Interna: Kollektive vegane Intelligenz

Wissen, also in Blöcken „vorsortierte“ Information, ist die DNA, der Grundstock einer Kultur und entscheidend dafür, ob diese Kultur überhaupt, kurzfristig, oder auf lange Zeit erfolgreich sein wird oder nicht.

Erfolg ist sicher nicht das, was in weiten Teilen der Welt dafür gehalten wird, nämlich das hamstern von Energie in Form von Geld oder Werten die durch Geld erworben wurden. Sondern der Erfolg einer Kultur äußert sich darin, nicht nur die Rechte zu gewährleisten, sondern kreativ und flexibel auf Herausforderungen zu reagieren und über Kollaboration Dinge zum Guten hin zu bewegen.

Eine kollektive Intelligenz  ist anders als die Intelligenz eines einzelnen Menschen das Resultat einer solchen Kollaboration oder Zusammenarbeit. Zum Beispiel Wikipedia oder Linux.

Mit dem Aufkommen des Netzes wird es für alle Beteiligten sehr einfach, unabhängig von ihrer individuellen Intelligenz beizutragen zu einer kollektiven Intelligenz, und wenn wir die Gesellschaft veganisieren wollen, ist die vegane kollektive Intelligenz von allen Veganerinnen und Veganern ein sehr wichtiges, wenn nicht sogar das wichtigste Mittel. Nicht nur nach Außen in Richtung unvegane Gesellschaft, sondern auch nach Innen für die vegane Gemeinschaft.

Da der moderne Veganismus noch sehr jung ist, ist kollektive vegane Intelligenz sogar noch viel wichtiger, denn eine dezentrale, prinzipiell anarchistische Gemeinschaft hat viel Reibungsverluste, da es keine zentrale Autorität gibt die sagt so und so machen wir das.

Nehmen wir das Beispiel Vitamin B12:

fraktale Informations-Gene   cc-by-sa-nc-3-ava-odoemena

fraktale Informations-Gene cc-by-sa-nc-3-ava-odoemena

Wer genau hinsieht, dem fällt auf, dass dieser Busch sich ganz aus Linien zusammensetzt, die sich am Ende einmal spalten wie eine Gabel. Jeder dieser Gabeln repräsentiert eine Meinung eines Menschen, und da wir als Beispiel Vitamin B12 genommen haben, geht es hier um eine kollektive Intelligenz der Verbreitung von Informationen zu Vitamin B12. In den letzten Tagen haben wir hier auf dem Blog uns viel über B12 ausgetauscht. Von Murph und mir kamen Erklärungen, welche durch die richtigen Fragen von z. B. Kabi präzisiert werden konnten. Selbst Mav hat durch seine 34/35-Fragen dazu beigetragen,  auszuleuchten was allgemein eventuell nicht so wichtig ist bei dem Thema, wenn es für sie oder ihn im Besonderen natürlich durchaus wichtig ist.

Der Barcode an der Wurzel des Busches steht also für das Resultat einer Erörterung, Faktenwissen zu B12, welche Produkte gibt es, was ist für vegane Raucher zu beachten usw. Er steht als Symbol von „sauberer“ Information, einem guten, weil belastbaren Konsens.

Doch der Konsens ist natürlich nur so lange gut, wie er von allen authentisch weitergetragen wird. Schließlich lesen hier sehr viele Veganer mit und je nachdem wie gut sie diesen Konsens verstanden haben und durchreichen, ist der Effekt für die vegane Gemeinschaft. Der abgestorbene Zweig könnte zum Beispiel dafür stehen dass jemand etwas falsch verstanden hat und diese falsche Information Nachteile generiert für alle, die das ihrerseits aufnehmen und weitertragen. Klassisch: B12 sei in Sauerkraut.

Die gelben Blätter könnten eine falsche Menge B12 darstellen, was als Resultat hat, dass alle die diese Information aufnehmen und unkritisch als Fakt akzeptieren am Ende unterversorgt sind.

Man erkennt aber auch eine Spur in der die Blätter dicht und gesund grün sind. Diese Informationslinie repräsentiert kollektive Intelligenz. Hier wurden beim aufnehmen und im weitergeben des Wissens die wenigsten Fehler gemacht.

Veganes Auge soll hier nicht als eine zentrale Autorität projiziert werden, es ist lediglich ein Beispiel für einen Ort, an dem ein guter Konsens Ausgangspunkt für eine gute Linie sein kann. Solche Orte kann es überall geben. Die kollektive Intelligenz des Veganismus muss man sich demnach als ganzen Dschungel vorstellen, in dem die einzelnen Büsche, Bäume und Gräser nicht klar voneinander getrennt sind, sondern ineinander hineinwachsen und sich gegenseitig beeinflussen.

Das geht auf einen beliebig anderen Kontext zu übertragen. Die Debatte Tierschutz oder Abolitionismus um eine politische zu nennen. (Veganes Auge ist ein abolutionistisches Blog.)

Bei dem was wir tun und welche Meinungen wir formen, können wir uns also nun immer überlegen, ob dies der kollektiven veganen Intelligenz dient oder nicht, und wenn ja, warum dient ausgerechnet die eigene Meinung oder Handlung der KVI?

Ein Exempel für etwas das nicht dienlich ist: Die Grundkenntnisse veganer Ernährung nicht kennen. Die meisten kommen nämlich im Veganismus an und sind auch was die Grundkenntnisse bei unveganer Ernährung betrifft naiv. Dieses Nichtwissen wird dann in den Veganismus hineinkopiert als Haltung oder Meinung, oder noch schlimmer, „angereichert“ mit falschen Informationen.

Das ist wie Fahrrad fahren mit verbundenen Augen. Denn durch die Fehler die da entstehen, schadet man sich selbst, und in der Summe all derer die sich selbst schaden, entstehen viele kahle Äste im „Wald Veganismus“. Ziel einer KVI muss es sein, kahle Äste zu vermeiden.

Bei dem also was wir über den Veganismus denken oder was wir für den Veganismus tun, die Haltungen, Handlungen und Meinungen zu allen Themen die uns betreffen wie Tierrechte, Familie, veganer Alltag usw., können wir uns bewusst rückfragen ob das wie ich dazu stehe der kollektiven veganen Intelligenz dienlich ist oder nicht.

Wenn man sich nicht sicher ist, haben wir heutzutage das Netz wo man andere Meinungen einholen und abwägen kann. Denn Menschen sind nicht wie die gegabelten Linien im Bild statisch fixiert, sondern können jederzeit einen schlechten Ast gegen einen guten tauschen.

Und so können wir dann alles erreichen was wir wollen. Alles.

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Ava Odoemena
(n. verantw. f. Werbeeinblendungen)

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11 Antworten to “Interna: Kollektive vegane Intelligenz”

  1. newsmagazin Says:

    Ein Exempel für etwas das nicht dienlich ist: Die Grundkenntnisse veganer Ernährung nicht kennen. Die meisten kommen nämlich im Veganismus an und sind auch was die Grundkenntnisse bei unveganer Ernährung betrifft naiv. Dieses Nichtwissen wird dann in den Veganismus hineinkopiert als Haltung oder Meinung, oder noch schlimmer, “angereichert” mit falschen Informationen.

    aber genau das soll ja auch der sinn von eimem blog wie zb veganes auge sein oder? aufklärung der unwissenden, die in meinem fall gedeit und voranschreitet. perspektiven-, meinungs- und wissenstausch, begrünung der gelben blätter und schaffung neuer triebe wenn man so will. der KIV durch informiertheit dienlich zu sein ist ist wirklich unabdinglich, der/die schlecht informierte veganerIn gibt erst die möglichkeit zur antithese.

    andererseits finde ich sollte man wenn man schon genau hinschaut und mängel vermeiden will gar nicht erst mit themen wie rauchen und richtiger vit b12 gebrauch anfangen, gesund und mangelfrei sein und zigaretten sind zwei absolut nicht verträgliche dinge.

    • Kabi Says:

      Zu deinem letzten Absatz: Naja, ich bin ganz dankbar dass mir der Hinweis auf eine abweichende Supplementierungspraxis gegeben wurde. Natürlich sind Rauchen und Gesundheit (und Rauchen und Veganismus) schwer bis nicht vereinbare Dinge. Das hinzuzusagen schadet nie, auch wenn es den meisten, zumindest in Bezug auf Gesundheit, klar sein dürfte. Es dürfte auch klar sein, dass Rauchentwöhnung an erster Stelle stehen sollte und jede anderweitige gesundheitliche Bemühung von Rauchern ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Aber es ganz tabumäßig wegzulassen, naja, ich empfinde das als realitätsfern und es bringt keinen Raucher zum Nichtrauchen, denk ich.

      • newsmagazin Says:

        da hast du natürlich recht…ich hatte nur das gefühl, dass die die diskussion von wegen cyanid-bindung usw. (eigentlich anderes topic, sorry) eine unbewusste legitimation zum rauchen darstellt, so quasi genug b12 -> rauchen ist weniger schädlich.

        ich hab selber von 13-25 geraucht und kenne die ausreden für sich. bei mir kam das nichtrauchen mit dem vegan sein, deswegen assoziiere ich diese zwei dinge stark. mein gedankengang damals war: ich verweigere mich einer tierausbeutenden industrie und gebe mich mit freude einer menschenausbeutenden hin…nicht gerade sinnvoll.

        ich wollte eigentlich damit sagen: vitamin b12 mag für vegane raucher wichtig sein, wichtiger wäre nicht zu rauchen. ich hoffe ich habe niemand ans bein gepinkelt ;-)

      • Kabi Says:

        @Ava:
        sorry fürs viele OT, verschieb es wenn’s hier stört, ne.

        @newsmagazin:
        Ja, verstehe auch dein Unbehagen dabei. Unbewusste Legitimation ist es für mich keinesfalls, für andere mag man da sicherheitshalber eben immer miterwähnen:
        – Rauchen an sich kann niemals gesund sein, jeder Versuch, es weniger schädlich zu machen ist ein Witz
        – man unterminiert mit dem Rauchen jedes sonstige Konzept gesunder Lebensweise
        – Rauchen ist mit umfassender veganer Ethik nicht in Einklang zu bringen
        – Rauchentwöhnung sollte vor allen anderen Bemühungen um die eigene Gesundheit oberste Priorität haben
        Mh, ach so rum kann man das natürtlich auch drehen, quasi B12 als „geringfügige Entgiftung“. Nunja dazu siehe oben. ; )

        Also ich fühl mich nicht ans Bein gepinkelt ; ) ich seh das alles. Ich werde jetzt auch keinen Rechtfertigungsversuch starten, warum ich noch nicht aufgehört habe, letztendlich gibt es keine Rechtfertigung und auf die „günstigeren Zeitpunkte“ kann man auch lang warten. Bin aber optimistisch, dass ich den Absprung irgendwann schaffe, der Veganismus spielt dabei gedanklich bei mir auch eine Rolle.
        Leider gibt es ja zumindest Marken, die ohne (potentiell unvegane) Zusatzstoffe kommen und für die keine Tierversuche gemacht werden. Das ist sowas wie mein „Biofleisch“. : /

    • Ava Odoemena Says:

      Ich hab mir mal erlaubt das Zitat in blockquote zu setzen.

      aber genau das soll ja auch der sinn von eimem blog wie zb veganes auge sein oder? aufklärung der unwissenden, die in meinem fall gedeit und voranschreitet. perspektiven-, meinungs- und wissenstausch, begrünung der gelben blätter und schaffung neuer triebe wenn man so will. der KIV durch informiertheit dienlich zu sein ist ist wirklich unabdinglich, der/die schlecht informierte veganerIn gibt erst die möglichkeit zur antithese.

      Ja, das stimmt schon, aber sobald die Informationszweige zwei drei Stufen vom belastbaren Konsens weg sind (wie im Falle B12 und Veganes Auge), haben wir hier keine Kontrolle mehr über den Informationsfluss. Es kann also zu „spontanen Kopierfehlern kommen“. Um die KVI zum Blühen zu bringen, darf es eben nicht nur Autoritäten geben, sondern auch die Weiterträger müssen ihre Haltungen und Meinungen immer wieder kritisch hinterfragen. Eine gute KVI muss von der Kompetenz des Einzelnen profitieren und daher sehr dezentralisiert ablaufen, IMO, was nicht zu bedeuten hat, dass die Organisation immer anarchistisch sein muss. Linux ist da ein sehr gutes Beispiel, und ich rede jetzt vom Kernel, nicht von den verschiedenen Distributionen. Die machen das auch sehr hierarchisch, aber im Unterschied zum Veganismus sind die Beteiligten quasi geil darauf, ihre Kompetenz einzubringen. Im Veganismus müssen wir die Kompetenz erst schaffen, teilweise sogar verteidigen….

      Der Linux Kernel wurde, wenn man die Arbeitszeit zusammenrechnet, auf einen Wert von über einer Milliarde Euro geschätzt. Das ist eben die KI, die gesammelte Kompetenz symbolhaft als monetärer Wert ausgelobt.

  2. Ava Odoemena Says:

    Also mein Strauch hat mir so gut gefallen, dass ich gleich mal eine 3D-Version angefertigt habe:-)

    Busch cc-by-3:ava_odoemena

  3. Paul Says:

    Hallo Ava !

    hab bei Dir kein Kontaktformular gefunden. Deshalb schreibe ich hier. Denke es passt ganz gut.

    Wir haben in Mannheim ne Antispegruppe gergründet und unsere erste Tat wird eine Veranstaltung unter dem Motto Vegancafe sein. jaja ich weiss, Eisenmangel und so.

    Magst Du nen Artikel dazu veröffentlichen? Hier lesen viele aus dem Süden mit glaube ich. Es wird ein dickes fettiges Kuchenbuffet geben. Alles gegen freiwilligen Solibeitrag!

    Wenn wir was einnehmen investieren wir in unseren Infostand. Ein Verein ist auch geplant – damit wir auch Sraßenvokü machen können. :-)

    : )

  4. Paul Says:

    ein nettes Plakat könnte ich Dir auch schicken. Mit Pickeldi und Frederick.

    • Ava Odoemena Says:

      Hallo Paul, sorry für die verspätete Reaktion. Kontakformular gibt es tatsächlich nicht, nur Epost-Adresse im Impressum. Ein Artikel von mir würde wenig Sinn machen, denn ich kenne ja gar nix von der Aktion/Gruppe.

      Schickt mir halt einen Text in HTML und dann stell ich das ein.

  5. Zardoz Says:

    Wissen = Intelligenz? Sehr ungewöhnliche Interpretation.

    Und ein Konsens soll die Richtigkeit von Wissen belegen? Konsens ist ja wohl allenfalls ein Indiz und zu beachten wäre ja wohl auch, wieviele an der Konsensfindung teilnehmen. Insoweit hätte Veganismus schlechte Karten, da er nur von einer Minderheit vertreten wird. Ausgehend von dem Postulat, dass „Konsens“ über Informationen deren Richtigkeit aussagt, müßte der weitgehende Konsens der Weltbevölkerung, eher nicht vegan zu leben, für die Richtigkeit einer omnivoren Lebensweise sprechen.

    Die „Konsenstheorie“ scheint ein böses Eigentor für den Veganismus zu sein ….

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