

    [Ava Mode aka ich bin so perfekt mode] lol der Satz ist grammatikalisch falsch loool [/Ava mode] Srry, hebt nicht das Niveau der Debatte, vermeide es nächstes Mal.

    Es hat in der Gesellschaft eben mit Empathie zu tun ob jemand dem Wesen erst FEM und folglich Rechte einräumt oder nicht. Ich kenne keine Fleischesser, die Empathie gegenüber Tieren hätten.

    „Aber auch gänzlich ohne Empathie, rein rational läßt sich unterscheiden ob etwas über Rechte-FEM verfügt oder nicht“

    ja sowas lässt sich ganz rational unterscheiden. wie es in der Gesellschaft funktioniert sieht man ja (nicht).
    Empathie ist rational, quasi eine Erkenntnis, die FEM anzuerkennen. (Meine Meinung)

    • Ava Odoemena Says:

      Ich kenne keine Fleischesser, die Empathie gegenüber Tieren hätten.

      Der Mensch ist ein Tier, Säugetier, und wenn Nichtveganer (es geht im veganen Kontext ja nicht nur um „Fleisch“) keine Empathie gegenüber anderen nichtmenschlichen Tieren empfinden würden, dann gäbe es bestimmt auch keine Tierärzte.

      Wem Empathie zugeteilt wird, ist natürlich eine kulturelle Frage, die sich nicht zur von Veganern zu Nichtveganern unterscheidet, sondern auch z. B. zwischen Europäern und Asiaten. Asiaten würden kein Pferdegewebe konsumieren, haben aber mit dem Verzehr von Hundegewebe weniger Probleme.

      Aber mal zurück zu deiner Ausgangsmeinung:

      Schlussfolgerung: Wenn Wir subjektiv Empathie mit den Maschinenwesen entwickeln, werden wir sie wohl auch so behandeln “müssen”, oder nicht?

      Nicht unbedingt. Schließlich bedeutet „wir“ hier die Gesellschaft. Und die richtet sich sowieso (im Moment noch) aus an juristischen Rechten. Dafür braucht man etwa so viel Empathie wie bei Rot an der Ampel stehen zu bleiben.

  4. aristipposian Says:

    Es freut mich SEHR, diese Ecke gefunden zu haben.

    Aber ein Paar Dinge möchte ich kommentieren.

    „Was zum Schmunzeln verleitet, ist die Tatsache, dass der Phobiker in seiner Ablehnung eigentlich den Konkurrenten als solchen anerkennt.“

    Mit jedem, der an Rechner Konkurrenz erkennt, habe ich viel Mitgleid.
    „Künstliche Intelligenz“ finde ich als Begriff längst daneben. Aus den einfachen Grund, dass ich zwischen Technologie, Kultur und Natur gerne unterscheide.

    „Denn entgegen den Reflexreaktionen schreitet die Entwicklung sehr schnell fort, und längst können Rechner auch kreativ sein, wie z. B. diese von einer Maschinenintelligenz komponierte Klaviermusik namens Emi. Emi macht nichts anderes, als Musik zu komponieren, das stimmt.“

    Nun, eine Art „Willkür“ oder „Kreativität“ zu inszenieren bzw. programmieren, finde ich in die Welt der Maschinen und Rechner eine schöne Leistung, möchte aber deutlich zwischen einer solchen „Programmierung“ und die Kreativität eines Menschens oder Tieres ebenfalls unterscheiden. Die Tatsache, dass Benzin in einem Auto reinkommt und als Abgasse wieder rausgeht, zeugt keinesfalls für ein Verdauungsprozess im Auto.

    • Ava Odoemena Says:

      Aloha Aristipposian. Also selbst wenn wir jetzt mal, um endlose philosophische Debatten abzukürzen sagen, der momentane Stand der Technik erlaubt keine belastbare Form der Kreativität als solches, fällt mir doch auf, dass du zwar von der rasanten Entwicklung überzeugt bist, aber irgendwie die Kreativität dagegen gar nicht gefährdet siehst.

      Du glaubst, das ist kein Widerspruch?

      • aristipposian Says:

        Hallo Ava,

        Kreativität wohnt m.E. über all Inne – ob die Seele eines Individuums handeln will und Kunst macht, oder ob ein anderes Individuum durch technologischer Fortschritt die Gesellschaft helfen will. In sofern sehe ich Kreativität nicht gefährdet. Kreativität ist eins von vielen Qualitäten, die man in sich nicht abschaffen kann, finde ich.

        Darüber hinaus differenziere ich zwischen das, was ein lebende Wesen schafft und das, was eine Maschine durch Vorprogrammierung „umsetzt“.

      • Ava Odoemena Says:

        Darüber hinaus differenziere ich zwischen das, was ein lebende Wesen schafft und das, was eine Maschine durch Vorprogrammierung “umsetzt”.

        Ich sehe hier eben keine strenge Trennung. Im Prinzip ist menschliche Kreativität auch nur eine Umsetzung der Vorprogrammierung durch Hardware (DNA) und Programme (Kultur, Sozialisierung), wenn auch in einer wesentlich „verdichteteren“ Form, als Rechner zur Zeit in der Lage sind.

      • aristipposian Says:

        Dann unterscheiden wir uns wesentlich in unsere Betrachtung von Natur und Maschine.

      • Ava Odoemena Says:

        Ja sicherlich, denn ich sehe die Maschine als ein Element der Natur.

  5. Claude Martin Says:

    Vor ein paar Jahren hattest du noch etwas ganz anderes geschrieben. Willst du denn jetzt synaptisch intelligente AI nicht mehr verhindern?

    • Ava Odoemena Says:

      Ja, ich habe meine Meinung komplett geändert. Ich sehe in der Evolution hin zur AI keinen Bruch mehr weg von der Biologie, sondern ein Kontinuum des Lebens. Was natürlich nicht bedeutet, dass ich antimenschlicher AI, die z. B. eingesetzt werden kann für militärische Zwecke oder andere Formen der Kontrolle nicht kritisch gegenüber stehe.

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