Pflanzenrechte, kleine Analyse einer Idiotie

„Leben“ ist im Prinzip ein weit flexibleres Konzept als es den Anschein hat. Denn genau so wie sich einst chemische Elemente verdichtet haben, so hat sich die Biologie als eine Erweiterung der chemischen Evolution verdichtet mit Hilfe von Daten. DNS/DNA ist in ihrem Kern ein chemisches Programm, deren kaskadierende Assoziation von Daten aus dem Tango von Ursache und Wirkung heraus entstanden ist. Und diese Verdichtung von Prozessen wird nicht in der Biologie verharren, sondern die Daten wandern schon lange weiter in die „Chemie der Maschinen“.

Leben ist also ein physikalisches Metakonstrukt in der „Mittelwelt“ der Raumzeit, physikalisch verortet irgendwo zwischen dem Universum als ganzes und den Elementarteilchen. Und so lässt sich jede biologische Einheit kleinzoomen auf ihre chemische, atomare und irgendwann auch mal quantenmechanische Bestandteile. Lebensformen sind ergo ein materiebasierter Aggregatzustand von Konglomeraten, die sich aus kleineren Bestandteilen zusammen setzen. So weit so gleich.

Aber ethische Rechte lassen sich doch nicht aus der Atomebene ableiten!



Biomechanik ist keine Sinneswahrnehmung
cc-by-sa-nc Øystein Alsaker

Ethische Rechte fangen an ab einem *bestimmten* biologischen Zellkonglomerat: Bei Tieren. Denn erst die biologische *Verdichtung*, die wir als Tiere (inklusive dem Homo Sapiens) definieren, verfügt über Fähigkeiten, Eigenschaften und Merkmale, bei denen ethische Rechte Sinn machen. Schmerzempfinden, diskriminierende Auswahl des Sexualpartners, Fluchtverhalten bei Bedrohung, um einige zu nennen. Das gibt es bei Lebensformen, die evolutionär älter sind als Tiere nicht. Selbst der alte Aristoteles, der noch die Verdichtung von chemischen Mechanismen zu biologischen Merkmalen mit einer „Beseelung“ von Materie verwechselte, konnte schon unterscheiden zwischen der reinen Nährstoffaufnahme und Fortpflanzung von Pflanzen und der Fähigkeit zur Sinneswahrnehmung bei Tieren. Es ist ausgesprochen unerfreulich, immerhin lebte Aristoteles vor fast zweieinhalbtausend Jahren, und ich muss immer noch Zeit aufwenden diesen Unterschied aufzufasern? Anstatt an der veganen Weltrevolution zu arbeiten muss ich diejenigen bearbeiten, die so tun als hätte die letzten Jahrtausende keine Wissensbildung stattgefunden.

Leben hat erst ethische Rechte ab der evolutionären Zeit, ab der zusätzlich (!) zur biologischen Verdichtung die Verdichtung von Fähigkeiten, insbesondere die Fähigkeit zur Sinneswahrnehmung entstand. Nun behaupten antivegane Demagogen zwar, Pflanzen könnten Leid empfinden, und sie führen Beispiele an wie messbare Reaktionen auf Einwirkung. Aber nur weil antivegane Demagogen biomechanische Automatismen zu Sinneswahrnehmungen umdefinieren, ist das noch lange nicht wahr. Natürlich liegen die Anfänge von Sinneswahrnehmung und, darauf aufbauend das Leidvermögen ursprünglich in der biologischen Mechanik, die biologische Evolution verbindet schließlich wie ein Zeitstrang alles Leben miteinander – jede Form basiert auf einer früheren Form. Allerdings fehlt alten Lebensformen wie Pflanzen, Algen, Pilzen, Hefen, Bakterien und Viren (ob Viren überhaupt zum Leben gezählt werden können ist noch umstritten) schlicht die Fähigkeit, Leid verarbeiten zu können. Pflanzen haben nichts, womit sie Leid verarbeiten können. Kein Gehirn, keine Ganglien, keine Nervenzellen. Es. Gibt. Keine. Sinneswahrnehmung. Sinneswahrnehmung aber ist die *Voraussetzung* für ethische Rechte. Diesen Punkt unterschlagen antivegane Demagogen entweder, oder sie phantasieren ihn herbei. Eine Ironie dann meist auch ausgerechnet Veganismus als Religion darzustellen, arbeiten antivegane Demagogen doch mit religiösen oder zumindest pseudowissenschaftlichen Mitteln.

Gleichwohl gibt es auch auf „veganer“ Seite Probleme. Denn wer ethische Rechte willkürlich ausdehnt auf alles biologische, der handelt zwar nicht böswillig antivegan aber zumindest verantwortungslos. Veganer, die in der Natur an sich ein biologisches Konglomerat sehen, also in pantheistischer Verblendung irgendwie den Platz nicht sehen zwischen den Individuen; und die ethische Rechte auf Pflanzen und ältere Lebensformen ausdehnen, erweitern diese Rechte nicht, sondern erschüttern sie. Wer überspitzt gesagt den Unterschied leugnet zwischen dem Schälen eines Apfels und dem Häuten eines Menschen; wer also sagt, der Mensch ist wie ein Apfel, der entwertet den Menschen in schrecklicher Art und Weise. Wer dann einen Apfel schält weil er Hunger hat, der wird gegebenenfalls auch Gründe finden einen Menschen zu schälen.

Infolgedessen sind pantheistische Esoteriker so veganschädlich wie antivegane Demagogen. Die einen versuchen den Veganismus von außen zu zerstören, böswillig, die anderen von innen, aus Verblendung heraus.

Wir werden sie alle in ihre Schranken weisen.

Ach ja:

„You’re so vain
I’ll bet you think this song is about you
Don’t you don’t you.“

.

CCBYSA – Ava Odoéména
(n. verantw. für Werbeeinblendungen)

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7 Antworten to “Pflanzenrechte, kleine Analyse einer Idiotie”

  1. Ava Odoémena Says:

    Übrigens, falls ein Biologiestudent eine Idee für eine Doktorarbeit braucht: Wie wärs mal mit Viren als Bindeglied zwischen der chemischen und biologischen Evolution und somit der Beweis einer roten Linie der Verdichtung, die mit der maschinellen Intelligenz einen Bogen zurückführt zur chemischen Evolution. Biologie ergo nicht als Fortführung chemischer Evolution, sondern als Bestandteil.

  2. Zardoz Says:

    [Gelöscht. Bitte vermeide Gewaltphantasien.]

  3. Zardoz Says:

    Ganz billig, Schatzi, ganz billig … jetzt bisse auf dem Niveau vom heiligen Öchim angelangt ….

    • Ava Odoémena Says:

      Du hast das Memo nicht bekommen Mausebär, die Zeiten dass ich hier im Kommentarraum eine Müllgrube verwalte sind vorbei. Pass dich an oder stirb, das liegt doch genau bei deinen „Moral“vorstellungen. Wenn ich deine Überzeugungen auf dich anwende dann gefallen sie dir nicht mehr?

  4. Mononoke Says:

    Von Richard Watts, „Vegan Sidekick“

  5. Arthur Says:

    Hi,
    könntest Du mir bitte näher erklären, warum Viren eventuell doch Lebewesen sind? Habe vor gefühlten 150 Jahren im Bio-Unterricht noch gelernt, dass dem nicht so ist (wegen fehlendem Stoffwechsel, fehlender Möglichkeit zur eigenständigen Replikation und noch irgendwas…). Danke, guter Blog.

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