Eine Schifffahrt ist nicht immer lustig

Eigentlich will ich auf Veganes Auge persönliche, tagebuchartige Beiträge vermeiden, aber heute bin ich in Plauderstimmung und ab und zu kann man das harte, politische Tagesgeschäft auch mal ein wenig aufflocken denke ich. Ich war gestern nicht auf dem Wedgietag, sondern auf so einem Ausflugsschiff Richtung Müggelsee und zurück, ist ganz harmlos ein paar Stunden. Einmal sind wir nass geworden aber ansonsten hat das Wetter gut gehalten, bis auf den Wind. Sogar die Sonne schickte ein paar mal etwas Juni vom Himmel.

Untendrin zu hocken in dem Kahn ist nicht ohne, sehr beengend und fast schon ein wenig Flugzeuggefühl, man kommt halt nicht, oder nicht zeitig hinaus wenn was schiefläuft. Und da ich unten nicht darüber grübeln wollte, ob aufschlagen oder ersaufen wohl weniger unangenehm ist, habe ich mir nach dem ersten Schauer doch lieber gleich einen nassen Hintern geholt oben. Viele sind unten geblieben und dann war da sehr viel mehr Platz.

Man schippert bei der Tour die gute alte Spree zu Berge (O-Ton Kapitän gleich mit Erklärung hintendran, also gegen den Strom) Richtung Südosten, das Oberdeck war am Anfang bis auf den letzten Platz gefüllt und man kann und darf auch nicht herumlaufen sondern muss brav sitzen bleiben. Ich empfehle Black Metal von Jamendo als Ohrdeich gegen die Kleingespräche, vor denen man wegen Platzmangel und Sitzgebot nicht davonlaufen kann. Kamera hatte ich nicht dabei, leider, denn es gab wunderschöne Strommasten, ein Haus mit einer gezwirlten Treppe zum Garten (wasserseitig) und ein zerfallenes Industriegebiet zu sehen. Da muss ich unbedingt nochmal hin bevor sie das plattmachen. Berlin ist nämlich am vermünchnern.

Außerdem kamen wir an einer Firma vorbei mit tollen kleinen Windrädern auf dem Dach, mit einem allerdings bescheuerten Logo dass sich kaum entziffern lässt. RTW eventuell. Muss ich auch unbedingt nochmal hin, aber das nächste mal mit meinem Fahrrad. Ich habe hier noch einen alten Waschmaschinenmotor rumliegen, der schreit geradezu nach einem kleinen, vertikalen Balkonwindrad… Und wenn ich damit nur eine Autobatterie auflade und ein LED-Licht dranklemme.

Wir waren zu dritt, und irgendwann haben wir unseren Kaffee und Brötchen ausgepackt, da kam auch schon ein panischer (aber irgendwie süßer) Kellner angelaufen der Eigenverbrauch verboten rief. Ich hab dann erklärt wir sind Veganer und haben sowieso immer unser eigenes Essen dabei. Aber wenn er Sojamilch dahat, werde ich auch gerne bei ihm einen Kaffee bestellen. Hatte er nicht. Und dass ich extra Geld bezahlte um schwarzen Kaffee hinunter zu würgen (der mir nunmal nicht schmeckt) sah ich nicht ein. Ich habe ihm dann gesagt dass ich jetzt meinen Kaffee fertig trinken werde (er bestand ja ernsthaft darauf dass wir das zurück in die Thermosflasche gießen:-) und wenn der Cheffe was dagegen hat, soll er doch mal auf ein Schwätzchen vorbeikommen.

Auf dem Deck verstummte jedes der zuvor eifrig geführten U-Bahn-Gespräche. Cheffe kam aber nicht. Schade:-)

Ich verstehe zwar wenn ein gastronomischer Betrieb vermeiden will, dass sich Gäste selbst verpflegen, aber dann kann man das wesentlich eleganter lösen indem man irgendwo ein Schild aufhängt, dass Eigenverpflegung nicht erwünscht ist, oder indem man „Korkgeld“ verlangt. Korkgeld ist eine Gebühr für Eigenverzehr, man macht das in der gehobenen Gastronomie wenn man z. B. einen besonders edlen Wein hat, und den seinen Gästen bei einem Essen im Restaurant servieren möchte. Dann vereinbart man mit dem Restaurant eine Entschädigung für den entgangenen Weinumsatz, das Korkgeld eben für den selbst mitgebrachten Wein.

Ich hatte so eine Fahrt erst einmal gemacht in Amsterdam, und da gab es keine Verpflegung und schon gar keine vegane, was ich noch in Erinnerung hatte. Was ich hätte tun können, wäre vorab anzurufen ob Eigenverpflegung erlaubt oder unerwünscht ist, und ob ein „Korkgeld“ verhandelbar sei. Wäre das nicht möglich gewesen, oder das Korkgeld zu hoch, wäre ich nicht gefahren. Auf der anderen Seite bin ich als ohnehin zahlender Fahrgast nur bedingt bereit, mit Recherchearbeit in Vorleistung zu gehen.

Tödlich ist es aber, Gäste in aller Öffentlichkeit zu kompromittieren und von Verboten zu sprechen wie ein Ankläger. Er hätte ja sagen können, dass an Bord z. B. eine Selbstverpflegungsgebühr von 3 Euro pro Person berechnet wird wenn man nichts aus dem Hausangebot in Anspruch nehmen möchte. Das hätte ich ohne Augenbraue gezahlt.

Eigentlich war es doch sehr lustig. Denn die Schockwelle des Publikums angesichts des Ungehorsams wird meinen Humor noch tagelang ernähren.

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Ava Ọdọemena
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7 Antworten to “Eine Schifffahrt ist nicht immer lustig”

  1. Elisabeth Says:

    Schuster, bleib bei deinen Leisten.

  2. Mneme Says:

    Ich bin ja nebenbei Kellnerin und bei uns packen auch schonmal die Gäste ihre mitgebrachten Wurstbrote aus, das macht mich schon auch wahnsinnig und der Chef sieht es natürlich auch nicht gerne. Trotzdem würde ich für ethisch/religiös/gesundheitlich motivierte Beweggründe eine Ausnahme machen, falls unser Angebot dem nicht gerecht werden kann.

    Z.B. haben meine Kollegin und ich immer Soja- oder Hafermilch da, unsere omnivoren Chefs finden das Quatsch und deswegen sollen wir die verstecken. Wenn mich aber ein Gast danach fragt würde ich ihm „erlauben“ sich den Kaffe/die Milch woanders zu holen oder ich würde ihm etwas von meiner Milch anbieten.

    Schade, dass die meisten da nicht differenzieren können.

    • Ava Odoémena Says:

      Wobei das natürlich einen erheblichen Unterschied macht, ob es sich da um ein Gastronomiebetrieb als Hauptbetrieb handelt, oder ein Verkehrsmittel wo nebenbei Snacks und Getränke verkauft werden.

      In einem Biergarten würde ich nicht ungefragt mein Zeug auspacken, es sei denn das ist wie in München wo man sich sowieso sein eigenes Essen mitbringen darf wenn man Bier bestellt. Ich weiß jetzt gar nicht mehr ob das überall in München so ist.

  3. Kollektivist Says:

    Da Zivilisten keinen Gehorsam schulden, gibt es auch keinen „zivilen Ungehorsam“. Dies ist bloß eine euphemisierende eigens zu dem Zweck konstruierte Formulierung, um gesellschaftlich oder gar gesetzlich nicht gestattete Handlungen, seltener klar kriminelle Machenschaften (wie z.B. das mutwillige Zerstören von Gleis und Bahnanlage samt fahrlässigem und scherem Eingriff in den Schienenverkehr, euphemisiert „Schottern“) , mit dem aus moralischen Überzeugungen eidbrüchigen Soldaten zu vergleichen und Erstere zu relativieren.

    Dass sich nicht nur manche Querulanten auch noch soziopathisch(keine Sozialisierung) oder infantil(fehlerhafte Sozialisierung) darüber freuen wider dem Cui Bonum und dem gesellschaftlichem Kodex zu leben, ist weder neu noch bewundernswert. Pfuih!

    • Ava Odoémena Says:

      Ich finde deinen Google-Minen fehlt einfach etwas an Würze. Lass mich dir etwas unter die Arme greifen:

      Terrorismus, Verschwörung, NSU, RAF, Urheberrecht, Kinderpornographie, Musik saugen, WLAN, Verschwörung, Sicherheitsdienst, MAD, FBI, CIA, NSA, Tot, Verderben, Bombenbauen, Frühstücksfernsehen, Die Reaktion.

      • homogermanicus Says:

        Die einzige Reaktion von der ich etwas halte, ist die im Tokamak, daher waren ihre Gughel-Minen nun leider verschossenes Pulver wie beim Schützenfest der Stalin-Organisten.
        Bedauerlich ist nur, wenn sie nicht zur Skepsis neigen bei solchen wie Rossi. Kalte Fusion ist theoretisch möglich, aber praktisch gibt es auch gerade im Reich der Erfinder im gerne wieder Blender und Schummler.

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