EHEC-Pest: Salat macht Frauen tot

Es ist schon seltsam, wie in den deutschen Medien die EHEC-Erreger aus der Scheisse der Antibiotika-gedopten Tiersklaven in den Salat und das Gemüse kriechen und dann vor allem Frauen befallen. Also genau die Bevölkerungsgruppe, die der vegetarischen oder richtig vegetarischen Ernährung (also veganen) besonders aufgeschlossen ist. Manchmal frage ich mich, wieviel Fleischmilchei-Umsatz eigentlich generiert wird, weil Frauen nicht für sich selbst, sondern für andere kochen – nämlich ihre Männer und Kinder. Aber das ist ein anderes Thema.


fraktale Impression von EHEC

fraktale Impression von EHEC CC: Ava Odoémena by-nc-nd/3.0/de/

Zwar wird in den Artikeln immer auch der wahre Ursprung erwähnt – also Tierscheisse, komplett serviert mit Erklärungsmustern dass da Gülle aufs Feld kommt, und dann kriechen eben die fiesen Dinger in den Salat, ja so, genau so! Aber auffallend ist die gehäufte Erwähnung von Obst und Gemüse als Infektionsursprung am Beginn der Meldungen. Die Artikel widersprechen sich damit selbst. Wenn Gülle aufs Feld kommt, wie kann dann ungewaschenes Gemüse und Salat der Ursprung sein? Der Ursprung ist dann die Gülle. Und wenn wir diese alberne, speziesistische Denkblockade übersteigen (sie ist nur ca. 5cm hoch), dann landen wir im konkreten Ursprung: Den Vernichtungsfabriken der Tierausbeuter. Dort passiert EHEC, SARS, Vogelgrippe, Schweinegrippe, BSE. Der verdichtete Körperraum ist das ideale Labor der neuen Seuchen.

EHEC-Ausbrüche mit Todesfolgen für Menschen kennt man vor allem aus den USA, allerdings war dort die Verbindung klar: Nicht gut durchgebratene Hamburger. Auch unser Ami kam zwar nicht weiter bis zur Bulette, man konnte aber zumindest wenn man noch nicht komplett verblendet war erahnen, dass die Körperspaltung in den Schlachtfabriken halt auch ab und zu etwas EHEC-infizierte Scheisse über alles spritzt wenn die Robotersäge durchs Gewebe schrammt. Die Lösung in Amiland: Immer gut durchbraten. Mhhm, lecker!

Nur in Deutschland irritiert die permanente Verknüpfung zwischen Gemüse, Salat und der EHEC-Pest. Es ergibt einfach keinen Sinn: Ein Erreger ist infektiöser, je „frischer“ er ist. Wieviel Zeit vergeht zwischen Kacke-Düngung und Ernte? Was muss ein Erreger an klimatischen Bedingungen auf dem Feld aushalten können? Wieviel Zeit vergeht auf der anderen Seite zwischen dem Melken oder Fetzung von Fleisch?

Mich erinnert das an die liebevoll gestalteten, medialen Erklärungsmuster aus der SARS-Zeit, damals war nicht der Handel mit verseuchtem Leichenmehl aus chinesischen „Keulungen“ infzierter Hühner“bestände“, und somit der wahnsinnige Masseneinsatz von Antibiotika als Brutstätte neuer Pestwellen verantwortlich. Nein, wie der schlaue kleine Zaunkönig aus der Geschichte des Vogelwettstreits wer höher fliegen kann, und wo der Zaunkönig dem Adler in die Federn kroch und letzendlich als letzer ganz hoch fliegen konnte, so haben sich auch die bösen SARS-Viren mit den Zugvögeln huckepack durch die Lande transportieren lassen. Neckisch! Die Zugvögel waren es. Ein klarer WinWin, denn nicht nur hat man den Leuten Sand in die Augen gestreut, plötzlich meldeten sich auch die „Jäger“ und wollten Zugvögel“bestände“ „kontrollieren“.

Leider, ja leider ist das gar keine Verschwörung. Das wäre schön wenn man für dieses groteske Ablenkungsmanöver kommerzielle Interessensgemeinschaften verantwortlich machen könnte, die über das Netz ihrer Lakaien-Medien ihre üblichen Propagandawellen auskippen. Nein, ich denke es ist viel schlimmer: Ich denke die Schreiberlinge agieren im vorauseildenden Gehorsam ihrer eigenen, speziesistischen Tendenzen. Der Schaden muss vom eigenen Fetisch abgewendet werden.

Die Artikel und Meldungen zur EHEC-Pest bleiben auch immer brav an der Oberfläche, so wie fast alles heutzutage. Tiefschürfende Gedanken nagen am Hirn, sozusagen. Dabei böte das Thema erschöpfenden Diskussionsstoff. Wenn schon die Kacke auf dem Feld verantwortlich sein soll, was wären denn die Alternativen? Für die meisten Menschen ist Scheisse auf dem Feld nicht etwa was sie ist: Eine ethische und ökologische Katastrophe auf mehreren Ebenen, sondern irgendwie natürlich. Landluft. Es ist ganz normal, wenn der öffentliche Raum nach Scheiße riecht. Wenn man sich mit Leuten unterhält, fällt auf dass Pflanzenwachstum von zwei Faktoren abhängt, da sind sich unisono alle sicher: Entweder „Chemie“, also _Kunst_dünger, oder Sklavenkacke. Dass der Zustand der Sklaven, bis zur Aberntung seiner Scheisse aber auch rein gar nichts mit Natur zu tun hat, da kommt er nicht an der gemeine Speziesist. Dementsprechend verblüfft sind die Gesichter wenn man von veganer Landwirtschaft spricht. Man sieht es direkt den Hals raufkrabbeln, den Protest, so nach dem Motto: „Vegane Landwirtschaft, wie soll dass denn gehen! Die Pflanzen brauchen doch Proteine!“ Man braucht aber Biomasse nicht durch Körper zu jagen um sie zu fermentieren und zu einem guten Dünger umzuwandeln. Die EHEC-Pest ist auf dem Feld? Wirklich? Na dann macht das Feld nicht zu Endlagern der Tierverwertung.

Es könnte so einfach sein…

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Ava Ọdọemena
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41 Antworten to “EHEC-Pest: Salat macht Frauen tot”

  1. Plutarch Says:

    Klasse, freut mich, wieder von dir zu lesen!
    Liebe vegane Grüße

  2. Hans Says:

    Wieder sehr gut und träf geschrieben, liebe Ava. Hab’s im Facebook gerade weiterverbreitet. Schön, dass du wieder da bist. Wir haben dich vermisst!
    Liebe vegane Grüsse aus der Schweiz

  3. Hygieia Says:

    Wem nützt es, wenn die Menschen nur noch Abgekochtes essen?

    • Ava Odoemena Says:

      Dagegen ist nichts einzuwenden. Schlimmer ist, dass die Anti-Gemüse-Propaganda, die hier im trojanischen Pferd der Vermeidungsempfehlung am Bewusstsein vorbei ins Bewusstsein injiziert wird dazu führt, dass Leute – vor allem Frauen – vermehrt Tierprodukte konsumieren.

      Die sind zwar nicht minder belastet mit Antibiotika-Zuchtbakterien wie EHEC, werden aber seltener roh verzehrt und stellen daher zumindest für Menschen ein geringeres Risiko dar. Die, die die tierlichen Produkte „liefern“ kommen sowieso immer flach raus…

      Für Rohis ist die EHEC-Seuche natürlich ein philosophisches Problem, klar.

  4. publicminx Says:

    Ihr wisst ja schon, dass der Umstand, dass der Mensch anfing das Essen mit Feuer zuzubereiten/zu erhitzen mitverantwortlich dafuer sein soll, dass sich bestimmte Teile seines Gehirn vergroesserten und er ueberhaupt intelligenter wurde? Das ging mit Fleischkonsum einher.

    Und wenn man sich diese ideologischen Pseudo-Analysen und Verschwoerungstheorien von Vegetarieren reinzieht, wird der Zusammenhang noch deutlicher ;)

    • Ava Odoemena Says:

      Eben das, dass die erhöhte Kalorienaufnahme durch Kochen mutmaßlich mit dem evolutionären Wachstum des Gehirns in Verbindung gebracht wird, war der Tod der Fleischthese.

      Aber das Argument ist so oder so unsäglich dumm: Es ist vollkommen irrelevant was der vorsteinzeitliche Mensch tat, der hat schließlich auch Kannibalismus betrieben und dafür fährst du heutzutage in den Knast ein. Es zeigt nur, in welcher Zeit dein Argumentationsvermögen stecken geblieben ist.

  5. publicminx Says:

    Es gibt in der echten Natur keine „vegane Landwirtschaft“, das ist ein religioeses Kunstprodukt. In der echten Natur wird staendig von allen Tieren gekackt und damit auch automatisch je nach Kot mehr oder weniger geduengt, je nach Tieren (mal Herdenweise, mal eher verstreut durch unterschiedliche einzelne) unterschiedlich gestreut.

    Faustformel: die echte Natur hat REIN GAR NICHTS mit Oeko-Vorstellungen zu tun. So wenig wie echte Indianer etwas mit „Natur“ und „Frieden“ zu tun haben. Die meisten sind klerikalfaschistische Minidiktaturen, die Frauen unterdruecken, teilweise noch rituellen Kindesmord haben. Von Speiss und Trank und der Art der ungesunden Zubereitung erst gar nicht zu sprechen.

    Es gibt schon Gruende, warum angebliche „Naturvoelker“ kuerzer, nicht laenger leben als zivilisiertere Kulturen.

    Die blosse Unfaehigkeit sich weiterzuentwickeln macht noch lange keine guten Menschen! ;)

    ps: achja, noch kleiner Hint… es ist bei EHEC nicht genug, einfach nur Gemuese oder Salat zu waschen. Davon gehen diese Bakterien nicht weg.

    • Ava Odoemena Says:

      Auch hier liegst du amüsant falsch. Der Mensch ist Teil der echten Natur, und somit sind menschliche Konstrukte es auch. (Nämlich der menschlichen Natur.) Was das mit dem Thema überhaupt zu tun haben soll erschließt sich mir nur in so fern, dass du Veganismus mit reaktionären Phantasien überziehst und entsprechend verunglimpfen zu versuchst.

      Die Umsetzung von Biomasse durch Kleinstlebewesen im menschenfreien Raum in ihre mineralischen Bestandteile ist sicherlich kein Maßstab für die Ernährungsfrage des Menschen.

      Vegane Landwirtschaft ist für eine Bevölkerung an der 10-Milliarden-Grenze keine Religion, sondern eine physikalische Notwendigkeit. Mineralischer Dünger wird durch enormen Einsatz von fossilen Brennstoffen gewonnen, sicherlich hast auch du schon mal von Peak-Oil gehört. Das Öl geht zu Neige. Und auch die Düngung mit Sklavenscheisse ist, wie unter anderem die EHEC-Pest gerade wieder mal deutlich unter Beweis stellt, keine Option.

      Von der Zerstörung des Bodens durch die Bekackung, Grundwasserverseuchung, Ausstoß klimaschädlicher Gase wie Methan und so weiter und so fort will ich gar nicht erst anfangen.

      Bevor du deine Leserschaft also an deiner Psychologie teilhaben läßt, wäre es angebracht dass du dich mit den Fakten vertraut machst und zumindest versuchst einfache Zusammenhänge zu erfassen.

  6. Ava Odoemena Says:

    Spiegel Online hat den ersten erträglichen Artikel zum Thema der mir unter die Nase gekommen ist, mit mutigem Foto dazu:-) Und die Erklärung, dass eventuell Futtermittelfelder kackeberegnet wurden, und die Gemüsefelder nebendran was abbekommen haben ist plausibel.

    • Ava Odoémena Says:

      Oha da war der Zensor aber rasch wieder vom Currywurststand zurück: Das Foto einer urinierenden Kuh wurde ausgetauscht gegen ein Mikroskopfoto von Bakterien. Buuuh! Vielleicht wurde auch inhaltlich dran gedreht, hab leider kein Monitorfoto vom Originalartikel.

  7. Lilian Says:

    Genial geschrieben und gute Argumentation in den Kommentaren =)

  8. Marco Says:

    Einmal mehr sind die Männer schuld und die Frauen die Opfer, wie könnte es auch anders sein? Inwiefern ist aber die Eigenschaft „der vegetarischen Ernährung“ (also dem Morden und der Ausbeutungsindustrie) aufgeschlossen zu sein hier relevant?

    • Ava Odoémena Says:

      Marco, ich denke dass du etwas reflexhaft deine Erwartungshaltung bezüglich der feministischen Bedrohung mit reininterpretierst:-))

      Nicht der Mann ist schuld, sondern mir war aufgefallen, dass in der Presse etwas unterschwellig lustvoll kolportiert wurde, dass von der EHEC-Pest gerade sich gesund (also Grünzeug) ernährende Frauen betroffen sind.

      Oder meinst du den Umstand, dass Frauen für Männer anders kochen als für sich selbst?

      Wusstest du das nicht? Weisst du was für eine Fresse nichtvegane Männer ziehen, wenn die Frau vorschlägt gesund oder gar fleischfrei zu kochen?

      Ja, ich stehe dazu. Ich denke bei Männern ist das sexualpsychologische Bedürfnis, Fleisch zu kontrollieren, viel tiefer verankert als bei Frauen. Ich sage bewusst kontrollieren und nicht essen, denn meines Erachtens gehts da um Dominanz und Unterwerfung. Ich sage ja nicht, dass auf dem Gartenfest die Frauen den gegrillten Batzen dann verschmähen, den der Jäger da an der Kühltheke erbeutet hat.

      Aber trotzdem kochen Frauen oft nicht nach eigenem Geschmack, da ihnen die Wertschätzung durch andere (nämlich ihrer Kindern und Männer) wichtiger ist als eigene Interessen durchzusetzen.

      Warum irritiert dich das, du lebst doch vegan, oder? Dann hast du doch also den Schritt schon gemacht, für den so viele Männer zu schwach sind.

      • Marco Says:

        Komisch, ich lebe in einer Gesellschaft, in der *sowohl* die meisten Männer als auch Frauen unvegan sind.

  9. achso Says:

    http://taz.de/1/zukunft/konsum/artikel/1/schuld-ist-wieder-der-fleischkonsum/

    kurzes und gutes interview. gut: klar, nicht drum rum geredet, prominent vertreten …

    • Marco Says:

      Mieses Interview. Woher weiß Silke Bott, dass die Erreger von Tieren stammen, die für „Fleischesser“ ausgebeutet wurden und nicht für „Vegetarier“, deren mörderisches Verhalten sie billigt?

      • Ava Odoémena Says:

        Huh?

        Ich sehe in diesem Interview keine Billigung von unveganem Vegetarismus. Nur das sie beim VEBU mitmacht, ist doch kein Beleg für sowas. Vielleicht macht sie ja gerade deshalb beim VEBU mit, um unvegan lebende Vegetarier zu motivieren, vegan zu werden?

        Allerdings hast du recht, dass sie nicht wissen kann, aus welchem Arsch diese EHEC-Variante zum erstenmal kroch. Vielleicht war es ja auch ein Legehennenarsch? Der VEBU ist immer noch sehr fleischfixiert. Der Geist der Methadon-Vegetarier, die glauben, nicht ohne Ei und Milch zu können wabert anscheinend immer noch durch die Hallen.

      • Marco Says:

        „Ich sehe in diesem Interview keine Billigung von unveganem Vegetarismus.“

        Ich sehe die erste schon bei der Antwort zu der zweiten Frage..

  10. parrafinaffinäffinaffe Says:

    Hm… Scheitern als Chance?… BESTENFALLS destilliert man, qua (wissenschaftlich/medialer) Durchleuchtung der ganzen heurigen ‚Sklavenscheiße‘-Methode, nun andere (vegane) Dünge-Konzepte aus der momentan (über)fordernden Situation heraus. Also: ‚Bio-vegane Landwirtschaft‘ als upcoming option für eine adäquate vegane Menschenernährung eines neuen Jahrtausends (et al). Wär doch zu hoffen.

    Also: provegane Infos streuen, einflechten, manifestieren… EHEC als Sprungbrett für das bisher in der Konsumkritik eher stiefmütter/väterlich behandelte Thema ‚Düngung‘ nutzen, und Alternativen boosten! Ich appeliere insgeheim an Wissenschaft und den öffentlichen Diskurs.

    btw: Schönes Resümee am Schluss, Ava! :-)

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