Veganismus und Entformierung

Allerorten wird betont, dass Veganer sich informieren sollen. Über Ernährung, Tierrechte, Argumente, Umgang mit speziesistischen Fanatikern usw. Ich bin zur Einsicht gelangt, dass damit ein unnötiger Druck erzeugt wird, bei dem der Kontrolleur („Informationshabende“) den Idioten (Neuling ergo der „Untergebene“) durchs Dorf treibt und letzterer fast wie bei einem Rechnerspiel erst eine Ebene erreichen muss, bevor er „würdig“ wird. Dem Empfänger solcher Ratschläge wird also ein Vakuum suggeriert, wie im Werbefernsehen, welches er eifrig und gehorsam zu befüllen hat um „ganz“ zu sein. Ich will mich davon nicht ausschließen, ich hab mich mehr als einmal der Methode des Frontalunterrichts schuldig gemacht.

Dabei ist die Wirklichkeit aber doch eigentlich genau seitenverkehrt: Die Leute sind zu voll mit Informationen, meist schlechten, so dass gute Informationen da kaum noch den Zugang zum Lernprozess finden. Wie soll unter dem Infoschuttberg die erstickte Neugier wieder Luft bekommen? Die Neugier ist doch der Schlüssel zum lernen!

Viel wichtiger als sich zu informieren ist daher sich zu entformieren, indem man das, was man meint zu wissen unter Generalverdacht stellt.

Vielleicht ist das auch eine gute rhetorische Strategie für den positiven Umgang mit Neulingen, anstatt versuchen die richtigen Informationen reinzuwürgen (die Leute sind oft so voll mit Informationen, dass sie sich auch mal gegen gute Informationen wehren), herzugehen und die bestehenden Informationen von ihrem Festzustand zunächst wieder in einen Quantenzustand zu versetzen, sozusagen.

Zum Beispiel bei der veganen Ernährung ist das so, dass Neulinge quasi gleich zwei Klassen überspringen müssen. Nicht nur wird zum ersten mal die Ernährung unter ethischen Gesichtspunkten neu eingerichtet, sondern darüber hinaus wissen die wenigsten Menschen die zum Veganismus vorstoßen, wie man sich überhaupt gesund ernährt. Und schmecken solls auch noch. Lecker, ethisch und gesund, das sind ja gleich drei Sachen auf einmal, das geht nun wirklich nicht:-)

Mal so als Zwischengedanke. Ich bin noch da:-)

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Ava Ọdọemena
(n. verantw. f. Werbeeinblendungen)

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9 Antworten to “Veganismus und Entformierung”

  1. Michael Says:

    Darin, in der (widersprüchlichen und auch wachsenden) Informationsmasse, sehe ich (auch) das größte Problem und denke das wird zukünftig auch immer schlimmer werden, inklusive FUD bzw. unterschwellige beabsichtigte Fehlinformationen mit dem Ziel den Status Quo beizubehalten. Gerade bei der heutigen pseudoinformierten mit halbwissen geballten Gesellschaft. Aber vll. kommt mir das auch nur so vor.
    Evtl. wäre Informationsevisionierung, oder so, passender, obwohl sich „Entformierung“ einfach toller anhört. ;-)

  2. Paul Says:

    Ava wird doch noch Konstruktivistin. :-)

    sehr brauchbare Gedanken, Danke.

    Eine Vorgehensweise bei Neulingen wäre einfach nicht zu viel über Veganismus zu quatschen. Ein gut plazierter Rat zu B12 und co und gut is. Nur so als Beispiel. Oder mit Leuten kochen und nett abhängen ;) (wird ja auch viel gemacht).

    Ein gutes Buch, egal über was, ist dem Rechner oft vorzuziehen. Alle sind doch abgefüllt mit Infotainmentmüll und allem möglichen Kram, nicht nur VeganerInnen.

  3. Hans_49 Says:

    Neulinge stossen, so vermute ich, meistens nicht einfach so zum Veganismus. Eingestiegen wird oftmals über den Vegetarismus, wie bei mir auch. Vorkenntnisse über die vegane Ernährungsweise sind da bereits vorhanden. Und da es meines Erachtens nicht die Unbedarftesten sind, welche diese Lebens- und Ernährunsweise annehmen, darf davon ausgegangen werden, dass sie sich schon vorher Gedanken über diesen ganzen Komplex gemacht haben. Für diesen Teil der Neuveganer ist die Informationbeschaffung nicht schwierig. Die Info-Spreu ist da schnell einmal vom Weizen getrennt. Das Problem sehe ich vielmehr darin, die andere Seite mit gezielter und objektiver Information für die vegane Lebensweise zu überzeugen. Ich selber habe die Erfahrung gemacht, dass sich die meisten Omnivoren gegenüber dem Veganismus total verschliessen. Hier hat die Fleischmafia bereits ihr Werk getan. Nichtdestotrotz gilt es gegenüber dem Antiveganismus und dem Speziesismus keine Toleranz zu zeigen. Und daher bitte ich dich, liebe Ava, diesen Blog in deiner gewohnten Vehemenz und deinem Engagement weiterzuführen.

  4. Plutarco Says:

    Nun ja, was ist Information? Wir Veganer sind ja diejenigen, die die Uniformität und die allegemeine Gedankenlosigkeit, informiert oder nicht, verlassen und in eine andere parallele Welt ziehen. Information gibt es überall zuhauf. Nun, was für welche. Welche Informationen sind denn heutzutage in der Lage, etwas zu verändern und vor allem: einem selbst zu verändern? Und welche Information ist auch mächtig genug, das Widerstandsfähigste, die fleischgewordene Gewohnheiten – im Geist und im Körper – in Bewegung zu setzen? In der allgemeinen Flut sind alle Informationen gleichwertig, das Banalste auf die selbe Ebene wie das Erhabenste. Keine bloße Information alleoin wird je etwas hier bewegen können.
    Veganer sind plötzlich woanders und brauchen, um nicht zusammenzubrechen, Zusammenhalt und gedankliche Unterstützung, eben Information, argumentative Waffen, um gegen die Unvernuft und die Gedankenlosigkeit widerstehen zu können. Insofern ist vielleicht nicht Information, was man braucht, sondern Werkzeuge, gedankliche Werkzeuge, die dabei helfen, dass die eigene symbolische Welt nicht unter der Last des Normalismus zusammen bricht.
    Information hilft vielleicht nicht gerade, um Vegan zu werden. Die eigene Einstellung wird nicht durch Information geändert. Das weiß jeder, der mit leidenschaftlichen Fleischfressen diskutiert. Warum? Weil Fleischfresser nicht Fleisch fressen, weil sie durch Information dazu gekommen sind, insofern kann man sie auch nciht durch Information abbringen. Sie fressen Fleisch eher weil sie dort immer schon waren, dort hineingeboren sind, in der allgemeinen Gedankenlosigkeit.
    Und trotzdem ist es wichtig, Informationen bereitzuhalten und aufzubereiten.
    Noch wichtiger ist aber das Vorleben. Das macht eine Menge aus. Ich bin sicher, im Laufe der vielen Jahren habe ich mehr Menschen durchs Vorleben als durchs Argumentieren zum Veganismus gewonnen. Vorleben, und nur dann diskutieren, wenn die Gegenpart eine gewisse intellektuielle Redlichkjeit und Neugierde mit sich bringt. Es sind immer mehr diejenigen, die eine gesündere Einstellung bringen, und bei denen das Vorleben und das Diskutieren etwas bringen kann.

    • primal Says:

      „Und welche Information ist auch mächtig genug, das Widerstandsfähigste, die fleischgewordene Gewohnheiten – im Geist und im Körper – in Bewegung zu setzen?“

      Ich mache mir darüber nicht so viele Gedanken.Das Problem der Fleischfresserei wird sich über die Wasserknappheit quasi von selbst lösen.

      Wer will schon Freiwillig Tiere,oder T-Shirts,mit irrsinnig viel Wasser Versorgen wenn er selbst am Verdursten ist.

      Notwendigkeiten haben die grösste Macht.Genau die Notwendigkeiten die sich der Mensch durch seine wie auch immer ausgestaltete Gier Tragikomischer Art in einer sich selbst Erfüllender Prophezeihung zugemutet hat.

      Das es seit vielen Jahren,etwa in Berlin,Praktisch nicht mehr Regnet wie ich es in meiner Kindheit Erlebt habe,sind die ersten Vorboten der Weltweiten Wasserknappheit die sogar die Einfältigste Fleischwurst Beobachten kann.

      Allerdings…ist immer noch viel zuviel Wasser in den Flüssen.Mist…Die Fleischwürste haben aber auch ein Glück wieder mal ^^

      Was haben wir hier für ein Glück so Schreiben zu dürfen.Der pure Luxus den viele andere Völker Glücklicherweise nicht haben.Dank und Respekt den Industriell Intellektualisierten Fleischwürsten das sie in Weiser Voraus und Nachsicht ihren Fleischkonsum zur Bewussten Verminderung anderer Völker sogar Bewusst in Aufopfernder Lebensfreude,den Hungernden als gutes Argument gegen die Überbevölkerung engegenhalten,oder so.

      „Deutschmeister“ eben…

  5. Plutarco Says:

    Ach ja, und schön, wieder etwas von dir zu lesen. Danke dir Ava.

  6. Hans_49 Says:

    Wer nimmt ihr das jetzt noch ab. Wieder so ein PR-Schachzug? Wusste bislang auch nicht, dass sie Muslimin ist.

    http://www.faz.net/s/Rub0D783DBE76F14A5FA4D02D23792623D9/Doc~EAA3FBE383FB1468D913AB2B403D4F5B6~ATpl~Ecommon~SMed.html

  7. primal Says:

    „…Die Leute sind zu voll mit Informationen, meist schlechten,…“

    Information beginnt nicht mit der Fähigkeit Lesen zu Lernen,sondern sehr viel früher als Fötus wenn die Nährstoffzufuhr durch Alkohol Tabak oder aussergewöhnlichen Stressoren,Behindert wird.Diese Behinderung des Natürlichen Wachstumsprozesses,ist dann eben die neue Information die den Natürlichen Körper aufgezwungen wird.

    Frag mal den Fötus ob er sich dagegen per „Freiem Willen“ zur Wehr setzen kann.Der „Freie Wille“ ist somit ein Konstrukt der von Körperfeundlichen Dogmatikern Erfunden wurde,um sich nicht selbst mit ihren Unzulänglichekeiten (also Schmerhafte Umstände und Erziehung) auseinandersetzen zu müssen.

    Diese neue Dynamik führt dann zu einem neuen (Bewusstlosen) Weltbild das natürlicherweise den anderen „Unwissenden“ übergestülpt werden muss.

    Es spielt keine Rolle für den Organismus welcher Art Lernprozess durch welche Bedingung („Gute“ Information,Versus „Schlechte“ Information) er ausgesetzt ist.Wichtig ist allein das Überleben unter widrigen Umständen die als solche nicht erkannt (oder Vergessen) werden.

    So ist dann jeder,ob gut oder schlecht Informiert,von Anfang an ein Opfer der Umstände die ihn Dauerhaft Prägen falls er sich nicht für eine Entprägung und somit Neuorientierung Entscheidet.

    Die meisten Menschen sind aber Gefangen in dem Glauben das es keine Möglichkeit gibt sozusagen aus der Matrix herauszukommen.

    Veganismus mag eine Anfängliche Möglichkeit sein sich zu Befreien,macht aber eine Prägung nicht Ungeschehen.Keine Ernährung der Welt ist zur Entprägung in der Lage.Das kann ausschliesslich durch ein Wiedererleben des Traumas bewirkt werden.

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