Interna: Edikt betreffend Freitod

Viele werden denken, dieser Text ist kontrovers, sogar anmaßend und unpassend zu einem Zeitpunkt, an dem wir liebe Menschen verloren haben. Aber was ich zu sagen habe, wird immer unpassend sein, darum, wann wenn nicht gerade jetzt?

Wer freiwillig aus dem Leben scheidet, stirbt nicht als Veganer.

Das ist kein Urteil, oder Verurteilung, sondern es ergibt sich aus der Handlung. Der Freitod ist kein Töten aufgrund eines ethischen Dilemmas (Hund greift Kind an, und lässt erst ab als er getötet wird). Der Freitod ist eine vermeidbare, stärker noch, vorsätzliche Tötung und somit nicht vegan. Selbstverständlich ist der Freitod keine vorsätzliche Tötung eines Anderen und somit ethisch vertretbarer, aber ethisch vertretbarer ist eben nicht unbedingt vegan. Wer den Freitod wählt, wählt somit auch die Abkehr von der veganen Kultur, das Abstreifen des verbleibenden Lebens geht Hand in Hand mit der Ablehnung des Veganseins.

Es macht auch nicht viel Sinn, zwischen guten und schlechten Gründen zu unterscheiden, denn egal ob es sich um eine nicht behandelbare Krankheit handelt, oder eine akute Depression – letztendlich kumuliert Leid immer in einem „seelischen“ Schmerz, den die oder der Betroffene nicht mehr zu tragen bereit ist. Egal ob Traurigkeit, Langeweile oder Krebs, der Freitod beginnt und endet immer im Kopf.

Weiter noch; die private Entscheidung, das Leid nicht mehr tragen zu wollen ist nur dann eine ethisch vertretbare Entscheidung, wenn sie mit den Menschen, die einem etwas bedeuten offen besprochen wird. Ein unangekündigter Freitod ist nicht nur eine vorsätzliche Tötung, sondern verursacht enorm viel Schmerz bei den Nahestehenden und überschreitet somit ganz klar die Grenze des Selbst, zieht andere in Mitleidenschaft. Wer den Mut hat, sich das Leben zu nehmen, sollte auch den Mut haben den Lieben und Freunden die Zeit zu geben, die sie brauchen um Abschied zu nehmen. Den Nahestehenden diese Chance zu geben, um den Lebensmüden zu kämpfen ist eine ethische Verantwortung eines sterbewilligen Veganers. Aber auch der angesprochene, und somit gewissermaßen „verabschiedete“ Freitod ist kein veganer Vorgang.

Die Tragweite des Unveganseins einer Selbsttötung ergibt sich aus der Unumkehrbarkeit. Jemand der nach Jahren zum Beispiel keine Lust mehr hat vegan zu leben, mutet diese Unumkehrbarkeit zwar seinen Opfern zu, es besteht aber zumindest die Möglichkeit wieder ein veganes Leben aufzunehmen. Dem Freisterbenden steht diese Möglichkeit nicht mehr zur Verfügung, ein Freisterbender stirbt unvegan.

Was ist der Sinn dieses Edikts? Offensichtlich bin ich keine Monarchin und Edikt wird hier benutzt im modernen Sinne einer ethischen Rechtsauffassung, die unumstößlich ist und nicht (für mich) zur Debatte steht. Eine veganethische Rechtsauffassung ist nicht juristisch bindend und hat nur die Autorität, die der Leser ihr verleiht. Der Sinn dieses Edikts ist das setzen einer Hemmschwelle, die vorher nicht da war. Ich möchte um die Traurigen kämpfen. Ich möchte, dass sie zögern ob dieser Wahrheit und sich entscheiden, die Wut nach außen statt nach innen zu richten. Ich möchte, dass ihr, wenn es euch ganz beschissen geht, ein wenig wartet bis es nicht mehr ganz so beschissen ist.

Ich möchte die vegane Welt und dafür brauchen wir besonders die Zarten, die Schwachen, die Verzweifelten, die Verwundbaren und die Traurigen. Denn wer sonst soll ermessen können, dass die Welt gut geworden ist?

Unsere Aufgabe ist monumental. Wir sind Veganer, wir sind die Ahnen einer neuen Welt. Wir brauchen alle die wir kriegen und halten können…

Erste Kommentarseite.
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CCBYSA – Ava Odoéména
(n. verantw. für Werbeeinblendungen)

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41 Antworten to “Interna: Edikt betreffend Freitod”

  1. G.S. Says:

    Mein erstes aufwallendes Gefühl, als ich sah, dass du zu diesem Thema schreibst, war Empörung über eine vermutete Anmassung. Die Wunde ist noch frisch, meine Haut ist noch dünn. Nach der Lektüre möchte ich mich für deine Worte bedanken, auch wenn ich darüber weine. Ich hoffe, diese Hemmschwelle rettet in Zukunft jemanden das Leben.

  2. luy1n Says:

    Hallo Ava Odoémena,

    du vertrittst hier eine sehr kontroverse Haltung, wie du ja selbst schreibst. Was mich mal interessieren würde, ist, wie du zu Menschen stehst, die diese Entscheidung unter enormer psychischer Belastung treffen – etwa unter Depression – die sich nicht in der Lage fühlen, der Welt irgendetwas Positives abzugewinnen. Unterstellst du ihnen so etwas wie „Blindheit“ gegenüber der Schönheit der Welt, die sie aber aufgrund einer Erkrankung haben und nicht aus einer „Entscheidung zur Ignoranz“?

    Schöne Grüße und danke für deine anregenden Gedanken.

    • Ava Odoémena Says:

      Hi Luy1n,

      Hm, jeder Freitod ist im Prinzip das Resultat einer Depression, egal ob jetzt die Ursache eine psychische oder somatische (körperliche Krankheit) ist. Schmerzen kann man sehr schwer qualifizieren, aber tendenziell behaupte ich, dass psychische Schmerzen besser auszuhalten sind als körperliche.

      Ich würde jemanden mit Depressionen nie etwas unterstellen, und die Welt ist ja auch nicht schön, sondern ein Drecksloch voller kaskadisch vernetzter Idioten und installierten Repressionssystemen damit das so bleibt. Aber, mit schönen Momenten und Orten darin. Von daher gibt es genügend legitime Gründe, das alles nicht mehr mitmachen zu wollen, aber auf der anderen Seite genügend Gründe, für das persönliche, kleine Glück, für eben diese Momente der Zufriedenheit am Ball zu bleiben. Das Leben in der Postmoderne ist ein Leben für das Glück innerhalb der Misere. Wenn man diesen Balance-Akt hinbekommt, ist man vor dem Freitod gefeit.

      Was mich am Freitod am meisten nervt: Es tun genau die Falschen, von denen diese Gegenwart mehr brauchen würde.

  3. Zardoz Says:

    „Veganismus ist eine aus dem Vegetarismus hervorgegangene Einstellung sowie Lebens- und Ernährungsweise. Der Veganismus lehnt nicht nur den Verzehr von Tierkörpern, sondern überhaupt jede Nutzung von Tieren und tierischen Produkten ab.“ (Wikipedia)

    Ausgehend von dieser Definiton des Veganismus ist Obiges einfach nur grotesker Unsinn. Welche Relevanz sollte die Selbsttötung eines Menschen für die Frage haben, ob eine Verhalten, also eine Handlung oder ein Unterlassen, so genanntes „Tierleid“ vermindert oder vermehrt.

    Selbst wenn man argumentieren wollte, Tier töten=Tier leidet =böse, Mensch = Tier und Töten eines Menschen= Töten eines Tieres=böse, also auch Selbsttötung=böse, wäre nicht beachtet, dass in Krankheitsfällen der Tod Erlösung darstellen kann. Man denke z. B. an den Fall Hannelore Kohl.

    Aber da haben Veganer ja eh ein Verständnisproblem und möchten wie in den Fällen der Stapener Schweine das krepierende Tier lieber noch ein bißchen weiter leiden lassen als erlösen ….

    Tod = Leiden paßt halt nicht immer ….

    Und zu dem Satz von den „Ahnen“ …… selten so gelacht.

    PS.: Wie findest Du eigentlich die Erdbefreier, die die Erde von den Menschen befreien möchten?

    • Ava Odoémena Says:

      Jetzt bist du schon so viele Jahre Troll und hast immer noch nicht gelernt, dass für
      Veganer die Betrachtung von Menschen auf dem evolutionären Kontinuum der Spezies nicht nur für die Biologie gilt, sondern auch für die Ethik. Menschen SIND Tiere. Diese Sichtweise ist keine Abwertung von Menschen, sondern eine Aufwertung anderer Spezies im ethischen Sinne. Das ist zentraler Bestandteil veganer Ethik.

      Und in dem Sinne, mit diesem Bruch der Tierbenutzer-Philosophie sind wir selbstverständlich etwas radikal Neues, und wir werden in der Zunkunft diesen Standard definieren. Wir werden diese Welt regieren, ganz unsichtbar, weil das was wir heute denken wird sich auf alle Kulturen ausdehnen.

      Lach ruhig.

  4. mimenda Says:

    „Wer freiwillig aus dem Leben scheidet, stirbt nicht als Veganer.“

    Völlig richtig! Allerdings wird man beim sogenannten Freitod freien Willen nicht unterstellen können. Ebensowenig sollte man den freien Willen überhaupt zu hoch schätzen. Es steht, besonder heute, viel zu oft frei drauf, wo frei nicht drin ist.

    • Ava Odoémena Says:

      Ich bewerte die Libetschen, neurowissenschaftlichen Versuche sehr kritisch, da wenig zu den geschichteten Rückkoppelungseffekten bekannt ist, innerhalb derer die Biomasse zu Bewusstsein „computiert“. Ich sehe da nämlich keine konkrete Trennlinie. Die Sache Libets wird sich im weiteren Verlauf als gigantisches Missverständnis herausstellen – dessen bin ich mir sehr sicher – hoffentlich wird bis dahin nicht so viel Schaden angerichtet worden sein.

      Die Frage nach der Willensfreiheit bei einer Entscheidung zum Freitod läuft dagegen in zwei Richtungen: Jemand der über das Brückengeländer steigen kann, kann auch wieder zurücksteigen.

  5. Geronymo Says:

    Die Zusammenhänge liegen bestimmt komplizierter, aber ich versuchs mal so: Wenn sich ein Veganer umbringt, war das ein Akt der Verzweiflung oder Verirrung, er hatte immerhin vegan gelebt. Wenn sich dagegen ein Fleischfresser und Tierquäler umbringt, ist das ein veganer Akt, er hat die Welt von einem Übeltäter befreit, ohne anderen zu schaden (auch wenn das die Trauernden meistens erstmal anders sehen). Besser wäre es gewesen, vegan zu werden und so zu leben. Das geht, sogar sehr gut. Go Vegan!

  6. Geronymo Says:

    Zardoz, versuchs doch mal bei Wiki mit deiner Definition. Aber dazu reicht dein Verständnishorzont nicht.

  7. Carla Says:

    „Wenn sich dagegen ein Fleischfresser und Tierquäler umbringt, ist das ein veganer Akt, er hat die Welt von einem Übeltäter befreit, ohne anderen zu schaden (auch wenn das die Trauernden meistens erstmal anders sehen).“

    Schätzungsweise über 80 Prozent aller veganen Tierrechtler stellen nicht die geringste Gefahr für die heutige fleischessende Gesellschaft dar. Außer ein bisschen Aktionismus kommt da ja nichts. Demzufolge müsste man also, wenn hier der Suizid eines Fleischessers/Tierquälers als „veganer Akt“ hingestellt wird, allen untätigen Tierrechtlern sofort und gnadenlos ihre Veganität absprechen, weil sie im Vergleich zum unveganen Selbstmörder jeder für sich niemals auch nur annähernd so viel Unveganität aus der Welt schaffen werden. Ein wirkliches Trauerspiel!

  8. resident_alien Says:

    Logisch nicht haltbar.
    Einen Menschen zum weiterleben zu zwingen, wenn dies für xie unerträglich/unerwünscht ist,
    ist equivalent dazu ein Lebewesen zum sterben zu zwingen.
    Beides moralisch verwerflich.
    Beides ein Verstoss gegen die Selbstbestimmung.
    Dein Veganismus mag sich auf „Leben um jeden Preis“ gründen,
    für andere hat die Selbstbestimmung menschlicher und nichtmenschlicher Tiere Vorrang.

  9. Zardoz Says:

    Ava, Liebelein … die Ausrede der „Unvermeidbarkeit“ ist ein ganz dünnes Brett. Das was Vegner als „unvermeidbar“ bezeichnen, ist doch tatsächlich nur „unbequem“. Diese Fälle sind doch physikalisch oder physisch betrachtet durchaus vermeidbar. Ich darf darf dann halt ein Feld nicht pflügen, wenn ich den Tod von Ratten oder Mäusen vermeiden will. Es ist also vermeidbar. Nur muss ich dann auf mein Hauptziel verzichten, um die unerwünschte Nebenfolge zu vermeiden. Das ist zwingend, wenn man jetzt Tierleben mit Menschenleben gleichsetzt. Ich darf ja auch nicht mähen, wenn ich damit rechne, dass im Kornfeld sich ein Liebespaar tummelt. Dann muss ich auch auf das Hauptziel verzichten, weil die Nebenfolge unannehmbar ist. Der Veganer, der also der Brot ißt oder Computer nutzt, dokumentiert damit, dass er die Nebenfolgen bewußt in Kauf nimmt. Für das Ziel Computer spielen zu können, nimmt er den Tod von Tieren in Kauf. Ob er das gerne tut oder dabei heult, ändert nichts. Bei der Abwägung der Interessen oder Rechtsgüter dokumentiert er durch die Tat, dass ihm seine Interessen näher als die der Tiere sind (das spezieszistische Schwein!!!!)- In der Juristerei führt das dann zum Vorsatz , selbst wenn er die nebenfolge nicht will!

    Unvermeidbarkeit wäre nur dann gegeben, wenn die Vermeidung einer Nebenfolge physikalisch unmöglich ist.

    Der Umstand, dass eine vegane Lebensweise dann äußerst schwer ist, zeigt nur, dass Veganismus und Realität nicht kompatibel sind.

    • Ava Odoémena Says:

      Ava, Liebelein … die Ausrede der “Unvermeidbarkeit” ist ein ganz dünnes Brett. Das was Vegner als “unvermeidbar” bezeichnen, ist doch tatsächlich nur “unbequem”. Diese Fälle sind doch physikalisch oder physisch betrachtet durchaus vermeidbar. Ich darf darf dann halt ein Feld nicht pflügen, wenn ich den Tod von Ratten oder Mäusen vermeiden will.

      Immer wieder aufs neue schockierend für wie blöde du mich hältst:-) Aus dir wäre ein guter Veganer geworden, mit einer soliden ethischen Basis hättest du einiges rocken können. Statt dessen machst du hier einen auf Hypnose-Mentalakrobatik mit korrupten Argumenten wie diesem, in dem landlose Veganer für Blutfelder verantwortlich sind, weil wir nicht in Höhlen leben wollen. Langweilig. Erbst du eigentlich mal eine Metzgerei oder boostest du mit der zwanghaften Abwertung nur deinen Serotoninspiegel über die Wasseroberfläche? Oder doch Sozialneid?

  10. Ruddi Says:

    Troll an Troll

    Als wenn du das nicht tun würdest :D
    Da du die meisten Kommentare gar nicht veröffentlichst, muss man deine feige Zensur ja irgendwie umgehen. (Sascha war übrigens meine Schwester)
    Aber war klar, dass du zu viel Schiss hast, dich inhaltlich zu äußern, Argumente hattest du ja wirklich keine.

    Aber hat Spaß gemacht mit dir zu streiten :)

    • Ava Odoémena Says:

      Ach komm, jetzt einen auf butthurt machen. Zwei Tage hab ich dir den verpeilten Deppen abgenommen, das ist quasi ein Ritterschlag, also grein nicht. Angemessen war die Aktion unter diesem Thema sowieso nicht…

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