Das Pech der Sklaven

Als ich das erste mal vom Glück der Sklaven gehört habe, war ich über das Konzept erstaunt. In meiner Vorstellung befanden sich Sklaven immer in einer permanenten Misere der lähmenden Hoffnungslosigkeit. Dass es so etwas geben konnte wie Glück im Sklavendasein befremdete mich.

Was hat man sich darunter vorzustellen, ein Verleugnungswahn, eine Art Stockholmsyndrom, die Identifizierung mit den Umständen in denen man lebt, die einem gleich einem unsichtbaren Kidnapper in Haft halten, ohne dass man sich der Haft bewusst ist?

Auf jeden Fall war mir sofort klar, dass diese Haltung gefährlich war, da jemand der glücklich ist, oder sich zumindest glücklich wähnt, eher weniger unternehmen wird, um diesen Zustand zu verändern. Ein entsetzlicher Gedanke beschlich mich. Was wäre, wenn wir alle glückliche Sklaven wären, ohne es zu merken?

Dann wäre das Pech der Sklaven, dass sie es für Glück halten. Lebenserfüllung als Warten auf den Tod.

Vielleicht erklärt sich damit auch ein Stück die Achtlosigkeit und Egalheit gegenüber den Todesfabriken als ein Spiegelbild unseres eigenen Sklaventums. Wie bei ihnen besteht unser Leben in engen Boxen, ein von Außen aufgepapptes Raster, hauptsächlich aus dem Warten auf den Zeitpunkt, an dem das Bolzenschussgerät Alter der Sache ein Ende bereitet.

So könnte es tausende von Jahren weiter gehen.

Aber es passiert etwas. Die Systemmaschinen haben Sand im Getriebe, kleine Stücke brechen aus den Zahnrädern. Das Bild auf der Innenseite der Blase, das die Sklaven umgibt, hat Flickerausfälle. Die Leute beginnen zu begreifen, dass sie Sklaven sind.

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Ava Odoemena
(n. verantw. f. Werbeeinblendungen)

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19 Antworten to “Das Pech der Sklaven”

  1. newsmagazin Says:

    deswegen bewege ich mich oft am rand der depression: meine blase hat soviele ausfälle, dass mein gemüt es nicht mehr wahrhaben will. es ist schwer dem (er-)druck ausserhalb der blase standhalten zu können, jedoch das wichtigste sich nicht aus feigheit oder bequemlichkeit in die blase ziehen zu lassen.

    • Ava Odoemena Says:

      Och, die frische Luft hier draußen bläst einem jegliche Dauertraurigkeit schnell aus den Knochen:-)

      • newsmagazin Says:

        ja, die unterstützung gleichgesinnter und die diskussion mit ihnen (so interpretier ich dein kommentar jetzt mal) bringt die traurigkeit zum schwinden. thx 2 u all :-)

  2. Auge Says:

    „… Der Einsiedler glaubt nicht daran, daß jemals ein Philosoph – gesetzt, daß ein Philosoph immer vorerst ein Einsiedler war – seine eigentlichen und letzten Meinungen in Büchern ausgedrückt habe: schreibt man nicht gerade Bücher, um zu verbergen, was man bei sich birgt? – ja er wird zweifeln, ob ein Philosoph »letzte und eigentliche« Meinungen überhaupt haben könne, ob bei ihm nicht hinter jeder Höhle noch eine tiefere Höhle liege, liegen müsse – eine umfänglichere fremdere reichere Welt über einer Oberfläche, ein Abgrund hinter jedem Grunde, unter jeder »Begründung«. Jede Philosophie ist eine Vordergrunds-Philosophie – das ist ein Einsiedler-Urteil: »es ist etwas Willkürliches daran, daß er hier stehnblieb, zurückblickte, sich umblickte, daß er hier nicht mehr tiefer grub und den Spaten weglegte – es ist auch etwas Mißtrauisches daran.« Jede Philosophie verbirgt auch eine Philosophie; jede Meinung ist auch ein Versteck, jedes Wort auch eine Maske. …“
    Friedrich Nietzsche: Jenseits von Gut und Böse.

    -Finden wir jemals einen Ausgang? ;-)

  3. fritz holzer Says:

    mit „egalheit“ meinst du wohl „gleichgültigkeit“?!

  4. Claude Martin Says:

    Wer in Zentraleuropa lebt und denkt, er sei ein Sklave, sieht wohl nicht wie gut es ihm geht. Sonst müsste man ja eingestehen, dass es uns viel zu gut geht und es den Sklaven, die zu einem Allzeitrekordtiefpreis von weniger als 70 Euro gehandelt werden, vielleicht doch ein bisschen schlechter geht als uns.
    Das ist doch gerade das Problem. Die einen klagen wie wir alle, vom Nestlé-Chef bis zum Kloputzer, Slaven im Kapitalismus seien, während die anderen damit Beschäftigt sind gerade diesen als Freiheit des Individuums abzufeiern welcher mit allen Mitteln auf der ganzen Welt verbreitet werden muss.

    • Ava Odoemena Says:

      Wer in Zentraleuropa lebt und denkt, er sei ein Sklave, sieht wohl nicht wie gut es ihm geht.

      Das ist ein klassischer Denkfehler und auch ziemlich anmaßend zu glauben, man könne definieren und bestimmen wie ein Mensch sich zu fühlen hat. Diese robotische Hierarchiebildung von wegen denen, denen es „wirklich schlecht geht“ und die „wirklich unfrei sind“, und denen, die sich „einfach mal ein wenig zusammenreißen sollen“ ist ignorant.

      Das ist doch gerade das Problem. Die einen klagen wie wir alle, vom Nestlé-Chef bis zum Kloputzer, Slaven im Kapitalismus seien, während die anderen damit Beschäftigt sind gerade diesen als Freiheit des Individuums abzufeiern welcher mit allen Mitteln auf der ganzen Welt verbreitet werden muss.

      Und nachdem du kontrollieren willst, wie Menschen sich zu fühlen haben, willst du nun kontrollieren und bestimmen, was das „wirkliche“ Problem ist, kommst aber über Allgemeinplätze nicht hinaus. Mein Artikel war übrigens keine Kapitalismuskritik, ganz unabhängig davon, welchen Anteil dieser hat an der Misere der Welt.

      • Claude Martin Says:

        Ich habe nicht gesagt jemand soll sich zusammenreissen. Im Vergleich zu echten Sklaven geht es uns nunmal gut. Dass du uns mit Sklaven vergleicht zeigt mir nur, dass es wohl nichts gibt (ausser utopischer Wunschvorstellungen), was als Vergleich dienen könnten, um zu zeigen, wie schlecht es uns geht. Es geht uns nunmal relativ gut. Trotzdem könnte es uns weit besser gehen. Aber nicht wenn wir uns als arme Sklaven darstellen. Was soll das nützen?
        Ich verstehe deinen Beitrag wohl einfach nicht. Was willst du damit eigentlich sagen?

      • Ava Odoemena Says:

        Ich verstehe deinen Beitrag wohl einfach nicht.

        Vielleicht ist das ja ganz gut so, und ich meine das nicht sarkastisch. Leider weiss man ja bei dir nie, ob du auf FUD-Tour bist und unterschwellig provozierst, oder tatsächlich genuines Interesse hast. Die Aufsplittung von Themen bis ins Absurde hinein mit dem Versuch, jemanden in Widersprüche zu verstricken war ja auch eine gängige Methode des Maqi-Mobbings, das gegen mich angewandt wurde. Nun als Exportschlager? Ich weiss es nicht… aber es behindert natürlich meine Motivation, in eine ernsthafte Diskussion einzusteigen.

        Ansonsten könnte man es eventuell abhaken als die Betriebsblindheit eines männlichen, heterosexuellen, weißen Mittelschichtschweizers, der tatsächlich nicht weiss oder wissen will, was es außerhalb seiner Erfahrungswelt und Alltagsrealität noch so alles gibt…

      • Claude Martin Says:

        Ich hab halt eine andere Meinung und sage die Leute sind keine Sklaven.

        Ich weiss wohl nicht gerade viel davon, was es so alles gibt, aber ich verstehe nicht wen du als Sklaven bezeichnest und wieso. Besonders wenn es gar keine Kritik am Kapitalismus sei. Worum geht’s denn? Mich würde auch interessieren was die Konsequenz des Begreifen ist. Wie befreien wir uns denn von dieser angeblichen Versklavung?

        Und was haben eigentlich mein Geschlecht, meine Sexualität und meine Hautfarbe mit all dem zu tun?

      • newsmagazin Says:

        geschlecht: männlich = gesellschaftlich von vorteil, sexualität: hetero = gesellschaftlich von vorteil, hautfarbe: weiss = gesellschaftlich von vorteil.

        soll ich dir ein bild malen? :-)

      • Ava Odoemena Says:

        soll ich dir ein bild malen? :-)

        Das wird nicht hoffentlich nicht nötig sein, Claude betreibt den sich-blöd-stellen-Dadaismus als schlechte, rhetorische Angewohnheit schon seit vielen Jahren:-) Vielleicht steht er ja drauf, dass das bei mir Würgefantasien provoziert, hehehe.

      • Claude Martin Says:

        Jaja, immer diese weissen heterosexuellen Männer!!! Vielleicht verstehe ich es ja nicht weil du mich zu den Sklavenhaltern zählst?

  5. Sheogorad Says:

    Zum Mindest werden wir fremdversorgt mit Information, also der Grundlage einer jeden Entscheidung und eines jeden Handelns. Wir werden bewusst in die Irre geführt (erfolgreicher als wir glauben) und uns werden Dinge suggeriert die weiter von der Wirklichkeit nicht entfernt sein können.
    Dazu kommt die Renitenz mit der sich viele Menschen gradezu weigern selbst kritisch zu denken oder sich mit Informationen zu beschäftigen die ihrem Weltbild widersprechen.
    Ganz im Kantschen Sinn, Unmündigkeit als Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Diese Unmündigkeit kennzeichnet Sklaven, nicht in Ketten auf dem Feld sondern im Geiste ohne es selbst wahrzunehmen.

  6. Auge Says:

    Existenz lässt sich nicht bewältigen! Auch Ava ist irgendwo irgendwie einfach „Sklave“… Durch den Text kommen mir (ein wenig) dumpfe Erinnerungen hoch, – vom Hochmut des Extremismus.

  7. Ava Odoemena Says:

    http://www.heise.de/tp/blogs/foren/S-Kein-Staat-wird-jemals-seine-Schulden-begleichen-koennen/forum-167265/msg-17479146/read/

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