Posts Tagged ‘Leben’

Weil ich nicht bin wie du, füge ich dir Schaden zu

30. März 2015

Beda Martin Stadler, Wissenschaftsrabauke und emeritierter Professor der Immunologie aus der Schweiz gab Bluewin.ch ein Interview über den Kampf eines Rationalen mit der Esoterik, befragt wurde er auch zum Veganismus. Corina Hany fragte ihn, ob Veganer auch ein rotes Tuch für ihn seien, weil die von den Gegnern als Glaubenssystem diffamiert werden.

Die amüsante Antwort von Professor Stadler, dass Veganer die besseren Argumente hätten, aber die Nichtveganer das bessere Essen mag auf uns erstmal zynisch wirken; im Kontext eines Gesprächs zweier Nichtveganer allerdings eine Besonderheit. Schließlich greift Professor Stadler die Steilvorlage nicht auf und nimmt somit Veganer gegen derlei Assoziationen in Schutz. Und dies wohlgemerkt, obwohl es bei Veganern eine große Schnittmenge gibt mit Naturwahn-Esoterikern, Impfgegnern, Homeopathen usw.

Gleich darauf aber verstrickt sich der Professor ohne Not in eine abenteuerliche Rechtfertigung warum er trotzdem immer noch Tiere benutzt (vulgo „Fleisch isst“): Diese hätten keine Fähigkeit zu planen, in die Zukunft zu denken und deshalb nähme man ihnen nichts, wenn man sie schmerzfrei töte.

Mit der gleichen (ethischen, nicht rechtlichen) Logik aber dürfte man einen Blinden überfahren wenn der versehentlich auf die Straße läuft, schließlich denkt derjenige er sei noch auf dem Bürgersteig und rechnet nicht damit überfahren zu werden. Es fehlt ihm eine Eigenschaft, das Sehen, um für diese Situation in die Zukunft planen zu können.

Das Fehlen einer Eigenschaft als Rechtfertigung für eine massive Grenzübertretung ist nicht nur unwissenschaftlich, sondern es ist auch missbräuchliche Rhetorik zum Zwecke der Manipulation. Denn so wird der Blick abgelenkt von allen anderen Fähigkeiten, Eigenschaften und Merkmalen (FEM), weswegen derer Tiere ethische Rechte haben.

Professor Stadler macht es sich sehr einfach, denn er legt eine streng reduzierte und höchst anthropozentrische Sichtweise als Maßstab an, welche FEM für die Anwendung ethischer Rechte in Betracht kämen. Im Kern ist die von Professor Stadler kolportierte Tierethik aber eine Verkehrung von Ethik in Willkür, „nur wenn du so bist wie ich, verschone ich dich“. Das Fehlen einer einzigen Eigenschaft reicht aber nicht aus, um alle anderen FEM von Tieren als nichtig zu erklären, auch wenn der Professor uns das glauben lassen will.

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CCBYSA – Ava Odoéména
(n. verantw. für Werbeeinblendungen)

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Selbstkritik: Die Betreibung der veganen Ernährung über den Hausarzt (und was dein Arzt über dich denkt)

30. November 2014

Es ist eine Sucht. Wer einmal einen Bluttest hat machen lassen für irgendeinen Wert, entwickelt schnell eine „Anspruchsunverschämtheit“ und geht davon aus, dass der Blick ins Innere des Körpers ein Recht ist was man den Mitversicherten aufbürden darf. Solidarisch ist dieses Kontrollbedürfnis nicht, eher ein Missbrauch des Systems. Die vegane Ernährung über den Hausarzt zu betreiben ist aber nicht nur eine Frechheit nach außen, sondern auch nach innen, konstruiert das doch den Veganer um zum Patienten und den Veganismus zu einer chronischen Erkrankung.

Diese Anmaßung stößt durchaus bereits einigen Medizinern sauer auf. Auch wenn bei Ärzten oft der Veganismus selbst gerne als psychologische Plattform benutzt wird, beruflichen Hämestau zu entladen, ist der Kern der Beschwerde legitim. Dr. Thomas Georg Schätzler verschafft sich im Kommentarraum der Ärztezeitung Luft über einen veganen oder vegetarischen Google-Hypochonder.

Natürlich gibt es auch bei Ärzten irrige Kritik an der Grenze zur Demagogie bis hin zur antiveganen Hetze. Dr. Wolfgang P. Bayerl zum Beispiel kommentiert fast jeden Veganartikel in der Ärztezeitung, mit der Forderung zur Entmündigung von veganen Eltern weil die – Atem anhalten – ihre Kinder vegan ernähren. Als Beispiel nennt er ein Paar welches in den USA inhaftiert wurde, er unterschlägt leider dass dieses Paar nicht inhaftiert wurde weil die Ernährung des Kindes vegan war, sondern unzureichend. Gleiches Argument führte, wenn es „oben“ statt „unten“ angeführt wurde in der Vergangenheit zu einer Rüge des Presserats. Während die Springerpresse in der Frage eine 180°-Drehung hingelegt hat, fast schon zur vorbildlichen Berichterstattung, muss man an der Stelle fragen warum die Ärztezeitung Kommentare mit demagogischer Struktur, dem Unterschlagen von Fakten toleriert. Darüber darf man spekulieren, aber das nur am Rande. Es soll ja viele Provinzärzte geben, die sich im grünlodenern Dunstkreis der Jägerschaft bewegen. Alleine die demagogische Ummünzung der positiven Studie zur Warnung vor Risiken der veganen Ernährung im Titel lässt etwas von der antiveganen Aggression durchscheinen, die hinter dem akademischen Anspruch brodelt. Veganismus muss in der Redaktion der Ärztezeitung, sowie in Teilen ihrer Leserschaft besondere Ängste hervorrufen.

Hm, wie viele Ärzte müssten eigentlich ihre Praxen schließen, wenn alle Gesundheitsvorteile der adäquaten veganen Ernährung wahr wären? 70%, 80%?

Diebisch freuen darf man sich im Zusammenhang mit dem antiveganen Geraune von „Kommentar-Troll“ Dr. Bayerl auch über die blanke Ironie: Denn gerade die verinnerlichte, schwarze Propaganda löst Unsicherheit bei Veganern aus – der Gang zum Arzt ist oh Ironie ein Bumerang der medialen Hetze gegen Veganer in den letzten 20 Jahren.

Wenn man dem gegenüber jedoch die legitime Kritik, abzüglich Häme, von Dr. Schätzler stellt, muss man zustimmen, dass es nur eingeschränkte Rechtfertigungen für das Abfragen von Blutwerten gibt.

Völlig inakzeptabel ist die Konsumentenhaltung: „Ob meine Ernährung eine gute oder schlechte vegane Ernährung ist, ist mir egal, ich gehe schließlich zweimal im Jahr zum Arzt für mein Eisen, Calcium, B12, Vitamin D“ etc. pp. Noch schlimmer sind die, die bereits eine adäquate Ernährung betreiben, also ein guter Mix aus Verantwortung und, nunja, Sinnlichkeit und trotzdem zum Arzt rennen.

Einer der am meisten verlangten Blutwerte, und zugleich ein völlig sinnloser ist der B12-Wert. Besonders beliebt wie auch paradox ist der B12-Wert bei veganen „Natürlichkeitsliebhabern“. Einerseits ist das integrieren von B12-Supplementen ja total unnatürlich, aber die Ermittlung des Werts im Labor im Schweineserum fliegt völlig unterm Natürlichkeitsradar hindurch. Vollends pervers ist die Kombination des gewaltsamen Anhungerns eines B12-Mangels und dann ein Rezept um die Substanz per Spritze in den Körper zu bekommen.

Zumal dieser Wert auch noch völlig nutzlos ist, hat er doch nur echte Aussagekraft mit der gleichzeitigen Ermittlung von Homocystein oder Methylmalonsäure, am besten noch abgesichert durch Holotranscobalamin II.

Das lächerlichste am B12-Test ist allerdings, dass das Endresultat immer gleich ist:

1. Mangel: B12 muss supplementiert werden.
2. Kein Mangel: B12 muss supplementiert werden.

Hierin unterscheiden wir uns in keiner Weise von Nichtveganern: Auch Nichtveganer werden massiv mit B12 supplementiert, halt über den Umweg der Futtermittel.

Da die orale Aufnahme von B12 ohne Zweifel – und ich rede hier vom wissenschaftlichen Zweifel, nicht vom psychologischen – geeignet ist zur Beseitigung eines Mangels, wie auch der Aufrechterhaltung eines guten Status, gibt es für den B12-Test keine wie auch immer geartete Rechtfertigung.

Etwas anders sieht es aus bei Vitamin D. Der ist sowieso kein veganes Anliegen, Vitamin D-Mangel ist nördlich vom 41. Breitengrad ein Massenphänomen, und der individuelle Bedarf um einen suboptimalen 25(OH)D-Wert zu beseitigen und einen optimalen Wert zu halten kann stark variieren. Die Aufnahmemenge schwangt enorm. Die Autorin dieses Textes muss täglich 15.000-20.000 IE Vitamin D supplementieren, um einen 25(OH)D-Wert von +- 100 nmol/L zu halten. Ein Einpendeln der eigenen Menge ist ohne Blick in den Blutwert unmöglich.

Überprüfung aller anderen Nährwert-Parameter sollte Symptom behaftet sein, wer persönliche Betreuung seiner Ernährung sucht, sollte zur Ernährungsberatung gehen oder einen Butler einstellen. Der Weg zur gesunden Eigenverantwortung darf nicht zur Auslagerung der Verantwortung in die Arztpraxis mutieren. Wer sich von der Veganhetze vom Veganer zum Patienten umbauen lässt, erweist weder dem eigenen Selbstwert noch der veganen Gemeinschaft einen guten Dienst.

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CCBYSA – Ava Odoéména
(n. verantw. für Werbeeinblendungen)

Interna: Edikt betreffend Freitod

1. September 2014

Viele werden denken, dieser Text ist kontrovers, sogar anmaßend und unpassend zu einem Zeitpunkt, an dem wir liebe Menschen verloren haben. Aber was ich zu sagen habe, wird immer unpassend sein, darum, wann wenn nicht gerade jetzt?

Wer freiwillig aus dem Leben scheidet, stirbt nicht als Veganer.

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Ein langer Artikel nicht über B12

14. August 2011

Ich habe hemmungslos, ja, völlig ohne Hemmungen ausschweifend geschrieben, Twitteropfer mit einer Aufmerksamkeitsspanne von 140 Buchstaben, tja, was wollt ihr überhaupt hier?:-)

Gestern kamen meine Laborwerte in der Post, im Tintendruck auf Papier. Nein, die Lupe sagt das ist eine Kopie, aber original unterschrieben. Immerhin. Ich hatte die Ärztin gebeten, B12 Serum *nicht* zu ermitteln (das ist einfach nicht notwendig da ich von Anfang an integriere und dieser Test ist nicht vegan – da wird etwas von Schweinen für verwendet), allerdings wurde das jetzt trotzdem gemacht vielleicht weil es in der Liste stand von den Werten, die früher einmal ermittelt wurden:-/

Mein B12-Serumwert ist 948 pg/ml, Normwert ist 191-663 pg/ml, ich bin – geringe Aussagekraft des Wertes ohne Homocystein, MMS oder HoloTC II mal außen vor, sehr gut mit Vitamin B12 versorgt.

Ich nutze, das wurde in der Diskussion neulich unter dem Crashkurs relativ deutlich hoffe ich, das übliche, billige Cyanocobalamin. Also das B12, was für die plötzlich aufgetauchten Methylfans aus dem Anus Satans kommt.

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Übersehene Produkte aus der Tiervernichtung

10. September 2010

Im Netzmagazin Telepolis des Heise Verlags ist derzeit ein Artikel von Peter Mühlbauer zu finden, der einen Wissenschaftsskandal anreisst, in dem die Pharmaindustrie von PR-Firmen geschriebene Werbung als wissenschaftliche Aufsätze in Fachmagazinen platzierte. Allerdings ist gerade bei dem Medikament Premarin der Skandal viel weitreichender, ein Aspekt den Mühlbauer gänzlich vernachlässigte. (more…)

Achtung Philosophie: Veganismus als Weg aus der Normalitätspsychose

14. Juni 2010

Die meisten Menschen verbinden mit einem Blick in den Nachhimmel, auf die Sterne ein intensives Naturerlebnis. Die Vorstellung vom All, der Weite. Die Frage ob wir alleine sind. Tatsächlich ist aber der größte Teil des Nachthimmels ein nichtchemisches Foto.

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[Aktualisierung] Österreich am Abgrund

7. Juni 2010

Ein Messie-Haus füllt sich von den Ecken her mit Unrat. Erst das Altpapier, dann die Pfandflaschen, Schmutzwäsche, der Müll wird nicht mehr entsorgt und die Haufen werden immer größer. Übertragen auf eine Gesellschaft denkt man bei einer schleichenden Stagnation und Zerfall eigentlich erst an sozial Schwache, Kleinkriminelle, Drogenkonsumenten usw. Was aber, wenn die Fäule von Oben kommt, durch die Institutionen und hochoffiziell? (more…)

Dein Knochenmark für Maike

17. Mai 2010

Maike ist an Leukämie erkrankt und es muss ein passender Knochenmarkspender gefunden werden. Alles weitere in diesem Blog.

(Danke für den Hinweis, Daniel) (more…)

Sterblichkeit als Ideologie und politisches Instrument

17. Dezember 2009

Wenn man einen Kubikmeter Sand aufschüttet, in einer Höhle zum Beispiel, und in 10.000 Jahren nachsieht dann liegt da noch ein Haufen Sand. Sand besteht aus vielen kleinen Steinchen und die sind relativ statisch, d.h. der Ritt auf dem Zeitzug hat keinen erheblichen Einfluss auf diese Steinchen. (more…)