Knotenpunkte der Ungerechtigkeit

Wer zu viel gute Laune hat, soll einfach mal die Kommentare im Netz lesen, vor allem die in den Online-Portalen der Papiermedien. Nicht weil es andwerswo (Foren oder Blogs) weniger schlimm ist – im Gegenteil – aber von den klassischen Medien erwartet man doch ein anderes Publikum als in Foren die von Leuten um die 20 bevölkert werden. Man kommt schnell zum Ergebnis, dass die Deutschen einfach ein unfassbar dummes und widerwärtiges Volk sein müssen; von Neid, Angst und Missgunst zerfressen, das Netz hauptsächlich dafür benutzend um die überbordende, infantile Boshaftigkeit hinein zu kippen. Das Netz als Kotztüte moralischer Zombies, als Beichtstube der inneren Häßlichkeit und Unwerte.

Wer Kommentare darüber hinaus in anderen Sprachen liest, muss diese Erkenntnis auch auf andere Länder ausdehnen, was keine Entlastung für Deutschland darstellt. Im Gegenteil, denn mit jedem Menschen der sein fragiles Selbstbild nur noch über die Abwertung von jemand Anders aufrecht erhalten kann, mit jedem der – letztendlich – seine Pfründe auf eine Art sichern möchte als könnte er sie mitnehmen, potenziert sich sich das Problem.

Doch ist dieser Durchschnitt wirklich nur ein Haufen Opfer des eigenen, moralischen Vakuums? Wo kommt er her, dieser Ungeist? Ist es soziale „Ventil-Evolution“ gesellschaftlicher Verhältnisse, oder profitiert gar jemand von ihm und schafft demnach vorsätzlich die Rahmenbedingungen als Gatter? Hohle Ichlinge als Treibstoff für eine schreckliche Maschine? Gesamtgesellschaftliche Negativität als Grundlage für ein Geschäftsmodell?

Schlimmer noch, diese Antikultur der Widerwärtigkeit wird von Allen hingenommen, niemand (Wichtiges) protestiert dagegen, niemand sieht es als Symptom von etwas das nicht stimmt irgendwo. Wenn alle an der Pest erkrankt sind, dann ist es keine Seuche mehr? Einige Medien leben sogar davon. Oder ist das Gassigehen mit den inneren Monstern vielleicht sogar besser als das Heucheln der vermeintlichen Feingeister, deren „Tötungsversuche“ klinischer, steriler, raffinierter und rational daher kommen?

Verbände und Organisationen, die Schaltzentralen unseres Kastenwesens, liefern nämlich oft die Schablonen mit denen dann, so bewaffnet, die Ichlinge auf die Jagd gehen. Eigentlich ist es ja eher eine Flucht als eine Jagd, denn nach Oben ackern und nach Unten treten bedeutet noch lange nicht, dass man Beute macht.

cc-by-sa-nc:lars_hammar

Dem vor allem mit Nichts sehr beschäftigten Ichling reicht alleine schon die Vorstellung von Zuckerbrot oder Peitsche, der Antrieb wurde also virtualisiert. Renn, Ichling, renn! Und wenn dich der Schlag trifft, dann steht der nächste Ichling ja schon an.

Beispiele für solche Brunnenvergiftungen von Oben, so eine klinische Aktion aus den Sphären der „Verbandsrepublik“ Deutschland, sind die verteilt lancierten Kampagnen gegen vegane Ernährung, wie man sie massig findet unter „Antiveganismus melden“. Die DGE, der Knotenpunkt der Ungerechtigkeit der uns Veganer am häufigsten betrifft ist da nur ein Rädchen im Werk. Der rote Faden (in Blut getränkt, SCNR) zieht sich von den Profiteuren der Todesfabriken durch die Universitäten der Ernährungsphysiologie, die Professoren und deren „Produkte“, die dann als Experten agierend willige Medien nutzen. Und ganz unten dann, als letztes Glied in der Kette der Widerwärtigkeiten dann der „gemeine Ichling“.

Der Umgang von Nichtveganern mit dem Veganismus, also der Umgang mit den Konsequenzen der eigenen Willkürsmoral, eignet sich gut als Anschauungsbeispiel wie es überall funktioniert wenn es um Macht und Herrschaft geht. Die Ingenieurskunst des konstruierten Asozialen ist hier noch am wenigsten verdeckt.

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Ava Odoemena
(n. verantw. f. Werbeeinblendungen)

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5 Antworten to “Knotenpunkte der Ungerechtigkeit”

  1. Anonymous2 Says:

    „niemand (Wichtiges)“

    ähm. Wichtig für wen denn? für die „Masse“?

    Da passt das Zitat von Einstein „Es ist leichter ein Atom zu zertrümmern als ein Vorurteil“
    Ich meine mit Vorurteil, dass Fleisch essentiell wichtig ist für die Ernährung und dass man nicht hinterfragen muss was man konsumiert/tut.

    Wie kann jemand „wichtig“ (für die Masse) sein, wenn er nicht „Massenkompatibel“ ist?

    Die Masse verändert sich aber im Laufe der Zeit. Es wird nur nicht von heute auf morgen geschehen.

    • Ava Odoemena Says:

      Die Masse verändert sich, ja, aber nicht von alleine. Und sie kann sich auch ganz fix in die falsche Richtung verändern. Auch die Trägheit der Masse an sich darf man als Gefahr nicht unterschätzen.

      Wichtig für die Masse, sicherlich. Aber wer wichtig für die Masse ist, ist nicht unbedingt der Masse Wichtigster. Von Frau Spears können wir nicht erwarten, dass sie sich gegen die um sich greifende Boshaftigkeit Position bringt.

  2. Sheogorad Says:

    Der Antiveganismus in der Form der diskeditierung der veganen Ernährung resultiert zum einen aus dem Fremden, Unbekannten, das im (vermeindlichen) Widerspruch zur eigenen Weltanschauung/-wahrnehmung steht und zum anderen bedroht die Konfrontation mit dem Veganismus die Grundlage der eigenen Existenz als moralische Identiät, also dem Glauben moralisch zu handeln und „ein guter Mensch“ zu sein.
    Der als „Krone der Schöpfung“ oder „komplexestes Lebewesen“ hochgelobe Mensch ist ziemlich einfach gestrickt wenn er sich seiner eigenen Vernunft nicht bedient und nicht den Mut hat seine eigenständig erdachten Schlüsse konsequent zu verfolgen und zu verwirklichen.
    So kommt es wohl, dass der Mensch der sich nur oberflächlich mit etwas beschäftigt Dinge produziert wie sie der Artikel beschreibt, wobei der Vernunft verwendende Mensch auch bei oberflächlicher Betrachtung andere Verhaltensmuster an den Tag legt, da er sich selbst und anderer bewusster ist.
    Ich ziehe es zudem in Betracht, dass die Anonymität des Internets (dass man dem Gegenüber nicht real begegnet) die Hemmschwelle für ein ehr antisoziales Verhalten deutlich senkt. Das Innere des Menschen tritt an das Tageslicht und ist in vielen Fällen nicht schön anzusehen.

  3. moglee Says:

    Es verhält sich nicht nur in Webforen so, dass diejenigen angegriffen werden, die etabliertes Gewalt- und Zerstörungsverhalten der Masse in ihrem eigenen Tun verweigern und dieses Verhalten öffentlich kritisieren.

    Egal ob es gegen Krieg, gegen Prostitution, gegen Sklaverei, gegen Indoktrination von Sekten, gegen die Zerstörung der Erde, gegen hirnloses Vermehren der Menschheit, oder gegen dreckigen Strom geht, wer auf der anderen Seite steht wird als realitätsfremd beschimpft und getreten. In Diktaturen werden solche unangenehmen Leute kurzerhand um die Ecke gebracht. Das war in der Vergangenheit nicht anders, wahrscheinlich ist dieses opportunistische und selbstzerstörerische Verhalten wichtig, kurzfristig zu überleben. Angepasst unter Kopfnickern lebt es sich besser, was nach den „Ichlingen“ kommt, ist ihnen egal.

    Der allgemeine Tenor geht so: >> Wir, Du und ich, können sowieso nichts ändern – schuld sind immer die Anderen – sei kein Feigling, lass mich hinter den Baum. <<

  4. Kabi Says:

    Kann nur sagen, der Artikel spricht mir ziemlich aus der Seele.

    (Und deine Ausdruckskraft ist eh mal wieder Gold wert. „Das Netz als Kotztüte moralischer Zombies“ – merken. : ))

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