Selbstkritik: Die Betreibung der veganen Ernährung über den Hausarzt (und was dein Arzt über dich denkt)

Es ist eine Sucht. Wer einmal einen Bluttest hat machen lassen für irgendeinen Wert, entwickelt schnell eine „Anspruchsunverschämtheit“ und geht davon aus, dass der Blick ins Innere des Körpers ein Recht ist was man den Mitversicherten aufbürden darf. Solidarisch ist dieses Kontrollbedürfnis nicht, eher ein Missbrauch des Systems. Die vegane Ernährung über den Hausarzt zu betreiben ist aber nicht nur eine Frechheit nach außen, sondern auch nach innen, konstruiert das doch den Veganer um zum Patienten und den Veganismus zu einer chronischen Erkrankung.

Diese Anmaßung stößt durchaus bereits einigen Medizinern sauer auf. Auch wenn bei Ärzten oft der Veganismus selbst gerne als psychologische Plattform benutzt wird, beruflichen Hämestau zu entladen, ist der Kern der Beschwerde legitim. Dr. Thomas Georg Schätzler verschafft sich im Kommentarraum der Ärztezeitung Luft über einen veganen oder vegetarischen Google-Hypochonder.

Natürlich gibt es auch bei Ärzten irrige Kritik an der Grenze zur Demagogie bis hin zur antiveganen Hetze. Dr. Wolfgang P. Bayerl zum Beispiel kommentiert fast jeden Veganartikel in der Ärztezeitung, mit der Forderung zur Entmündigung von veganen Eltern weil die – Atem anhalten – ihre Kinder vegan ernähren. Als Beispiel nennt er ein Paar welches in den USA inhaftiert wurde, er unterschlägt leider dass dieses Paar nicht inhaftiert wurde weil die Ernährung des Kindes vegan war, sondern unzureichend. Gleiches Argument führte, wenn es „oben“ statt „unten“ angeführt wurde in der Vergangenheit zu einer Rüge des Presserats. Während die Springerpresse in der Frage eine 180°-Drehung hingelegt hat, fast schon zur vorbildlichen Berichterstattung, muss man an der Stelle fragen warum die Ärztezeitung Kommentare mit demagogischer Struktur, dem Unterschlagen von Fakten toleriert. Darüber darf man spekulieren, aber das nur am Rande. Es soll ja viele Provinzärzte geben, die sich im grünlodenern Dunstkreis der Jägerschaft bewegen. Alleine die demagogische Ummünzung der positiven Studie zur Warnung vor Risiken der veganen Ernährung im Titel lässt etwas von der antiveganen Aggression durchscheinen, die hinter dem akademischen Anspruch brodelt. Veganismus muss in der Redaktion der Ärztezeitung, sowie in Teilen ihrer Leserschaft besondere Ängste hervorrufen.

Hm, wie viele Ärzte müssten eigentlich ihre Praxen schließen, wenn alle Gesundheitsvorteile der adäquaten veganen Ernährung wahr wären? 70%, 80%?

Diebisch freuen darf man sich im Zusammenhang mit dem antiveganen Geraune von „Kommentar-Troll“ Dr. Bayerl auch über die blanke Ironie: Denn gerade die verinnerlichte, schwarze Propaganda löst Unsicherheit bei Veganern aus – der Gang zum Arzt ist oh Ironie ein Bumerang der medialen Hetze gegen Veganer in den letzten 20 Jahren.

Wenn man dem gegenüber jedoch die legitime Kritik, abzüglich Häme, von Dr. Schätzler stellt, muss man zustimmen, dass es nur eingeschränkte Rechtfertigungen für das Abfragen von Blutwerten gibt.

Völlig inakzeptabel ist die Konsumentenhaltung: „Ob meine Ernährung eine gute oder schlechte vegane Ernährung ist, ist mir egal, ich gehe schließlich zweimal im Jahr zum Arzt für mein Eisen, Calcium, B12, Vitamin D“ etc. pp. Noch schlimmer sind die, die bereits eine adäquate Ernährung betreiben, also ein guter Mix aus Verantwortung und, nunja, Sinnlichkeit und trotzdem zum Arzt rennen.

Einer der am meisten verlangten Blutwerte, und zugleich ein völlig sinnloser ist der B12-Wert. Besonders beliebt wie auch paradox ist der B12-Wert bei veganen „Natürlichkeitsliebhabern“. Einerseits ist das integrieren von B12-Supplementen ja total unnatürlich, aber die Ermittlung des Werts im Labor im Schweineserum fliegt völlig unterm Natürlichkeitsradar hindurch. Vollends pervers ist die Kombination des gewaltsamen Anhungerns eines B12-Mangels und dann ein Rezept um die Substanz per Spritze in den Körper zu bekommen.

Zumal dieser Wert auch noch völlig nutzlos ist, hat er doch nur echte Aussagekraft mit der gleichzeitigen Ermittlung von Homocystein oder Methylmalonsäure, am besten noch abgesichert durch Holotranscobalamin II.

Das lächerlichste am B12-Test ist allerdings, dass das Endresultat immer gleich ist:

1. Mangel: B12 muss supplementiert werden.
2. Kein Mangel: B12 muss supplementiert werden.

Hierin unterscheiden wir uns in keiner Weise von Nichtveganern: Auch Nichtveganer werden massiv mit B12 supplementiert, halt über den Umweg der Futtermittel.

Da die orale Aufnahme von B12 ohne Zweifel – und ich rede hier vom wissenschaftlichen Zweifel, nicht vom psychologischen – geeignet ist zur Beseitigung eines Mangels, wie auch der Aufrechterhaltung eines guten Status, gibt es für den B12-Test keine wie auch immer geartete Rechtfertigung.

Etwas anders sieht es aus bei Vitamin D. Der ist sowieso kein veganes Anliegen, Vitamin D-Mangel ist nördlich vom 41. Breitengrad ein Massenphänomen, und der individuelle Bedarf um einen suboptimalen 25(OH)D-Wert zu beseitigen und einen optimalen Wert zu halten kann stark variieren. Die Aufnahmemenge schwangt enorm. Die Autorin dieses Textes muss täglich 15.000-20.000 IE Vitamin D supplementieren, um einen 25(OH)D-Wert von +- 100 nmol/L zu halten. Ein Einpendeln der eigenen Menge ist ohne Blick in den Blutwert unmöglich.

Überprüfung aller anderen Nährwert-Parameter sollte Symptom behaftet sein, wer persönliche Betreuung seiner Ernährung sucht, sollte zur Ernährungsberatung gehen oder einen Butler einstellen. Der Weg zur gesunden Eigenverantwortung darf nicht zur Auslagerung der Verantwortung in die Arztpraxis mutieren. Wer sich von der Veganhetze vom Veganer zum Patienten umbauen lässt, erweist weder dem eigenen Selbstwert noch der veganen Gemeinschaft einen guten Dienst.

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CCBYSA – Ava Odoéména
(n. verantw. für Werbeeinblendungen)

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28 Antworten to “Selbstkritik: Die Betreibung der veganen Ernährung über den Hausarzt (und was dein Arzt über dich denkt)”

  1. mimenda Says:

    Dr. Wolfgang P. Bayerl? Bist du dir im Klaren, was der in seinem Kommentar für einen Blödsinn absondert? Schau mal selbst, was wirklich in dem Artikel steht, auf den er sich beruft: http://cebp.aacrjournals.org/content/14/4/963.full.pdf+html

    • Ava Odoémena Says:

      Ich glaub du verwechselst da was, im Text beziehe ich mich auf zwei Kommentatoren, Dr. Bayerl ist nicht derjenige mit der legitimen Kritik. Wär ja noch schöner wenn hier antivegane Clowns derart geadelt würden:D

      Ich hab dennoch mal eine Änderung gemacht damit das deutlicher wird, weil das ein wenig verwirrend ist dass der Artikel sich inhaltlich auf Kommentarschreiber Dr. Schätzler bezieht, aber Kommentarschreiber Dr. Bayerl viel mehr Platz einnimmt.

  2. Ava Odoémena Says:

    Hier mal eine kleine Diskussion von Vegankollegen, die die Umformung vom Veganismus zur chronischen Erkrankung bereits völlig verinnerlicht haben:

    http://www.gutefrage.net/frage/vegan–blass

    Der Frager teilt ganz selbstverständlich mit, dass ein Arzt natürlich schon „die Werte“ abgeklärt hätte, dennoch die reflexhaften Antworten der Antworter man solle doch mal zum Arzt gehen.

    Wobei, dieses Portal ist sowieso eine Zumutung. Jeder Strang komplett zugekleistert mit Werbung – ohne Werbeblocker nicht zu ertragen – und nach Durchlesen der Antworten für ein, zwei Stunden lässt man sowieso die Hoffnung in die Menschheit fahren:-)

  3. Ava Odoémena Says:

    Ich hab mal ein wenig recherchiert ob ich herausfinden kann, was für eine Motivation Dr. Bayerl haben könnte, sich so absurd antivegan zu äußern.

    Er ist ein seit vielen, vieeeeelen Jahren praktizierender Chirurg der sich auf die chirurgische Behandlung der Bauchfellentzündung spezialisiert hat und – man staune – im Kommentar ausgerechnet die Anwendung des Ad Hominem und des Befehlstons bemängelt wenn sich das gegen ihn richtet:-)

    http://news.doccheck.com/de/911/divertikulitis-waschen-legen-oder-schneiden/

    Ein krasser Widerspruch in der Erwartungshaltung und dem eigenen Tun.

    Außerdem ist er, und das ist spannend, Inhaber der Domain bylogic.net.

    http://deu.bizdirlib.com/de/node/2935937

    Und mit der Domain hatte er auch mal unter Zuhilfenahme eines Strato-Netzseitenbaukastens eine Seite basteln wollen, von der es einen Schnappschuss in der Waybackmachine gibt.

    http://web.archive.org/web/20111011221549/http://www.bylogic.net/

    Dieser Schnappschuss will nicht ganz zu seinem Fachgebiet passen, weil da geht es um „Gesundheit“, „Ernährungsberatung“(!) und „Training“. Ein zweites Standbein vielleicht? Weit gekommen war er allerdings nicht mit dem Vorhaben, die einzige Änderung der Platzhaltertexte ist die Aussage „Fett ist blöd“. Klingt eher als habe sich da sein Enkel etwas gelangweilt.

    „Bylogic“ klingt nach einem System zur Gewichtsreduzierung. Kann man eigentlich jetzt nichts von ableiten.

    Vielleicht meldet er sich ja mal hier:-)

  4. Daniel Sutter Says:

    Diese Aussage ist zweifach falsch: „Das lächerlichste am B12-Test ist allerdings, dass das Endresultat immer gleich ist:

    1. Mangel: B12 muss supplementiert werden.
    2. Kein Mangel: B12 muss supplementiert werden.“

    #1 Bei einem akuten Mangel hat man den Wissenszuwachs, dass die bisherige Supplemeniterung (bzw. Nicht-Supplementierung) ungenügend war.

    #2 Bei einem akuten Mangel wird man hochdosiert supplementieren, typischwerweise via B12-Injektion, damit sich der Mensch schneller erholt. Bei Abwesenheit eines Mangels kann ruhig mit B12-Tabletten supplementiert werden.

    • Ava Odoémena Says:

      Aloha Daniel

      #1 Bei einem akuten Mangel hat man den Wissenszuwachs, dass die bisherige Supplemeniterung (bzw. Nicht-Supplementierung) ungenügend war.

      Für Wissenszuwächse ist aber weder der Hausarzt noch die Krankenkasse zuständig. Selbstverständlich liegt es auch in der Eigenverantwortung, dafür zu sorgen dass die eigene Ernährung adäquat ist.

      #2 Bei einem akuten Mangel wird man hochdosiert supplementieren, typischwerweise via B12-Injektion, damit sich der Mensch schneller erholt. Bei Abwesenheit eines Mangels kann ruhig mit B12-Tabletten supplementiert werden.

      Hier beziehst du dich auf Punkt zwei, redest aber von einem akuten Mangel, während Punkt zwei eben von der managelfreien Situation ausgeht.

      Zusammenfassend: Jeder B12-Mangel der nicht auf Krankheit oder Alter basiert ist selbstverschuldet und sollte und kann natürlich vermieden werden.

      Selbst wenn ein Mangel vorhanden ist, kann dieser mit einer oralen Integration mittels passiver Resportion behoben werden.

      • Daniel Sutter Says:

        Hey Ava

        Vorweg:
        Ich beziehe mich oben mit den „#“ nicht auf deine Punkte, ich liste damit die zwei Punkte separat auf, in denen ich deine Argumentation widerlegt sehe.

        Ich weiss nicht wie die Situation in Deutschland ist, aber in der Schweiz ist es der Normalfall, dass man den B12-Test aus der eigenen Tasche bezahlt, ausser man bezieht sowieso bereits Leistungen, die mindestens ca. €1000 übersteigen. Da es auch in Deutschland Leute gibt, die mit ihrem eigenen Geld eine Leistung beim Hausarzt beziehen müsste zumindest dieser Fall differentiert und positiv bewertet werden.

        Wenn ein Wissenszuwachs zu einem besseren Gesundheitszustand von Menschen führt, ist er sowohl im Interesse des Betroffenen, seines Hausarztes (bzw. -ärztin) sowie der Krankenkasse. Und wenn ein „ich supplementiere nicht weil ich alles in ungewaschenem Bio-Gemüse habe“-Veganer duch einen negativ ausfallenden Test zur Vernunft gebracht wird umso besser – gerade wenn diese Person bald schwanger wird oder schwanger ist. Wenn es um Ernährung, Vitamine und Stoffwechsel geht sind wohl relativ viele Leute mit biochemischem Vokabular etc. relativ überfordert – und da ist es eben gerade die Aufgabe z.B. von Hausärzten, zu vermitteln.

        Mit einem vorsorglichen Besuch beim Arzt macht man sich auch nicht gleich zum „Patienten“ (-> Pathologisierung) oder verschwenderischen Lifestyler, sondern zeigt, dass man ein Gesundheitsbewusstsein hat und (sofern man sich richtig vegan ernährt) auf unbestimmte Zeit gut genährt ist und keine Mängel hat. Das sind dann auch für ÄrztInnen dringend benötigte korrektive Erfahrungen in Bezug auf weit verbreitete bestehende Vorurteile.

        Du merkst zwar an, dass ein B12-Mangel mit oraler Aufnahme behoben werden „kann“ – ob es allerdings klug ist bezweifle ich. Wie gesagt ist es nicht umsonst Standard, in solchen Fällen B12 intramuskulär zu applizieren, damit sich die Leute schneller erholen. Oder hast du da empirische Daten, die anderes aussagen? Dazu kommt: Intramuskuläre Injektionen umgehen z.B. auch eventuelle Aufnahmestörungen im Magendarmtrakt (deren Abklärung dauern kann) – und bei einem Mangel sollte man auf keinen Fall unnötige Versorgungsverzögerungen in Kauf nehmen

        LG!

        Daniel

      • Ava Odoémena Says:

        Vorweg:
        Ich beziehe mich oben mit den “#” nicht auf deine Punkte, ich liste damit die zwei Punkte separat auf, in denen ich deine Argumentation widerlegt sehe.

        Ok das nehme ich dir jetzt mal so ab…

        Ich weiss nicht wie die Situation in Deutschland ist, aber in der Schweiz ist es der Normalfall, dass man den B12-Test aus der eigenen Tasche bezahlt, ausser man bezieht sowieso bereits Leistungen, die mindestens ca. €1000 übersteigen. Da es auch in Deutschland Leute gibt, die mit ihrem eigenen Geld eine Leistung beim Hausarzt beziehen müsste zumindest dieser Fall differentiert und positiv bewertet werden.

        Auch selbstbezahle B12-Tests sind unvegan wegen der Tierversuche und dem Umstand, dass sie über einen Trägerstoff passieren, aus einer Substanz die aus Schweinen hergestellt wird. Da sie eben komplett vermeidbar sind, hört da die Diskussion eigentlich (für Veganer) schon auf.

        Wenn ein Wissenszuwachs zu einem besseren Gesundheitszustand von Menschen führt, ist er sowohl im Interesse des Betroffenen, seines Hausarztes (bzw. -ärztin) sowie der Krankenkasse.

        Selbstverständlich, aber wie der Wissenszuwachs zustande kommt, das ist doch das entscheidende. B12 ist keine Grundlagenforschung, alle Fakten sind bekannt. Es ist bekannt wann man einen Mangel bekommt, und wie der behoben wird. Wissenszuwachs kann lange vor dem Mangel eintreten: Im Internet wie auf Blogs wie diesen, in Bibliotheken oder beim Ernährungsberater. Ein B12-Mangelveganer führt auch bei Ärzten nicht zu Wissenszuwachs, sondern zur Bestätigung von Vorurteilen…

        Mit einem vorsorglichen Besuch beim Arzt macht man sich auch nicht gleich zum “Patienten” (-> Pathologisierung) oder verschwenderischen Lifestyler, sondern zeigt, dass man ein Gesundheitsbewusstsein hat

        Gerade der Lifestyler missbraucht ja den ärztlichen Dienst als Informationsquelle, anstelle einfach mal eine Suchmaschine zu betätigen. Ärzte sind keine Ernährungsberater! Zumal die in Ernährungsphysiologie gar nicht ausgebildet sind. Internisten die nicht gerade auf Diabetes geschult sind, haben so viel Ahnung von Ernährung wie die Kolumnenschreiberin der Brigitte. Du entkräftest doch meine Argumente nicht, indem du sie zu Vorteilen umdefinierst. Wer wirklich Gesundheitsbewusstsein hat, eignet sich die Informationen an den richtigen Stellen an und bevor es zu einem Mangel kommt. Gerade bei B12 ist das sehr einfach.

        Das sind dann auch für ÄrztInnen dringend benötigte korrektive Erfahrungen in Bezug auf weit verbreitete bestehende Vorurteile.

        Nein, wiederum ist das genaue Gegenteil wahr: Wer seine vegane Ernährung über den Arzt betreibt, bestätigt natürlich die Vorurteile bei denen.

        Du merkst zwar an, dass ein B12-Mangel mit oraler Aufnahme behoben werden “kann” – ob es allerdings klug ist bezweifle ich.

        Das darfst du gerne bezweifeln, es bezweifeln ja auch Leute dass die Erde eine Kugel ist. Wissenschaftlich gibt es an der Wirksamkeit der oralen Substitution keine Zweifel, ich empfehle dir zum Wissenzuwachs mal die Seiten von J. Norris, ein veganer Ernährungswissenschaftler der dir dann auch die entsprechenden Fußnoten bereitstellt. Außerdem: Auch du beweist mit dem Argument, dass du den Veganismus als chronische Erkrankung verinnerlicht hast, schließlich ist es ja so, dass ein Mangel leicht vermieden werden kann. Bei der passiven Resorption diffundiert B12 auch über die orale Aufnahme durch die Darmwand, völlig unabhängig vom intrinsischen Faktor – Wer sich also aus Unwissen oder Ignoranz einen B12-Mangel angehungert hat, kann einfach eine zweimonatige Aufsättigung machen mit morgens und abends einem Pressling von 1000µg und schwupps ist der Mangel weg. Wissenschaftlich, wie gesagt ohne Zweifel. Ganz ohne Arzt und unvegane Tests.

        Die Diskussion endet ja eigentlich schon vor der Tatsache, dass der B12-Test inhärent unvegan ist, schon die Grundfrage, vermeidbar oder nicht vermeidbar – also die Grundfrage veganer Ethik – wenn die denn auch konsequent gestellt würde, erledigt das Thema.

      • Calle Says:

        Auch selbstbezahle B12-Tests sind unvegan wegen der Tierversuche und dem Umstand, dass sie über einen Trägerstoff passieren, aus einer Substanz die aus Schweinen hergestellt wird.

        Welcher Test genau ist unvegan? B12-Blutserum oder Holo-TC oder beide? Was ist mit Homocystein?
        Und wo steht das, dass der Test oder die Tests unvegan sind, dass eine Schweinesubstanz verwendet wird?

        Und jetzt bitte nicht wieder als einzige Quelle Frau Berger nennen.

      • Ava Odoémena Says:

        B12 Blutserum, und ja, meine einzige Quelle ist Iris, von der hab ich die Info. Bei den anderen hab ich keine Kenntnis, kann ich nichts zu sagen.

      • Calle Says:

        OK. Dann solltest Du vielleicht Deinen Text entsprechend anpassen, dass der B12-Blutserum-Test wohl nicht vegan ist. Holo-TC und auch Homocystein sind dann wohl nicht betroffen. Ich finde das sonst einfach verwirrend.
        Zumal wenn schon ein B12-Test, dann doch den Holo-TC (also aktives B12), da das B12-Blutserum nichts aussagt bzw. sogar verwirrend sein kann.

        Nix gegen I. Berger, aber sie als einzige Quelle finde ich doch recht dünn.
        Und Dein Text macht auf mich den Eindruck, dass Du hierbei gesicherte wissenschaftliche Quellen hast, weil Du die sonst eigentlich ja auch hast.

  5. Ava Odoémena Says:

    Hey Calle

    OK. Dann solltest Du vielleicht Deinen Text entsprechend anpassen, dass der B12-Blutserum-Test wohl nicht vegan ist. Holo-TC und auch Homocystein sind dann wohl nicht betroffen. Ich finde das sonst einfach verwirrend.

    Das weißt du doch nicht ob die betroffen sind oder nicht. Du kannst höchstens ein Wunschdenken mit einer Spekulation in eine Richtung drängen, die angenehm erscheint…

    Zumal das schon von den TVs her nicht vegan ist, warum sich also in nebensächlichen Details verlieren? Und unnötig ist er auch, denn (Wenndens es so seien müsset, wiederhül ichs gerne auch die 100 male):

    1. Mangel: B12 muss supplementiert werden.
    2. Kein Mangel: B12 muss supplementiert werden.

    Ich weiß dass hier viele Leute ein paar mal rebooten müssen bevor die Erkenntnis beim Bewusstsein ankommt, ich werde während meiner Wiederholungen versuchen, so wenig sarkastisch zu sein wie mir möglich ist:-)

    Nix gegen I. Berger, aber sie als einzige Quelle finde ich doch recht dünn.

    Eine Diplom-Oecotrophologin die ein Fachbuch über Vitamin B12 geschrieben hat ist eine dünne Quelle? Kannst du diese Haltung rational begründen?

  6. Lovis Says:

    off topic:
    hi Ava, mir gehört girlsfriend.info, ich wollte dich fragen, ob ich zu dir verlinken darf, der Blog ist im Aufbau begriffen, bitte jetzt noch nicht sooo große Erwartungen an ihn stellen. Tschau, Lovis ;o)

  7. anynom Says:

    Daß man sich Wissen über B12 anders als über den Hausarzt beschaffen kann, verstehe ich ja. Aber woher soll man denn wissen, wie es um den eigenen B12-Spiegel bestellt ist, wenn nicht durch einen ärztlich abgesicherten Bluttest? Vielleicht verstehe ich die Kritik nicht, aber ist es in deinen Augen verwerflich, wenn man sich für eben diesen B12-Test zum (Haus)Arzt begibt, jetzt mal unabhängig davon ob man vegan legt oder nicht?

  8. Mononoke Says:

    Hi Ava,

    ich frage für eine Freundin: würdest Du zu einem Test raten, wenn jemand seit mehreren Jahre vegan lebt, aber nicht supplementiert hat?

    Oder zu einer Aufsättigungskur ohne Test? Im „letzten B12-Thread“ hast Du geschrieben: „Ergo 2000µg als Tagesdosis zur Aufsättigung. Für alle, die erst mal auf Ebene 0 kommen wollen, ist eine “Kur” mit 2000µg/Tag für ca. 3 Monate die beste Option.“

    Das bezieht sich auf Cyanocobalamin, oder? (Von Methylcobalamin soll man ja eh täglich 500-1000µg nehmen, wie hoch wäre denn dabei dann die Dosierung für eine Aufsättigungskur?)

    Achja… etwas spät, aber: frohes neues Jahr!^^

    • Ava Odoémena Says:

      Hallo Mononoke,

      Nein, sie kann direkt eine Aufsättigung machen, 2000µg bezieht sich auf Cyano-B12, genau. Zu Methyl-B12 liegen mir keine Erkenntnisse bezüglich Aufsättigung vor. Es wäre allerdings auch ausreichend, wenn sie Methyl-B12 als normale Dosis nimmt, es würde halt dann nur länger dauern, bis die Speicher wieder voll sind, also ist es im Prinzip egal.

  9. Hauke Says:

    Hallo Ava,

    das Wissen, dass man (völlig unbestritten) B12 supplementieren muss, ist meines Erachtens nach verschieden von dem Wissen, dass das gewählte Produkt und die Dosis der Supplementierung bei einem selbst auch wirklich funktionieren. Jede, die z.B. Alpro-Produkte konsumiert, supplementiert auch B12. Es ist aber zu bezweifeln, dass das beim Otto Normalverbraucher hinreicht, da die enthaltenen Mengen viel zu gering sind. Die Supplementierung mit dem Produkt Veg-1 reichte bei mir beispielsweise nicht, da ich vielleicht zu den Menschen gehöre, die B12 nur auf dem passiven Weg und nicht über den intrinsischen Faktor aufnehmen. Da braucht es mindestens Dosen von ca. zweimal 2000 µg Cyanocobalamin pro Woche, und zwar dauerhaft. Ich war froh, dass ich das durch den Test festgestellt habe, denn sonst hätte ich mich auf der sicheren Seite gewähnt, wäre aber langfristig in ernsthafte Schwierigkeiten gekommen.

    Mit Dosen von zweimal 2000 µg Cyanocobalamin wäre man dann wohl auf der sicheren Seite. Allerdings muss man dann ohne Test seine Gesundheit immer noch irgendeinem unbekannten Hersteller aus der weitgehend unkontrollierten Supplemente-Industrie anvertrauen. Woher weiß ich denn in unserem globalisierten, kapitalistischen und von persönlicher Verantwortung weitestgehend befreiten Wirtschaftssystem, dass meine B12-Tabletten nicht irgendein in China gepresstes und durch Produktionsfehler oder betrügerische Praktiken möglicherweise völlig unwirksames Zeug sind? Ich halte mich da dann doch an die Devise „Better be safe than sorry“, denn ich will nicht einmal irgendwann zu den Veganern gehören, die die Karnisten in ihren Vorurteilen über die vermeintlichen Gefahren der veganen Lebensweise bestätigen.

    Vor über einem Jahr bin ich dann aus Bequemlichkeitsgründen zur Santé-B12-Zahncreme gewechselt und da es dazu bisher nur ein paar Studien gibt, habe ich doch auch lieber nochmal testen lassen und dabei gleich den selbst zu bezahlenden und ja zumindest nicht als unvegan bewiesenen Holo-TC-Test gewählt. (Zugegebenermaßen auch den kassenfinanzierten Blutserum-Test weil ich da noch keine verlässliche Information darüber hatte, dass der unvegan ist. Die habe ich erst später durch Lektüre dieses Blog-Beitrags erhalten und würde diesen Test daher in Zukunft nicht mehr machen lassen. Gegenüber dem Versichertenkollektiv habe ich da übrigens kein schlechtes Gewissen, da ich mit meiner gesundheitsbewussten Ernährungsweise statistisch betrachtet mit hoher Wahrscheinlichkeit über meine Lebenszeit fünfmal mehr in den Topf einzahlen als herausnehmen werde. Z.B. werde ich mit meiner vollwertig veganen und ölfreien Ernährung a lá Esselstyn, Barnard und McDougall fast sicher nie Typ-II-Diabetes oder kardiovaskuläre Erkrankungen bekommen, die einen riesigen Anteil des Gesundheitsbudgets verschlingen.)

    Den Tests zufolge waren dann übrigens alle Werte im grünen Bereich, das heißt, dass ich dabei bleiben kann und in Zukunft -wenn überhaupt- nur noch in großen Intervallen testen lassen werde. Ich glaube auch nicht, dass es dafür einer Rechtfertigung bedarf, denn ich schade -so weit ich das beurteilen kann- niemandem damit, dass ich den Holo-TC-Test auf meine Kosten machen lasse. (Hingegen schaden Du und ich Tieren, wenn wir in bereiften Fahrzeugen durch die Gegend fahren oder gefahren werden, da Reifen wohl leider auch unvegan sind.) Wenn es einer Rechtfertigung bedürfte, dann sind es bei mir eben menschliche Neugier und mangelndes Vertrauen in die Sicherheit der Produkte des globalisierten kapitalistischen Wirtschaftssystems.

    Würdest Du auch argumentieren, dass man -wenn man sich jeden Tag die Zähne seidet und putzt- nie zur Kontrolle zum Zahnarzt muss und dass man überhaupt mit rein prophylaktischen Zahnarztbesuche in unfairer und egoistischer Weise das Gesundheitssystem ausnutzt? Und wenn nicht, wo ist für Dich der Unterschied zur Kontrolle der Wirksamkeit der eigenen B12-Supplementierung?

    Namasté
    Hauke

    • Ava Odoémena Says:

      Danke Hauke für deinen ausführlichen Kommentar, die Antwort war aber schon Teil deiner Frage. Als Mensch der von der passiven Diffusion abhängig ist, bist du gewissermaßen Patient und so gelten andere Regeln wie für Gesunde ohne derartige Einschränkung. Zumal jedem der sich unsicher ist, sowieso die Wochenmethode mit 2000 mcg zur Verfügung steht. Das ist das tolle daran: Sie steht Menschen mit und ohne Einschränkung parallel zur Verfügung.

  10. Lady Says:

    Hallo liebe Ava!

    Mein B12 Blutwert liegt bei über 2000 ng/l, Homocystein bei 5μmol. Andere Werte sind im Normbereich.

    Dank deiner Pipetten-TabletteAuflöse-Methode bin ich jetzt vollgestopft damit =)

    (ich habe mir allerdings damals als ich angefangen habe eingebläut dass ich 2ml brauche statt 1ml pro Tag, weil ich dachte dass ich ja soooo einen Mangel hätte naja =) )

    Ich überlege mir jetzt nur einmal 2ml pro Woche zu nehmen um, bissl runterzukommen von den 2000.
    Glaubst du es ist ok?

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