Eckhard Fuhr: „Die Autobahnpolizei euthanasiert Geisterfahrer!1!!“

Halali, treue Mitveganer! Ich äste gerade ein Büschel Veganergras zu Mittag, als Zardoz hier einen Antiveganismus puitze.

In der „Welt“ geht Eckhard Fuhr mit schweren Bedenken dick, als Breitseite gegen Hilal Sezgin verpackt, kurz nachdem ich sie im Kommentar als eine wichtige Fürsprecherin der Tierrechte beschrieb, die die Bürgerlichen anspricht. Au weia.

Unabhängig davon, dass es sich hier wohl um einen zeitlichen Zufall handelt, möchte ich mir eine kurze Analyse zu Fuhrs Todesahnungen keinesfalls durch die Lappen gehen lassen.

Denn Tierrechte, so lost er, sollen zur Euthanasie führen. Fuhr spielt mit wenig bekannten Begrifflichkeiten wie Speziesismus und Tierethik, durch deren Abstraktheit das absurde für die meisten Leser verborgen bleibt. Im Prinzip sind Tierrechtler für Tierrechte, was Amnesty International für Menschenrechte ist.

Eckhard Fuhrs These ist also wie die Behauptung, Amnesty International sei verantwortlich für Diabetes.

Klingt bescheuert?

Aber Fuhr kreiert dann ein Argumentationsgerüst, um seine Behauptung, dass Amnesty International für Diabetes verantwortlich sei zu untermauern. Denn, so Fuhr, durch Menschenrechte käme Wohlstand und im Wohlstand könnten sich die Leute mehr Essen leisten und würden daher an Diabetes erkranken. Deshalb sei AI schuld am Diabetes…

Hätte er seine These so formuliert wie in dieser Metapher, wäre er ausgelacht worden. Aber da er einen Raum beschreibt den die Leser nicht gut kennen klingt alles erst mal provokant, aber halt nicht lächerlich. Fuhr rechnet mit der geringen Medienkompetenz seiner Leser und deren Konsumgewohnheiten – die sich die Schmutzarbeit der Veganerdiffamierung als gefährliche Extremisten natürlich auch gerne abnehmen lassen.

Warum aber würde Fuhr seine :::hüstel::: Kredibilität als Journalist riskieren für schwarze Propaganda gegen Tierrechte? Naja, ein Motiv könnte sein, also er ist passionierter Jäger. Jäger sind es gewohnt schwarze Propaganda zu betreiben um besser dazustehen. Woher ich weiß dass er ein glühender Vertreter des Dominanzfetisch Jagd ist? Er hat tatsächlich ein Rechtfertigungsbuch darüber geschrieben: „Jagdlust – Warum es schön, gut und vernünftig ist, auf die Jagd zu gehen“. Er ist quasi ein jägerlicher Chefideologe :-)

Und jetzt ist halt das „Stück“ Sezgin aus der Herde der Jagdbedroher auf der Abschussliste.

Fuhr ist aber nicht irgendein Jäger, nein, er ist um das Wohl der Tiere besorgt, so seine Eigensicht zu sich selbst; auch wenn er sie zum Essen benutzt und um sie abzuknallen, äh, um Verbißschäden von den Wäldern fern zu halten, selbstverständlich.

Noch mehr allerdings sorgt er sich um sein eigenes Wohl, denn – hier kommen wir vom Absurden zum Rand der Psychose – Kritik an der Tierbenutzung wie Sezgin sie formuliert, würde seine Existenz als Person bedrohen.

„Denn würden die Ansichten der Autorin allgemeine gesellschaftliche Norm oder gar Gesetz, bedeutete das für ihn die Auslöschung als Person.“

Welche Person meint er aber, außer vielleicht der Dritten? Da Worte ja nicht töten können, bezieht Fuhr seine Todesangst wohl eher auf seine Persönlichkeit als Tierbenutzer.

Nun, der Rechtsstaat, bez. was die Schneise aus der Parteiendemokratur vor den Toren des Bundesverfassungsgerichts noch nicht an Rechtsstaatlichkeit zertrümmert hat, „bedroht“ viele Persönlichkeiten. Zum Beispiel Geisterfahrerpersönlichkeiten. Oder Kinderschänderpersönlichkeiten. Oder Frauenschlägerpersönlichkeiten. Allen drei Beispielen von Täterpersönlichkeiten ging eine gesellschaftliche Norm voraus, die Gesetz wurde um deren Existenz zu bedrohen.

Und das ist gut so und auch gar nicht überraschend. Jede Zivilisation die diese Bezeichnung verdient unterliegt einer ethischen Progression die Täterpersönlichkeiten weghaben will.

Das peinliche an Fuhrs Kommentar ist aber, dass er seine Täterschaft unterschlägt und sich selbst als Opfer umdefiniert, der seine Täterschaft an Tieren als eine Eigenschaft geriert, für die er quasi selbst zur bedrohten Art wird! OMFG?! Fuhr reklamiert für sich und andere Tierbenutzer also einen Artenschutz, so wie für Haie und Löwen. Er muss schließlich wie seine beutegreifenden Verwandten „die“ „Bestände“ „kontrollieren“ :-)

Schaut her sagt er, ich bin Tierbenutzer und will auch gar nichts anderes sein, dass ist integraler Teil meiner Person(!), diese Tierethiker bedrohen meine Existenz.

Nun, ja, Herr Fuhr, Horrido beim Geruch meiner Schürze – das ist der Plan. Die Autobahnpolizei stoppt Geisterfahrer, und Veganer stoppen Tierbenutzer. Erstere mit Staatsgewalt, Letztere durch Verbreitung ihres Gerechtigkeitsempfindens.

Im Dunst seines dahingegreinten Opfertums vernebelt Fuhr seinen Lesern die Sicht auf diese dreiste Umkehrprojektion, nämlich dass er mit Diskreditierungspropaganda Veganern einen Maulknebel umbinden möchte, in Wahrheit er also unsere Existenz zurückdrängen möchte. Er redet nicht direkt von Veganern, sondern lagert schusshitzig deren Existenz aus in bekannte Etiketten: „Zyklone eines moralischen Rigorismus“, „Im Wesen totalitär“. Unerhört diese Autobahnpolizisten! Durch diesen totalitären Moralismus können sich Geisterfahrerpersönlichkeiten einfach nicht frei entwickeln! Äh, unerhört diese Veganer. Durch diesen totalitären Moralismus können sich Tierbenutzerpersönlichkeiten einfach nicht frei entwickeln!

Und da kann man auch schon aufhören zu lesen. Denn nachdem Fuhr sich mit seinem Euthanasievergleich in Rage phantasiert und sich selbst in die Opferkostümecke bedrohter Persönlichkeiten manövriert hat, doppelt es aufgebaumt vom Hochsitz einen Blattschuss nach dem anderen auf das von ihm aufgestellte Pappbild von Hilal Sezgin. Er ist mit den Allgemeinplätzen und Unterstellungen, deren Entblödung schon die schnelle Lektüre vom Rechtfertigungs-FAQ  besorgt hätte aber keinesfalls ein ignoranter Widerling, sondern das ist reine Selbstverteidigung.

Hilal Sezgin müsst ihr nämlich wissen, ist ein Vampir-Reh, das hinter deutschbedrohten Jägerpersönlichkeiten listig aus dem Migrationshintergrund vorprischt, um ihnen die Persönlichkeit auszusaugen.

Waidmannsheil.

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Ava Odéména
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14 Antworten to “Eckhard Fuhr: „Die Autobahnpolizei euthanasiert Geisterfahrer!1!!“”

  1. Hans Rieder Says:

    Bravo und danke, Ada !! Das war wieder Spitze ! Fuhrs Artikel in der WELT hat mich auch sehr aufgeregt. Ich habe eine Antwort von dir schon fast erwartet. Das mit der Täter- Opferbeziehung und -Verdrehung hast du sehr gut rübergebracht. Tatsächlich, er sieht sich wirklich als Opfer, der Arme. Hoffentlich bekommt er deine Replik auch zu lesen. Ob er sie dann auch verstehen will, ist eine andere Frage. Denn in seinem Hirn ist anderes fest eingebrannt.
    Da kommt mir noch etwas in den Sinn, was ich bei Hanna Rheinz gelesen habe:

    „Das Psychogramm der Jagd und des Jägers/der Jägerin zeigt das Ausmass der Selbsttäuschungen, Legenden und Jägerlügen.“

    Liebe Grüsse aus dem etwas wärmeren Catania /I

    Hans

    PS. Mir geht es übrigens gut. Ich lebe immer noch vegan und fühle mich gesund an Leib und Seele.

    • Ava Odoémena Says:

      Aloha Hans, schön von dir zu hören.

      Die Opfer-Täter-Verdrehung ist der inhaltlich wichtigste Teil, schön dass es mir gelungen ist das deutlich zu machen.

      Ich hoffe es ist mehr als nur etwas wärmer in Catania als in Berlin, obwohl hier jetzt auch das große Tauen beginnt und die Spree-Eisbrecher wohl bald ihren Dienst einstellen können.

  2. Lisa Says:

    Ich war, bis ich deinen Kommentar hier gelesen habe, nicht mal so wirklich in der Lage, wiederzugeben, was Eckhardt Fuhr uns eigentlich mitteilen will… Naja, er ist ja wirklich schon „bekannt“ davor, sich von Veganern bedroht zu fühlen.
    Von der Hauptseite deines Blogs gibt es auch schon etwas schön Ironisches: Direkt nach der Stelle „Klingt bescheuert?“ kommt der Link „den Rest des Beitrags lesen“ ^^
    Ich dachte erst, das sei absichtlich so eingebaut xD

  3. reingestolpert Says:

    wassind das frü viele komische wötrer und redewendungnen?

    • Ava Odoémena Says:

      Tja, mehr als sonst, ne? :-) Weil Fuhr Jäger ist, hab ich vieles von der sogenannten Jägersprache eingebaut. Die Bezeichnung „Stück“ verlinkt auf den betreffenden Eintrag auf Wikipedia. Viele von diesen Bezeichnungen haben auch schon die Tierverachtung der Jäger eincodiert finde ich.

  4. Hans Rieder Says:

    Für alle, die es noch einmal gerne Lesen wollen oder noch nicht gelesen haben:

    Von Ava in diesem Blog

    Warum sind Antiveganer eigentlich so dumm?

    Trifft auch ungemein auf Eckhard Fuhr zu.

  5. Ava Odoémena Says:

    Apropos Jagd: http://blog.fefe.de/?ts=ac12829e

    Um es mit den Worten von Von Leitner zu sagen: Kann man sich gar nicht ausdenken sowas.

  6. Murph Says:

    Durch diesen totalitären Moralismus können sich Geisterfahrerpersönlichkeiten einfach nicht frei entwickeln!

    Das Antibeispiel ist vielleicht ein bisschen unglücklich gewählt weil du viele Linksextremisten vom Verständnis ausschließt. Dabei sind gerade in dem Lager viele Leute, die sich für Veganer halten.

  7. Zardoz Says:

    Man kann es doch einfach zusammen fassen:

    Die Gleichstellung von Tierleben und Menschenleben ist als Verstoß gegen die Menschenwürde verfassungswidrig.

    Wenn man damit ernst macht, landet man automatisch bei der Relativierung des Schutzes menschlichen Lebens. Denn auch Veganer und Tierrechtler wollen ja Straßen haben, Häuser, Computer etc, was alles Tierleben kosten. Wenn man dafür Tiere töten darf, z. B. durch Unterpflügen, und Mensch und Tier den gleichen Wert haben … müßte man auch Menschen für diese Zwecke töten dürfen.

    Oder aber man meint das mit den Tierrechten doch nicht so ernst.

    Leider vermisse ich im Text der Odoemena (wie immer?) jede Auseinandersetzung mit der eigentlichen Problematik und nur Polemik und Zoten.

    Bin ich überrascht? Nicht wirklich ….

    • Ava Odoémena Says:

      Ich hab mal meinen Namen korrigiert, es macht dir hoffentlich nichts aus.

      Wenn man damit ernst macht, landet man automatisch bei der Relativierung des Schutzes menschlichen Lebens. Denn auch Veganer und Tierrechtler wollen ja Straßen haben, Häuser, Computer etc, was alles Tierleben kosten. Wenn man dafür Tiere töten darf, z. B. durch Unterpflügen, und Mensch und Tier den gleichen Wert haben … müßte man auch Menschen für diese Zwecke töten dürfen.

      Oh der goldene Ritter kommt mit einer nicht weniger bescheuerten Eigeninterpretation um die Ehre des Geistesgenossen zu retten. Wie redlich.

      Inhaltlich, genau deshalb verlinkte ich auf den Rechtfertigungs-FAQ. Dort wird der Unterschied zwischen Vorsatz und Vermeidbarkeit en detail aufgeschlüsselt. Jeder Daumen ist ein Finger, aber nicht alle Finger sind Daumen…

      Hätte Fuhr sich diesen FAQ mal richtig durchgelesen, wäre uns das kopfschütteln und mir eine weitere Polemikarbeit erspart geblieben.

    • clemens sebastian Says:

      ne Zote hätt ich auch noch

      Herr Fuhr meint

      „Auf einem Gnadenhof geht so etwas nicht. Tagelang quält sich das Tier. Der Tierarzt wird zur Euthanasie gerufen und wieder weg geschickt, weil die Henne angeblich noch Lebenswillen zeigt. Am Ende wird sie doch in die Tierklinik gekarrt, wo man sie mit einer Giftspritze in den Tod befördert. Man kann Hühnern also nur raten, Gnadenhöfe zu meiden.“

      man kann Menschen nur raten der „Intensivstation“ fern zu bleiben
      pass du mal auf Schumi, was die mit dir noch anstellen

      http://www.focus.de/sport/formel1/michael-schumacher/report-das-stille-drama-um-schumi_id_3635841.html

      nicht mal Lebenswille zeigt der mehr
      und doch
      keine Gnade kennt man

      ich mein aber, das Huhn ist selbst schuld
      hätte es eine Patientenverfügung verfasst
      wäre der Tierarzt nicht umsonst gekommen

      ob Schumi etwas verfasst hat?
      die Ärzte gar davon wissen?
      da zählt der Verwertungsgedanke
      was bringt mehr Geld
      Schumi schlachten und essen

      1. Gang: klare Suppe
      2. Gang: kalte Vorspeise
      3. Gang: Fisch (poissons)
      4. Gang: großer Fleischgang (Schumi gegrillt )
      5. Gang: Erdbeereis

      oder die Gnade der Intensivstation

      Clemens

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