Der B12-Schock des deutschen Veganismus und seine Nutznießer

Die vegane Szene in Deutschland ist sehr heterogen, allerdings kommt eine große Gruppe der Veganer hierzulande aus dem linksgrünen Spektrum mit sehr vielen „Gaia-Esoterikern“ und Neopantheisten. Also Menschen die in die Mathematik physikalischer Prozesse Phantasiebilder einer Natur und Natürlichkeit zeichnen, die nicht nur im Widerspruch zu der elektronisch vernetzten, postmodernen Alltagsrealität steht, sondern die auf eine naiv-nervige Weise der Dreamworld der Aborigines entlehnt scheint.

Wenn diese Gruppe Veganer für den Veganismus und in dem Kontext für vegane Ernährung argumentiert, kommen immer wieder Schlagwörter zum Vorschein wie Natürlichkeit und schwer belegbare Behauptungen, wie z. B. dass vegane Ernährung die „natürliche“ Ernährung des Menschen sei.

Fakt aber ist, der Mensch ist ein Allesfresser, und auch Veganer sind Allesfresser. Gerade *weil* der Mensch Allesfresser *ist*, kann er sich ja problemlos vegan ernähren. Schließlich bedeutet alles fressen *können* nicht alles fressen *müssen*. Auch seine Hände kann man dazu benutzen, ein Haus zu bauen oder ein Kind zu schlagen. Niemand würde versuchen Gewalt gegen Kinder zu rechtfertigen, weil die Hände es ermöglichen jemanden zu schlagen.

Menschen die sich ideologisch in Symbol- und Placebowelten versteigen wie Ideen über „Natürlichkeit“, und versuchen daraus zu argumentieren, knallen, das ist nur eine Frage der Zeit, sehr heftig mit einer Realität zusammen.

Ein solch herber Realitätstest stellte die Vitamin B12-Kontroverse dar, welche für Veganer aus der Mutter-Erde-Ecke eine kaum zu überwindende Hürde darstellte und darstellt, denn das Klientel ist nicht selten beratungsresistent.

Vitamin B12, CC:HouseOfSims, Link im Foto

Vitamin B12 wird durch Bakterien gebildet, und zwar auch das Vitamin B12 welches in tierbasierten Nahrungsmitteln vorkommt. Zum Beispiel vergären diese Bakterien im Pansen der Kuh mit das Gras, scheiden dort B12 aus und über den Verdauungsapparat gelangt es dann in die Blutbahn. Auch beim Menschen sitzen B12-bildende Bakterien im Verdauungstrakt, allerdings im Dickdarm und von dort findet keine Aufnahme in den Blutkreislauf statt, das ist Aufgabe des Dünndarms und der ist steril.

Für menschliche vegane Ernährung muss B12 über Gärmethoden hergestellt werden und in die Ernährung eingebracht, denn in Pflanzen, Pilzen, Hefen, Algen kommt es nicht, und schon gar nicht in nennenswerten Mengen vor. Natur betonte Veganer, anstatt diese Realität zur Kenntnis zu nehmen, winden sich oft in seltsamen Argumenten wie z. B. dass die Ernährung heute „zu hygienisch“ sei und früher durch Verschmutzung B12-bildende Bakterien in nicht tierbasierter Nahrung anwesend gewesen sei. Belastbare Quellen gibt es für diese Behauptungen nicht.

Eigentlich wäre das ja aber überhaupt kein Problem, denn schon in den 1950ern hat der Gärexperte Professor Bärwald aus Berlin nachgewiesen, dass mit einer besonderen Gärmethode B12 in veganen Nahrungsmitteln wie Gemüsesäfte oder Sojamilch fermentiert werden kann.

Diese Methode hat sich zur Herstellung Vitamin B12-haltiger Lebensmittel aber nicht durchgesetzt, denn extrahiertes B12 in Reinform, also das selbe B12 welches in Nahrungsergänzungsmitteln enthalten ist, wird massenhaft und billig hergestellt und in gesäuberter Reinform verkauft als Supplement oder als Anreicherung in Lebensmitteln wie Sojamilch zugesetzt.

Für Natürlichkeitsveganer erschließt sich dieser Zusammenhang jedoch überhaupt nicht, der *Glaube* dass vegane Ernährung *perfekt* sei, und zwar in ihrer primitivsten Ausführung, also die Projektion des Garten Edens auf den Veganismus und somit die Zurichtung einer säkularen, ethischen Orthodoxie als trojanisches Pferd für religiöse Zerrbilder, dieser Glaube ist durch die Nichtanwesenheit von Vitamin B12 ohne menschliche Manipulation schwer erschüttert.

Seltsamerweise gelten die gleichen Parameter nicht für Dinge wie Hefe, Brot backen, das in seiner Logistik hochkomplexe Netzwerk der Nahrungsfernversorgung, der Traktor auf dem Acker und die Beleuchtung im Biosupermarkt; all diese Realitäten blendet der Natürlichkeitsveganer komplett aus und ergibt sich zitternd und wimmernd dem B12-Schock.

Und da diese… „Gesinnungsausrichtung“ oft in Personalunion mit Beratungsresistenz einher geht, verpuffen Versuche den Sachverhalt -und zwar den Sachverhalt der Denkblockade- aufzuklären sehr oft völlig ohne Wirkung.

Denn vor dem geistigen Auge rotiert das Nahrungsergänzungsmittel, welches also zwingender Bestandteil der veganen Ernährung ist und an dieser Rotation des kleinen Plastikdöschen prallt jede Aufklärung und somit Emanzipation ab.

Die Vitamin B12 Kontroverse hat sich daraufhin in „naturnahen“ Kreisen memhaft als „Makel des Veganismus“ ausgebreitet und macht diese Veganer damit natürlich äußerst verwundbar für antivegane Propaganda die selbstverständlich genau da ansetzt.

Professor Bärwald ist übrigens ein sehr intelligenter und vitaler Mann, seines Zeichens nicht nur Gärexperte sondern auch Ingenieur, der gerne bereit wäre seine Methode weiter zu geben, aber Natürlichkeitsveganer scheinen gar nicht wirklich an der Lösung ihres Problems interessiert.

Ihres Problems, denn für emanzipierte Veganer existiert kein B12 Problem, da die Integration von reinem B12 als Nahrungsergänzungsmittel weder eine psychologische Hürde noch einen Makel für den Veganismus darstellt. Schließlich wird auch dieses B12 über bakterielle Gärung hergestellt, und für die Qualität ist es belanglos ob diese Bakterien in einem Kuhmagen oder Fermentkessel sind.

Im Gegenteil, B12 in Reinform wie es in Nahrungsergänzungmitteln oder angereichert in veganen Lebensmitteln vorkommt, hat den Vorteil dass es nicht mit Proteinen verklebt ist und so nicht abhängig ist von Faktoren im Magen, es steht dem Körper also immer zur Verfügung. Das ist bei B12 in tierbasierten Nahrungsmitteln nicht der Fall, ein Grund warum viele ältere Nichtveganer an B12 Mangel leiden ist das Fehlen dieser als intrinsischer Faktor bezeichneten Voraussetzung für die Aufnahme des tierbasierten B12s in den Blutkreislauf. Dieser Faktor baut im Alter oft ab und so kommt es bei älteren Nichtveganern zu B12-Mangelzuständen obwohl sie über tierbasierte Nahrung eigentlich genug B12 haben müssten.

Als soziale Bewegung wird sich der Veganismus in Deutschland nur etablieren und verbreiten können, wenn Selbstaufklärung und Emanzipation über Natur-Esoteriken und Dreamworld-Zustände aller Couleur dominieren, denn letztere haben gegen die säurehaltige Schlachthauswelt der Antiveganer nicht die geringste Immunität, sondern lösen sich umgehend und zischend darin auf.

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20 Antworten to “Der B12-Schock des deutschen Veganismus und seine Nutznießer”

  1. M. Mustermann Says:

    „Gerade wenn man glaubt, etwas zu wissen, muss man es aus einer anderen Perspektive betrachten, selbst wenn es einem albern vorkommt oder unnötig erscheint“

  2. Lena Schranz Says:

    Das durch Gärung in Suaerkraut und Co. enthaltene, pflanzliche B12 ist nicht ausreichend als und außerdem ist dessen verwertbarkeit nicht klar. Ich bin selbst vegan und achte daher sehr auf eine Supplementierung.

    Den Vergleich mit Allesfresser und den Händen finde ich nicht ganz passend, auch wenn dem was abfinden kann. Trotzdem könnte man argumentieren, dass ja Allesfresser eben eher alles „brauchen“ und nicht „können“, was man dann mit B12 bestätigen kann. ich würde bei dieser Argumentation wie gesagt aufpassen. Es gibt aber genügend andere Gründe um vegan zu sein :)

  3. Lena Schranz Says:

    …was nicht heißt, dass wir wirklich alles essen müssen und nicht auch vegan genügend nährstoffe bekommen, wenn wir gut drauf achten.. Aber der/die laie könnte so argumentieren.

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