Märchenstunde mit Onkel Pollmer

Udo Pollmer hat es geschafft. Der Lebensmittelchemiker, selbständige Wissenschaftsjournalist und Unternehmensberater ist in den Medien angekommen. Leider erfährt man nie, in welcher Eigenschaft er gerade auftritt. Er tourt durch Laberschauen, veröffentlicht Bücher und wird zitiert. Er hat einen eigenen Verein in dessen Publikation er auch seine Thesen zu Ernährungsfragen verströmt und eine Radiokolumne im Deutschlandradio Kultur. Und da die klassischen Medien vermehrt ins Netz senden, gibt es auch für hartgesottene Netzlinge kein Entkommen mehr für alle, die sich irgendwie mit Ernährung beschäftigen. Denn wer in Deutschland einmal in den Medien vertreten ist, der bleibt in der Regel auch dem Publikum erhalten bis er umfällt. Bevor in Deutschland ein Mann mit Medienprofil vom Radar der Redaktionen verschwindet, muss er entweder mit einer toten Frau im Bett erwischt worden sein, oder mit einem lebenden Kind. Erreicht hat er seinen Status als beliebter Rabauke des Ernährungswesens vor allem mit Provokationen, und die Autorin dieses Textes hat durchaus Sympathien und warme Gefühle für Menschen, die provozieren.

Wo also ist das Problem?

Pollmer, der auch im wissenschaftlichen Beirat der religionskritischen Giordano Bruno Stiftung sitzt, sieht sich selbst als Antidogmatiker in Ernährungsfragen und will eintreten für die Entneurotisierung der Essgewohnheiten. Was so eine „Neurose“ darstellt, kontrolliert allerdings natürlich er, und so kommt es in seinen Predigten durchaus auch zu Kollateralschäden. Nicht nur, dass sich seine eigenen Ernährungsthesen auf den Begriff „Instinkto“ reduzieren lassen, also grob gesagt Essen nach Gefühl, quasi ein Ernährungsnihilismus der völlig abgekoppelt ist von Verantwortung für sich selbst, die Opfer und die Umwelt, nein, diese Haltung vertritt er mit genau der dogmatischen Penetranz, die er anderen vorwirft. Die Opfer (s)eines bedingungslosen Ernährungsnihilismus interessieren ihn nicht die Bohne. Im Gegenteil, der sich als kritische Geist gebende macht in Laberschauen auch mal durch extreme Tierverachtung auf sich aufmerksam und spricht von „Viechern, die man aufschlitzt.“

Aber auch Menschen, die Pollmer als Feind einmal geortet hat, dürfen sich über manche (verbale) Spitze freuen. Gut, wir Veganer sind jetzt nicht gerade bedürftig betreffend negativer Aufmerksamkeit durch den speziesistischen Status Quo, und gerade uns ans Bein zu pinkeln, in Verteidigung des etablierten Status Quo, ist zwar ein wenig lahm aber Hauptsache das Thema erscheint irgendwie auf der Tagesordnung. Pollmers Kreuzzüge gegen das echte und vermeintlich irrationale (in Anderen) ist jedoch nicht platt und dumm. Er ist zu schlau um Lügen zu verbreiten, sondern nutzt seine akademische Ausbildung und Intelligenz dazu, geschickt Bilder zu zeichnen über die, die ihn stören. Bilder, die durch das Weglassen von einigen Farben auffallen, und durch das dickere Auftragen von anderen Farben.

Pollmers Agenda entlarvt sich also nicht durch seine Fußnoten, sondern über die Fußnoten die er nicht zitiert und die Zusammenhänge, die er bewusst weg lässt. Für Laien in Dingen des Ernährungswesens ist es daher schwer erkennbar, wann ihnen da vom Berufskritiker ein Bär aufgebunden wird. Für uns Veganer stellt sich der Sachverhalt anders dar, da wir was unseren Bereich betrifft auf Zack sind und auch mal etwas ins Detail gehen können, vor allem wenn es die vegane Ernährung betrifft.

Und diese Eigenschaft ist gerade jetzt sehr praktisch, denn Pollmer hat sich in liebevoller Zuwendung um Veganer und unser B12 gesorgt, in seiner Kolumne Mahlzeit im Deutschlandradio Kultur.

Gehen wir seine Aussagen mal der Reihe nach durch, sparen die offensichtliche Polemik aus:

Behauptung: „Veganer sind eine Gruppe besonders ernährungsbewusster Zeitgenossen.“

Korrektur: Schon mit dem ersten Satz lenkt Pollmer vom eigentlichen Thema ab um das es *Veganern* geht, der Ausbeutung von Tieren, und reduziert Veganer mit einer vermeintlich positiven Aussage auf Befolger einer Kostform, und somit den Veganismus auf eine Diät.

Behauptung: „Ernährungsphysiologisch steht die Gefahr eines Vitaminmangels im Vordergrund, und zwar eines Mangels an B12.“

Korrektur: Hier lernen wir also, dass der Veganismus nicht nur eine schrullige Extremistendiät ist, sondern *im Vordergrund* steht DER MANGEL:-)) !!!11!! Nur steht bei einer *adäquaten* veganen Ernährung kein Mangel weder im Vordergrund noch im Hintergrund, ja, B12 muss in Reinform als Supplement der veganen Ernährung zugeführt werden, aus dem banalen Grund weil die Bärwaldmethode der Fermentierung von B12 im Lebensmittel selbst auf dem Markt nicht angeboten wird. Pollmer vermischt also vorsätzlich eine unzureichende vegane Ernährung mit einer adäquaten, tut so als ob eine unzureichende vegane Ernährung der Standard sei. Ja er tut so als ob eine adäquate vegane Ernährung gar nicht existiere.

Bei der Supplementierungs/Nahrungsergänzungsthematik kommt er in diesem Kontext erst gar nicht an, wohl aus gutem Grund. Weiss er doch als Lebensmittelchemiker, dass einer der größten Einzelabnehmer von Vitaminen und vor allem Vitamin B12 die Futtermittelindustrie ist. Tierbasierte Nahrungsmittel sind vollgestopft mit Nahrungsergänzungsmitteln, aber auf eben der Ebene, von der die Verbraucher ihren Blick sowieso abwenden. Wenn eine Ernährungsform ja auch gar nicht ohne Zusatzvitamine auskommt, dann ist es die auf den geschundenen Körpern der Tiere basierte. Und nicht nur Vitamine bekommen die Opfer ins Futter, sondern dem Tierausbeuter steht ein ganzes Arsenal an Hilfmitteln zur Verfügung von Spezialnahrung, Beimischungen von Mineralien und Vitaminen in Spritzen, von Medikamenten ganz zu schweigen. Tonnenweise.

Behauptung: „B12 kommt nur in tierischen Geweben vor und – in Fäkalien.“

Eine dummdreiste Aussage, nicht nur wegen dem Griff in die Scheiße. Denn Vitamin B12 kommt überall dort vor, wo es gebildet wird: nämlich von Bakterien. Und so verschweigt Pollmer, dass auch das B12 in tierlichem Gewebe von Bakterien stammt. Für die Qualität von B12 ist es völlig unerheblich, ob diese Bakterien sich in einem Pansen aufhalten oder in einem Fermentkessel. Wie schauerlich, dass sich die Lakaien der DGE oder auch Spezialsonderexperten wie Pollmer diese Tatsache immer wieder von Laien erklären lassen müssen.

Behauptung: „Der Mensch kann das Vitamin glücklicherweise in seinem Körper speichern und die Speicher halten jahrelang vor.“

Nein. Wer B12 integriert, entweder über angereicherte Lebensmittel oder als Supplement (bis denn die Bärwald Methode angeboten wird), dessen Speicher leeren sich nie. Eine Strategie, die auch ältere Nichtveganer befolgen sollten, denn im Alter lässt die Fähigkeit nach, das gebundene B12 in unveganen Nahrungsmitteln herauszulösen. Zumal bei einer nicht adäquaten Ernährung die Speicher sich zwar nach und nach leeren können, allerdings setzen die negativen Konsequenzen wie erhöhter Homocysteinspiegel lange vor einem klinischen Mangel ein. B12 Mangel bedeutet eben nicht nur megaloblastäre Anämie. Sogar Pollmers (Selbst)Beschwichtigungsangebot führt also in die Irre.

Behauptung: „Von einem Mangel sind vor allem Kinder von veganen Müttern bedroht. Mütter, die sich auch nur halbwegs normal ernähren, versorgen ihre Kinder bereits während der Schwangerschaft mit einer B12-Reserve. Ist das nicht mehr möglich, verursacht vegane Kost schwere Entwicklungsstörungen und geistige Behinderung.“

Korrektur: Was Pollmer hier sagt ist eigentlich: Eine Mangelernährung erzeugt Mängel. Der rhetorische Trick besteht nur darin den Eindruck zu erzeugen, eine Mangelernährung und vegane Ernährung sei ein und das selbe. Dass nach dem Griff in die Scheiße die gleiche Faust im Gesicht der veganen Frau landet, kann da schon niemand mehr überraschen. Auch die DGE Lakaien schleifen regelmäßig vegane Mütter mit den Traktoren ihrer Auftraggeber über die Felder der Tierausbeuter, die gleiche Argumentation, die gleiche Leugnung von B12 als bakterielles Vitamin. Die Möglichkeit der Fermentation von B12 und somit die Verfügbarkeit für die vegane Ernährung, praktisch wie gebackenes Brot wird unterschlagen.

In den folgenden drei Absätzen vermischt -auch dieses, obgleich peinliche Argument ist sehr beliebt- Pollmer vorsätzliche Tötung mit Unfall oder Nichtvermeidbarkeit und betätigt dafür unwahrscheinliche Metasituationen. Also bitte, es ist 3:30h in der Früh, ich muss wirklich nicht *alles* kommentieren.

Behauptung: „In den Internetforen wird rege darüber diskutiert, welche Pflanzen vielleicht doch noch ein wenig B12 enthalten könnten.“

Korrektur: Auch bei Veganern gibts Naive, die sich durch das Dauerbombardement antiveganer Propaganda blenden und vor allem verunsichern lassen. Aufgeklärte Veganer suchen schon lange kein B12 in Pflanzen. Warum auch? B12 von Bakterien ist genauso vegan.

Und wieder einmal hat ein Supersonderexperte seine akademische Autorität missbraucht, um unter Auslassen und „Vergessen“ der wesentlichen Fakten die eigene (Blut)Ideologie im Container der Kritik zu transportieren.

Hierfür gibts auch in Richtung Pollmer einen besonderen Gruß von Veganes Auge -und für diese Polemik ist er sicherlich empfänglich- ein Gruß mit zwei Händen bei dem jeweils ein Finger eine zentrale Rolle spielt:-)
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Ava Odoemena
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54 Antworten to “Märchenstunde mit Onkel Pollmer”

  1. primal Says:

    Meinem Empfinden nach eine gut gelungene Teil-Analyse von Pollmers Dogma.Sympathisch für mich auch wie Frau Ava sich Humorvoll selbst betrachten kann.
    „Zum Glück sind Sozialassoziationen kein Bestandteil von IQ-Tests:-)“

    Falls ich das richtig Verstanden habe.

    Obwohl mein IQ längst nicht so hoch ist…Heirate mich ;)

    Humor ist die richtigererere Intelligenz,yo :)

    Durianrider und Freelee auf youtube sind für mich die Experten schlechthin für Vegane Ernährung.Sie Veröffentlichen sogar ihre Bluttests.Ich hätte mal den von Udo „Essen Sie doch was Sie wollen“ Pollmer im Vergleich gesehen…Von seiner Fitness (Hust…) ganz zu schweigen.

    Wenn Socken Nährstoffreich wären,würde ich sie in meine Suppe tun Herr Pollmer…Leider gibt es auch keinen Schweinshaxenbaum oder ein Kottelettstrauch.Sogar Erbseneintopfbäume sind unbekannt.Dafür aber reichlich Obst die Phantastischen Zucker enthalten und sogar Natürlichen Ursprungs sind.Ich Vermute mal das sie Unser Phylogenetisches Erbe sind und Schweinshaxen der „Bekömmlichkeit wegen“ zu Genetischen Deformationen führen könnten.

    Mit Sicherheit aber zu Perversionen wie Genetisch Mutierte Pflanzen die sich,auf ihre Art an uns Rächen werden und es auch schon tun.

    Fleischlose Ernährung wird den Krieg und die Sklaverei sofort beenden und die Autarkie,also unser eigentliches Erbe,uns wieder bewusst werden lassen.Ganz zu Schweigen das Fleischlose Ernährung das Gleichgewicht der Finanzen und natürlich das Gleichgewicht der Natur wieder herstellen wird.

    Ich bin nicht unbedingt aus Ethischen Gründen Vegan geworden.Aber der Effekt der neuen Körperlichen Ordnung,ist mir sehr Willkommen.Leider sträubt sich das Pervertierte System gegen Autarkie und Freiheit wie man seit Jahrzehnten gut Erkennen kann,wenn man kann.

    Wie dem auch sei,obwohl ichGesundheitlich noch nicht da bin wo ich sein möchte fühle ich mich Konzentrierter und Fitter als vorher mit Fleischfutter und damit Verbundenes Müde sein und anderen Unannehmlichkeiten.Und Herr Pollmer wird leider an seinen Parasiten (sogenannter Krebs:Video „Der Krebs Bankrott“) zugrunde gehen wie alle anderen Fleischfresser auch.Unter den Opfern der Pollmerischen Fleischdoktrin waren Beklagenswerterweise auch meine Eltern zu Verzeichnen…

    Nein,ich Hasse keine Fleischfresser wenn sie Sympathisch sind :)

    • Ava Odoémena Says:

      Ein Heiratsantrag:-) Und viele nette Kommentare.

      • primal Says:

        Wer nicht nur meinen Sinn für Humor trifft,sondern sich auch um Transparenz und Klarheit in seinen Ansichten bemüht und sicher kein Dogma Subtil Verbreiten will,den mag ich schonmal Sympathisch finden. :)

        Aber,ich denke du bist nicht Einsam und brauchst meinen Antrag nicht Wirklich ;)

        Doch da du Offenbar genau wie ich in Berlin lebst…wer weiss wer nächstens um die Ecke kommt ;)

  2. Gesundes Essen Says:

    Die 5 größten Ernährungslügen aller Zeiten

    Zahlenreiche Gerüchte und Klischees ranken sich um eine gesunde Ernährung, die uns nicht zunehmen lässt. Doch stimmen alle Vorurteile oder ist viel mehr erlaubt als man denkt? Die größten 5 Ernährungslügen lernen Sie in diesem Artikel kennen. 1. Diäten…

  3. Rumpelstilzchen Says:

    Ach ja, der Onkel Udo… hier mal ein paar von seinen aktuellen rhetorischen Perlen:
    Vegetarische und vegane Ernährung sei „Mainstream“, behauptet er. So? Wo denn? Zwar wächst die vegetarische/vegane Bewegung, aber von einer Mehrheit kann da wohl noch lange keine Rede sein.

    „Gegen einen veganen Nachmittag im Biergarten hat der streitbare deutsche Lebensmittelchemiker Udo Pollmer gar nichts einzuwenden. Ihn und seine Co-Autoren von „Don’t go Veggie“ – den Agrarstatistiker Georg Keckl und den Landwirt und Sozialwissenschafter Klaus Alfs – stört aber, dass der Verzicht auf Fleisch und andere tierische Produkte heute oft eine „religiöse Weltanschauung“ mit Sektencharakter sei.“
    Ein Agrarstatistiker und ein Landwirt – zusammen mit Pollmer. Hat natürlich gar nichts von Lobbyismus und wirkt von vornherein hochseriös… Erst recht, wenn mal wieder Kampfbegriffe wie „Sekte“ fallen. Jemand wie Pollmer, der selbst Thesen proklamiert, die aus wissenschaftlicher Sicht mehr als fragwürdig sind, sitzt allerdings viel zu tief im Glashaus, um mit Steinen zu werfen.

    „Selbst innerhalb der Anhängerschaft gebe es Hierarchien: Da blickt der „moralische Vegetarier“ auf den „Gesundheitsvegetarier“ herab. Der Veganer verachtet den Vegetarier, der noch Eier und Käse auf dem Brot hat – und für den Frutarier sind die alle unten durch.“
    Das sind keine „Hierarchien“, sondern Meinungsverschiedenheiten, einhergehend mit Diskussionen und Argumenten – so wie Pollmer auch seine Meinung vertritt und alle verachtet, die seinen Thesen keinen Glauben schenken. Die Pollmer-Anhängerschaft, die sich freut, jemanden gefunden zu haben, der ihnen praktisch einen Freifahrschein für ihre ungesunde und unethische Lebensweise druckt, spart ebensowenig mit Spötteleien oder Beleidigungen gegenüber Andersdenkenden. Also erst einmal vor der eigenen Haustür kehren!
    Und hat eigentlich schon mal jemand einen echten Frutarier gesehen? Ich nicht…

    Pollmer ortet hier eine „moralische Überheblichkeit, aber da ist keine Moral und Verantwortung dahinter“. Zu leugnen, „dass wir alle Teil der Nahrungskette sind, an deren Ende selbst der Löwe wieder von Würmern gefressen wird“, nennt er unverblümt Verblödung.
    Hat irgendwer hier die Nahrungskette geleugnet? Oh, niemand! Na so was aber auch. Das kann Pollmer gern Verblödung nennen, ich hingegen nenne es Verblödung, wenn mir jemand erzählen will, Vollkorn sei ungesund, Übergewicht entstehe nur durch Stress und dicke Menschen würden länger leben als schlanke (wie denn eigentlich, wenn die Dicken angeblich immer so gestresst sind?)

    „Auch in Österreich gibt es aber ein beachtliches Erstarken der Bewegung, weil offenbar nicht bekannt ist, dass man am Großglockner keine Ananas anbauen kann“, formuliert er im TT-Gespräch scharf.
    Ach so, kann man nicht… Ja, hm, blöd, das habe ich gar nicht gewusst… Wer wollte uns hier gerade nochmal was von Verblödung erzählen?!

    „Die Meinung, wenn wir kein Fleisch äßen, dann hätten alle mehr zu essen, ist falsch. Wenn Sie die Almen nicht nutzen, dann haben Sie weniger zu essen! Gerade in Österreich gibt es viele Flächen, die überhaupt nur durch Weidebetrieb nutzbar sind, wo kein Brotgetreide und keine Marillen gedeihen“, betont Pollmer. „Laut der Welternährungsorganisation sind weltweit sogar 60 Prozent der verfügbaren Agrarflächen nur zur Produktion tierischer Lebensmittel geeignet.“
    Ach Udolein, du stellst an dich selbst den Anspruch, in deinem Buch die heile Veggie-Welt zu zerpflücken und schwelgst selbst in deiner heilen Weidevieh-Welt.
    Du redest hier nur von natürlichen Flächen und verschweigst die Rodung des Regenwaldes zwecks Anbau von Tierfutter – für Tiere in Massentierhaltung. Sechzig Prozent Flächen für Weidevieh, toll! Über 90% der weltweiten Fleischproduktion stammen aus Massentierhaltung. Und wenn die natürlichen Flächen deiner Meinung nach schon nicht ausreichen, um alle Menschen zu ernähren, dann erst recht nicht, um alle Tiere in der Fleischproduktion zu ernähren! Wie viel Verblödung darf es denn noch sein?

    Pflanzenkost sei nicht unbedingt ressourcenschonend: Mit einem Lkw-Zug voll Gurken aus dem trockenen Spanien importiere man sogar „mehr Wasser als auf einem gleich großen Lastzug mit Mineralwasser“, rechnet Pollmer vor. Und „Luxusgemüse“ wie Spargel, der „so nahrhaft ist wie ein dicker Strohhalm voll Wasser“, verbrauche sinnlos Fläche. Würde man dort Futterkartoffeln anbauen und damit Schweine füttern, erhielte man das Zehnfache an Nährwert. „Beim Spargel verbessern Sie die Ökobilanz, indem Sie Schinken dazugeben und eine Sauce Hollandaise mit viel Butter drübergießen“, sagt der Lebensmittelexperte trocken.
    Aha… Dass viele Veganer zusätzlich die Devise „regional und saisonal“ verfolgen sowie die Tatsache, dass man Gurken auch hierzulande anbauen kann. Über das Luxusgemüse Spargel kann man nun streiten, aber noch besser als Futterkartoffeln für das Schwein (noch ein „Heile-Antiveggie-Tiere-auf-der-Weide-und-mit-Biofutter-Welt) wären doch Futterkartoffeln für den Menschen: Ein Kilo Kartoffeln direkt oder auf Umwegen über ein Kilo Schweinefleisch, in dem locker zehn Kilo Kartoffeln stecken. Aber das ist den Pollmeranern wahrscheinlich schon zu hoch.

    Seine Kritik ist gepfeffert: In „bildungsfernen Schichten, namentlich bei angehenden Akademikerinnen, herrscht heute die Meinung vor, dass es nichts Besseres gäbe, als sich nicht nur vegan, sondern auch in Bioqualität zu ernähren. Wenn man bio produziert, braucht man aber mehr Fläche, weil der Ertrag viel niedriger als bei konventioneller Produktion liegt.“
    Über seine dümmliche Polemik sehen wir mal hinweg, die kam von zu weit unten und ich bin nicht so gelenkig wie ein Vogel Strauß. Wahrscheinlich ist er in jungen Jahren mal von einer angehenden Akademikerin wegen eines Veganers verlassen worden oder so. Kommen wir zurück zum Thema:

    Da ein Biobauer auf Kunstdünger verzichten muss, benötige er den Dünger der Tiere – deshalb müsse man für bio die Tierhaltung noch ausdehnen.“
    Klar! Ist ja nicht so, dass wir jetzt schon eine Gülleüberschuss hätten…

    Daher sollten Bio-Veganer „Herrn Österreicher dankbar sein, der für ihn seinen Anteil an Bio-Wurst, Käse und Butter verzehrt – damit es immer genug Dünger für den veganen Biokonsum gibt.“
    Ob Herr Pollmer nicht weiß, dass organischer Dünger, der in der bioveganen Landwirtschaft verwendet wird, auch aus Pflanzen oder synthetisch gewonnen werden kann, oder es seinen Lesern nur mal wieder elegant verschweigt?

    Jeder könne ja essen, was er wolle, findet Pollmer. „Aber wenn jemand diesen Unfug auch noch seinen Kindern überstülpt, ist das bedenklich!“ Wie er schildert, gebe es in Frankreich bereits Forderungen der Kinderärzte, die Hard-Core-Gesundheitsmütter auszubremsen, weil immer mehr Kinder an massiven Gedeihstörungen leiden.
    Unfug?! Ich sehe täglich Kinder von Eltern, die – wenn auch vermutlich unwissentlich – den Ratschlägen von Herrn Pollmer folgen und auf gesunde Ernährung offenbar vollständig verzichten. Ich sehe überall dicke, unbewegliche, pickelige du kranke Kinder und der will mir was von Gedeihstörungen erzählen?! Wissenschaftliche Belege? Fehlanzeige! Klar, die Studien, die es über vegane Kinder gibt, widerlegen seine Behauptungen ja auch, also verschwiegen wir das einfach mal. Der geneigte Leser wird uns auch so glauben…

    Der Experte warnt, dass die vegane Ernährung manche Unverträglichkeiten fördert: „Soja provoziert Milchallergien. Inzwischen nehmen die Sojaallergien rasant zu.“
    Experte hat mir gefallen… Die vegane Ernährung fördert also Unverträglichkeiten… Selbst wenn das stimmen würde, wäre das immer noch ein Witz gegen all das, was seine Empfehlungen alles an Krankheiten hervorrufen könnten. Auch hier wird natürlich auf wissenschaftliche Belege verzichtet. Milchallergien sind bei Erwachsenen eigentlich etwas ganz Normales und warum stört er sich so sehr an Sojaallergien, wenn Soja doch seiner Meinung nach total schädlich ist?

    Da Sojaeiweiß erhebliche Mengen an pflanzlichen Sexualhormonen enthält… bla bla bla bla… wissen wir, brauche ich nicht weiter ausführen, wurde hier an andere Stelle bereits ausführlich beleuchtet.

    Als Fleischersatz diene häufig Weizenkleber wie Seitan: „Seitan besteht aus Gluten, also genau dem, was Zöliakie auslöst. Im Brot wird das Eiweiß durch Fermentation abgebaut, beim Fleischersatz aber nicht.“ Deshalb erwarte man bei Kindern, die mit Soja- und Seitanprodukten groß werden, „in zehn, 15 Jahren eine Zunahme dieser Beschwerden“.
    Aha… das glutenfreie Brot ist also eigentlich gar nicht notwendig? Das sehen die Betroffenen von Zöliakie aber anders. Das ist schlicht und ergreifend Bullshit. Die Ursachen für Glutenunverträglichkeit sind noch gar nicht hundertprozentig sicher erforscht, aber meines Wissens gehen Mediziner von einer genetischen Veranlagung aus. Umwelteinflüsse können eine Rolle spielen. Dazu mal ein ganz interessantes Zitat von „Internisten im Netz“: „Die Art und Weise der Säuglingsernährung ist wahrscheinlich ein beeinflussbarer Risikofaktor für die Entstehung einer Zöliakie. So haben Kinder, die bis zu ihrem 6. Lebensmonat von ihren Müttern gestillt wurden, ein geringeres Risiko für die Entstehung einer Zöliakie. Offenbar stärkt Muttermilch das Immunsystem und führt zu einer Toleranz gegenüber Gluten. Zudem scheint entscheidend, dass der ersten Beikost nicht zu große Mengen an glutenhaltigen Lebensmitteln beigesetzt sind.“ Erste Beikost ist vermutlich selten Seitan… aber vegane Kinder sind meistens Langzeitstillkinder. In your face, Udo!

    Veganismus ist für Pollmer unterm Strich ein „Luxusphänomen“: „Er ist überhaupt erst möglich, seitdem es das ganze Jahr über ein riesiges Angebot an Obst und Gemüse aus aller Herren Länder gibt, die mit dem Flieger täglich pflückfrisch in unsere Supermärkte kommen.
    Erstens kann Herr Pollmer noch so oft mit dem „Luxusproblem“ ankommen, es wird dadurch trotzdem kein Argument für oder gegen vegane Ernährung, da es einfach mal gar nichts zur Sache tut und zweitens kann man auch sehr gut vegan, bio, regional und saisonal leben ;-) Das tun sicherlich nicht alle, aber das ist ein ganz anderes Thema.
    Und es braucht einen großen Chemiebaukasten, um die vielen veganen ,Würste‘, ,Fleischlaberln‘ und Pseudokäse mixen zu können. Wer regional, saisonal und natürlich essen will, macht um vegan einen großen Bogen.“
    pruuuuuust Also das ist wirklich mein persönliches Highlight aus diesem Erguss an Schwachsinn! Mal spaßeshalber ein Vergleich:
    Vegane Würtschen von Aldi:
    Trinkwasser, Weizeneiweiß* (27%), Tofu (Sojabohnen*, Trinkwasser, Festigungsmittel: Magnesiumchlorid und Calciumsulfat) (22%), ungehärtetes Pflanzenöl*, Zwiebeln*, Meersalz, Gewürze*, Rohrohrzucker*, Hefe*, Verdickungsmittel Johannisbrotkernmehl*, Kräuter*, Knoblauch*, Sellerie*.
    * aus kontrolliert biologischem Anbau
    Magnesiumchlorid und Calciumsulfat lass ich mal als chemische Mittel durchgehen.
    Zutatenliste für Fleischwurst:
    Fleisch natürlich und dann die Gewürze und Zutaten je kg Masse
    18,0 g Nitritpökelsalz
    3,0 g Kutterhilfsmittel
    1,0 g Farbstabilisator
    […]
    0,5 g Glutamat
    Ganz zu schweigen von den ganzen Chemikalien und Medikamenten im Tierfutter.
    Wirklich schade, dass die Anhängerschaft Pollmers diesen Schwachsinn womöglich für bare Münze nimmt und sich in jeder Diskussion mit einem halbwegs gebildeten Veganer die Zähne ausbeißen wird… Also wer hier Initiator irgendeiner Verblödung ist, wird zumindest ziemlich schnell klar.
    Quelle des Unsinns: http://euleev.de/lebensmittel-und-ernaehrung/website/577-wider-den-veggie-wahn

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